Boeing 737 Max 8  | Bildquelle: AFP

Nach Boeing-Katastrophe Deutscher Luftraum für 737 Max 8 gesperrt

Stand: 12.03.2019 17:55 Uhr

Nach Großbritannien gilt für die Boeing 737 Max 8 vorerst auch in Deutschland ein Flugverbot. Das teilte Bundesverkehrsminister Scheuer mit. Der Betrieb an deutschen Flughäfen sei dadurch aber nicht beeinträchtigt.

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien wird der deutsche Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt. "Sicherheit geht absolut vor. Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max 8 ab sofort gesperrt wird", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ntv.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer | Bildquelle: dpa
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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: "Bis alle Zweifel ausgeräumt sind", soll die Boeing 737 Max 8 am Boden bleiben.

Auf den Betrieb an den deutschen Flughäfen dürfte das Verbot nach Einschätzung des zuständigen Verbandes ADV aber keine allzu großen Auswirkungen haben. "Bei uns herrscht keine Krisenstimmung wegen dieses Fliegers", sagte Hauptgeschäftsführer Ralf Beisel. Deutsche Fluggesellschaften nutzen den in Äthiopien verunglückten Typ bislang noch gar nicht, die Tuifly sollte in diesen Tagen eine erste Maschine erhalten.

Auch Großbritannien sperrt Luftraum

Auch Großbritannien hatte kurz zuvor den Luftraum für diesen Flugzeugtyp gesperrt. Die britische Luftfahrtbehörde sprach von einer "Vorsichtsmaßnahme". Die Behörde betonte, sie stehe in engem Kontakt mit der europäischen Luftaufsicht EASA.

Die EASA selbst hat für den Abend eine Bewertung der Situation in Aussicht gestellt. Ein Sprecher der Behörde widersprach allerdings Gerüchten, dass eine Sperrung des europäischen Luftraums für die 737 Max 8 geplant sei.

Zweifel in China

Zuvor hatten bereits mehrere Länder und Airlines die Boeing 737 Max 8 gestoppt. Darunter Frankreich, Irland und China. Die Volksrepublik ist einer der wichtigsten Abnehmer für den Boeing-Verkaufsschlager und ist angesichts des Absturzes eines Lion-Air-Flugs im Oktober in Indonesien skeptisch. Die chinesische Luftfahrbehörde CAAC verwies in ihrer Begründung darauf, dass es bei beiden Unglücken "gewisse Ähnlichkeiten" gegeben habe. Beide Flüge waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik kann bislang nicht ausgeschlossen werden.

Eine Boeing 737 Max 8 von Air China | Bildquelle: REUTERS
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Einer der wichtigsten Abnehmer Boeing 737 Max 8 ist China.

Auch Australien, Indien oder Mexiko ordneten inzwischen ein Start- und Landeverbot an. Sie alle haben Bedenken, weil gleich zwei neue Maschinen des Typs innerhalb eines halben Jahres verunglückten. Auf dem Flughafen Singapur - einem der größten weltweit - dürfen bis auf Weiteres keine Passagiermaschinen des Typs Boeing 737 Max 8 mehr starten und landen.

alt Archivbild: Eine Boeing Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines  im Bole International Airport Addis Ababa | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX

Boeing 737 Max 8

Länder, die ein Startverbot verhängt haben:
Deutschland, Türkei, Indien, Thailand, Ägypten, China, Indonesien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Irland, die Niederlande, Singapur, Australien, Malaysia, Oman, Ägypten, der Libanon, Kosovo, Hongkong, Kanada

Airlines, die auf den Einsatz vorerst verzichten:
Norwegian Airlines, Ethiopian Airlines, die mexikanische Aeroméxico, Aerolíneas Argentinas, Icelandair, Cayman Airways aus der Karibik, die südkoreanische Airline Eastar, die brasilianische Gesellschaft Gol und Südafrikas Comair,

US-Behörden zweifeln nicht an Flugtauglichkeit

Die US-Behörden stärkten Boeing dagegen den Rücken. Die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA bescheinigte der 737 Max 8 ungeachtet des Absturzes zweier Maschinen die Flugtauglichkeit. Gleichzeitig fordert sie den Flugzeugbauer zu Änderungen an Maschinen dieses Typs auf. Nötig seien unter anderem Änderungen an der Software und am Kontrollsystem MCAS. Dafür setzte die FAA dem Unternehmen eine Frist bis Ende April.

Dem ehemaligen Chef der US-Transportbehörde NTSB, Jim Hall, reicht das nicht. "Ich denke, Boeing sollte die Flugzeuge freiwillig am Boden lassen und zeigen, dass Sicherheit an erster Stelle steht - auch mit Blick auf die Zukunft dieses Flugzeugs." Mit dieser Haltung ist er nicht allein: Mary Schiavo, die Ex-Generalinspekteurin des US-Verkehrsministeriums sagte auf CNN, dass "in der Luftfahrtbranche die Alarmglocken schrillen".

Meistverkauftes Verkehrsflugzeug weltweit

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug weltweit, die 737 Max ist das neueste Modell. Nach dem Erstflug im Januar 2016 hatte der US-Flugzeugbauer vor zwei Jahren die ersten Maschinen der Version Max 8 mit besonders spritsparenden Motoren ausgeliefert. Daneben gibt es noch die Versionen Max 7, 9 und 10, die allerdings deutlich weniger beliebt sind.

Auch Tuifly reagiert

Mittlerweile lässt auch die deutsch-britische Fluggesellschaft Tuifly ihre Boeing 737 Max 8 vorerst am Boden. Laut einem Tuifly-Sprecher hat die Fluggesellschaft insgesamt 15 Maschinen des Typs, die in Großbritannien und den Benelux-Staaten stationiert sind.

In Deutschland steht die Einführung der jüngsten Version des Boeing-Verkaufsschlagers erst im April an. Die Übergabe der ersten Maschine erfolgt diese Woche. Bei bisher 6500 Flügen hätten die Tui-Piloten bisher keine Probleme gehabt, erklärte der Konzern.

Boeing hat "volles Vertrauen"

Der US-Flugzeugbauer Boeing beharrt auf der Sicherheit seiner nach zwei Abstürzen innerhalb eines halben Jahres stark in die Kritik geratenen Baureihe 737 Max. "Wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit", teilte der Konzern mit. Boeing äußerte aber nach etlichen Startverboten weltweit Verständnis dafür, dass Aufsichtsbehörden und Airlines "Entscheidungen treffen, die sie am angemessensten für ihre Heimatmärkte halten".

Das Unternehmen arbeite weiter mit Regulierern und Kunden zusammen, damit diese die nötigen Informationen erhielten, um Vertrauen in den Betrieb der Flotte zu haben.

Zuvor hatte Boeing angekündigt, die 737 Max 8 zu überarbeiten. In einer Mitteilung in der Nacht erklärte das US-Unternehmen, man werde in den kommenden Wochen das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System aktualisieren. Außerdem werden das Training der Crews und die Handbücher angepasst.

In den vergangenen Monaten habe Boeing ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen", teilte das Unternehmen mit. Einen Zusammenhang zwischen Software-Update und dem Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine stellte das Unternehmen jedoch nicht her.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. März 2019 um 16:41 Uhr.

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