Fahnen vor der Blackrock-Zentrale in New York | Bildquelle: REUTERS

Blauer Brief an Konzernchefs BlackRock-Boss pocht auf Klimaschutz

Stand: 17.01.2020 07:49 Uhr

Siemens, BASF, Bayer, RWE: Auch deutsche Dax-Konzerne haben diese Woche einen blauen Brief von BlackRock-Chef Fink bekommen. In seinem jährlichen CEO-Schreiben an die Konzernchefs ruft er zu neuem Öko-Bewusstsein auf.

 Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Ja, das ist groß, schwärmt BlackRockmanager Mark Wiedman über den blauen Brief seines Chefs. Larry Fink wird darin grün. In seinem jährlichen CEO-Brief an die wichtigsten Konzernchefs der Welt mahnt er große Konzerne zum Öko-Denken. Doch der mächtige Mann der Wallstreet gibt zu: "Fink for Future" verbindet nichts mit Umweltaktivistin Greta: "Ich habe diesen Brief nicht als Umweltschützer geschieben, sondern als Kapitalist."

Und als Chef des mächtigsten Vermögensverwalters. Der mit sieben Billionen Dollar fast doppelt soviel Kapital verwaltet wie es der deutschen Wirtschaftsleistung entspricht. Kapitalist hin oder her: Finks Aufruf liegt im Trend. "Mehr und mehr Menschen glauben an den Klimawandel. Mehr und mehr Menschen sorgen sich um ihre Portfolios. Und wie sie sich über die nächsten zehn Jahre entwickeln", sagt er.

Beteiligung an deutschen Top-Unternehmen

Fink drängt die Konzernchefs der wichtigsten Unternehmen weltweit zum Umbau ihrer Firmen. Blackrock werde sich aus Investitionen zurückziehen, die mit hohen Umweltrisiken verbunden seien - etwa die Kohleförderung. Ansagen, die auch einige Dax-Konzerne ernst nehmen könnten.

Denn der mächtigste Vermögensverwalter der Welt ist auch an allen Top-Unternehmen in Deutschland beteiligt - oft als größter Aktionär. Von Siemens über die Versicherer Allianz und Münchener Rück bis zu RWE, Deutscher Bank oder Bayer. Von ihnen will Fink ab jetzt ausführliche Informationen zur Nachhaltigkeit.

Investoren können Druck ausüben

Aber was dann, fragt Blackrock-Expertin und Buchautorin Heike Buchter: "Blackrock kann natürlich nicht einfach sagen, dass sie nicht mehr in ein einzelnes Dax-Unternehmen investieren." Wenn der Vermögensverwalter ein Dax-Index-Produkt anbietet, dann müsse er auch in jedes einzelne Unternehmen investieren. "Dann können sie nicht sagen: Weil RWE etwas macht, was mit Klimaschutz nicht vereinbar ist, dann investieren wir zwar in den Dax - aber nicht in RWE."

Doch es gibt durchaus Möglichkeiten, für den Umweltschutz zu stimmen. Investoren könnten durchaus auf den Hauptversammlungen nachhaken, was denn die Unternehmensstrategien seien, führt Buchter aus. Einige hätten in der Vergangenheit so für etwas mehr Transparenz gesorgt und einen Plan für den Klimaschutz eingefordert.

Doch genau da hat Blackrock in der Vergangenheit nicht groß Einfluss genommen, sagt Buchautorin Buchter: "In zwölf Prozent der Fälle, wo solche Resolutionen auf Hauptversammlungen vorgebracht wurden, haben sie nur mitgezogen."

Wallstreet will grüner werden

Umweltschützer kritisieren auch, dass Blackrock zu den größten Besitzern von Aktien der Öl- und Gasriesen gehört - darunter  BP oder Royal Dutch Shell. Noch im August hat sich Blackrock optimistisch zu Investitionen im Ölgeschäft geäußert. Die Produktion müsse steigen. Die Investitionen auch. Die Läuterung zum Jahreswechsel kauft dem Blackrock-Chef auch deshalb nicht jeder ab.

Doch sie liegt im Trend der Wallstreet. Die wirbt seit längerem damit, dass sie grüner wird. Denn ihre Kunden werden es auch:  Die Investoren werden jünger. Viele Erben suchen nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten. Sauber, umweltfreundlich, politisch korrekt: Etwa sogenannte ESG-Index-Fonds. "Die haben sich im vergangenem Jahr im Wert verdreifacht", sagt Buchter. Sie schränkt aber ein, dass deren Gesamtvolumen bei 20 Milliarden Dollar liege.

Umweltfreundlichkeit oder Geschäftssinn?

Blackrock-Expertin Buchter sieht es nüchtern. Verändern kann nur die Handvoll von Fondsgesellschaften etwas, die zusammen das Firmenkapital dieser Welt verwalten. Immerhin: Blackrock hat sich der Klimabewegung Climate Action 100+ angeschlossen: 370 Investoren mit einem Gesamtvolumen von mehr als 41 Billionen Dollar.

Sie wollen die großen Umweltverschmutzer dazu bringen, weniger schädliches Treibhausgas auszustoßen. Ob Finks Brief dazu etwas beitragen kann, hängt nun davon ab, ob er seine Worte auch umsetzt. Ganz gleich ob aus Umweltfreundlichkeit oder Geschäftssinn.

Gretas Buddys an der Wall Street – Blackrock und Co wollen grüner werden
Antje Passenheim, ARD New York
17.01.2020 06:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Januar 2020 um 11:47 Uhr.

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