Eine Mann zeigt ein Smartphone vor. | picture alliance/dpa

Digitalisierter Einzelhandel Die Corona-Pandemie als Weckruf

Stand: 13.10.2021 10:00 Uhr

Die Digitalisierung gewinnt für den Einzelhandel an Bedeutung. Die Pandemie hat diese Entwicklung beschleunigt. Trotzdem wollen nur die wenigsten dauerhaft in digitale Technik investieren.

Von Andreas Jöhrens, rbb

Noch vor der Pandemie waren gerade einmal 28 Prozent der Einzelhändler auf Facebook, Instagram und Co. aktiv. Inzwischen sind es 72 Prozent. Und auch der Verkauf von Waren im Internet ist deutlich angestiegen - von 58 Prozent vor zwei Jahren auf nun 85 Prozent. Die Händler verkaufen sie entweder ausschließlich im Internet oder als Ergänzung zum stationären Geschäft. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom von Mitte Juli bis Ende August dieses Jahres bei 505 Handelsunternehmen. "Spätestens jetzt ist klar: Eine gute Online-Präsenz ist für Einzelhändler kein 'Nice-to-have', sie ist Pflichtprogramm," schlussfolgert Bitkom-Präsident Achim Berg.

Andreas Jöhrens

Online-Marktplätze groß im Kommen

Interessant dabei ist, dass die Zahl der unternehmenseigenen Webshops mit 92 Prozent unverändert ist. Dafür nutzen immer mehr Händler Online-Marktplätze oder Online-Verkaufsplattformen wie ebay, Amazon oder Zalando. Ihre Zahl ist inzwischen von 46 Prozent auf 72 Prozent gestiegen. Bitkom-Präsident Berg sieht einen Grund darin, dass Kunden und Kundinnen beim Online-Shopping mehr erwarten, als dass es technisch funktioniert.

"Erwartet wird Professionalität auf in jeder Hinsicht hohem Niveau. Während der Corona-Krise sind die Ansprüche der Kundinnen und Kunden enorm gestiegen", sagt Berg. "Gleichzeitig bieten große Plattformen auch kleinsten Händlern mit wenig Aufwand Zugang zu besten E-Commerce-Lösungen."

Wirklich schon genug investiert?

Obwohl drei Viertel der befragten Unternehmen in der Digitalisierung eher eine Chance als ein Risiko sehen, wollen gerade mal zwei Prozent Jahr für Jahr - und damit dauerhaft - in digitale Technik investieren. Unverständlich für den Bitkom-Präsidenten, zumal zwölf Prozent der befragten Unternehmen überhaupt noch nicht investiert haben und auch nichts Konkretes planen.

Zukunft der Innenstädte neu denken

Zu Beginn der Corona-Pandemie befürchteten viele ein Ende des stationären Handels, wenn die Pandemie überstanden ist. Durch insolvente Unternehmen, aufgegebene Läden und den Druck des Internet-Verkaufs könnten Innenstädte und Fußgängerzonen veröden. Aktuell ist die Stimmung jedoch deutlich optimistischer: Für 94 Prozent der Befragten hat der stationäre Handel eine Zukunft. Allerdings stimmen auch knapp drei Viertel (71 Prozent) der Aussage zu, dass er sich in den Innenstädten neu erfinden müsse.

Der Handelsverband Einzelhandel und der Bundesverband Digitale Wirtschaft geben den Weg vor. Mit technischen Innovationen könnten die Händler entlastet, den Kunden ein Einkaufserlebnis geboten und so die Innenstädte attraktiver gemacht werden. Allerdings könnten sechs von zehn Unternehmen wegen der Verluste in der Corona-Pandemie gar nicht in ihre Zukunft investieren. Gefragt sei deswegen ein staatliches Förderprogramm, aber auch die Vernetzung der betroffenen Akteure und eine funktionierende Infrastruktur in den Innenstädten.

Doppelstrategie statt Gegeneinander

Für eine Doppelstrategie plädiert Bitkom-Präsident Berg: "Digitale Technologien können bei der Neu- und Wiederbelebung des niedergelassenen Einzelhandels helfen - und viele von ihnen sind inzwischen ausgereift und für wenig Geld am Markt verfügbar", so Berg. "Es darf nicht darum gehen, Online-Handel und stationären Einzelhandel gegeneinander auszuspielen. Um krisenfest und langfristig erfolgreich zu sein, benötigen Händler zwei Standbeine: vor Ort und im Netz."

Ein Beispiel dafür ist Click & Collect. Vor Corona haben 36 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit angeboten, im Netz Ware zu bestellen und sie dann im Laden abzuholen. Seit Corona ist die Zahl auf 77 Prozent gestiegen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Oktober 2021 um 06:34 Uhr.