Bitcoin-Münze auf einer Laptop-Tastatur | Bildquelle: REUTERS

Umweltsünder Bitcoin So dreckig wie zwei Jahre Berlin

Stand: 21.11.2017 09:37 Uhr

Der Hype um die Kryptowährung scheint unaufhaltsam. Immer mehr Menschen folgen dem Goldrausch und schürfen um die Wette. Dadurch steigen Stromverbrauch und CO2-Ausstoß in ungeahnte Höhen.

Der Stromverbrauch des gesamten Bitcoin-Netzwerkes kann nur geschätzt werden. Nicht alle Teilnehmer verfügen über die effizienteste Hardware. Derzeit geht man jedoch von einem jährlichen Verbrauch von etwa 28,5 Terawattstunden (TWh) Strom aus. Das ist mehr als doppelt so viel wie Berlin mit seinen 3,5 Millionen Einwohnern 2014 verbraucht hat.

Zum Vergleich: Das Atomkraftwerk Biblis hat vor seiner Stilllegung etwa 2,5 Terawattstunden Strom im Jahr produziert. Eine 4-köpfige deutsche Familie verbraucht im Jahr etwa 0,000004 TWh. Um auf den jährlichen Strombedarf des Bitcoin-Netzwerks zu kommen, muss sie schlappe 7,1 Millionen Jahre leben. Also 24 Mal so lange wie der Homo Sapiens bisher die Erde bevölkert.

Zwei Millionen Mal um die Welt

Dieser immense Stromhunger geht auch an der Umwelt nicht spurlos vorbei. Das Erzeugen einer Kilowattstunde Strom kostet im deutschen Strommix 527 Gramm Kohlendioxid (CO2). Bei einem Stromverbrauch von 28,5 TWh entspricht das 15 Millionen Tonnen CO2.

Auch hier ein Vergleich: Ein normaler Mittelklassewagen stößt etwa 180 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer aus. Drei Kilometer Autofahrt produzieren so viel CO2 wie eine KWh Strom. Um den CO2-Ausstoß der jährlichen Bitcoin-Produktion zu erreichen, müsste dieser Mittelklassewagen rund 85.500.000.000 Kilometer fahren - 85,5 Milliarden Kilometer. Sie könnten die 9700 Kilometer von Berlin nach Peking also schlappe 8,8 Millionen Mal fahren. Oder eben 2,1 Millionen Mal die Erde umrunden.

Stromkosten

Würden die 28,5 Terawattstunden Strom in Deutschland verbraucht, so würde das beim derzeitigen Strompreis von durchschnittlich 29 Cent pro KWh sage und schreibe 8,2 Milliarden Euro kosten. Das macht deutlich, dass Bitcoin-Mining für Otto-Normal-Nutzer in Deutschland derzeit unattraktiv ist. Denn im Jahr werden momentan lediglich 657.000 Bitcoins geschürft. Beim derzeitigen Bitcoin-Kurs von etwa 6.900 Euro entspricht das einem Wert von nur 4,5 Milliarden Euro. In Island kostet Strom nur etwa ein Drittel dessen, was wir in Deutschland zahlen. Somit würden die Stromkosten dort nur etwa 2,8 Milliarden Euro betragen.

Umweltfreundliche Alternativen zum Bitcoin

Einige Mining-Farmen setzen mittlerweile auf Strom aus erneuerbaren Energien wie Wasserkraft, das sogenannte “Green-Mining”. Das ist unter umweltgesichtspunkten lobenswert, ändert aber nichts am immensen Energiebedarf des Bitcoins. Der Burstcoin basiert anders als der Bitcoin nicht auf der zur Verfügung gestellten Rechenleistung der Miner, sondern auf freiem Festplattenspeicher. Während das Bitcoin-Netzwerk derzeit knapp 280 Kilowattstunden Strom pro Transaktion benötigt, verbraucht der Burstcoin lediglich 0,5. Beim Minen des Burstcoin verbraucht der Computer nicht mehr Strom als im normalen Betrieb. Und sobald ein neuer Block der Burst-Blockchain gefunden wurde, ist der Speicherplatz des Miners wieder frei. Dem Burstcoin sehr ähnlich ist der Chia-Coin. Auch hier kommt es auf den freien Festplattenspeicher und nicht auf zusätzliche Rechenleistung an. Allerdings können Chia-Coins noch nicht gemined werden. Erst Ende 2018 ist der Start des neuen Öko-Coins geplant. Außerdem heißen die Miner nicht mehr Miner, sondern Farmer. Aber: Das sind verhältnismäßig kleine Projekte, die sich am Markt noch nicht etabliert haben. Und genau das birgt gewisse Risiken.

Umweltsünder Bitcoin
27.11.2017, boerse

Quelle: boerse.ard.de
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