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Höchster Stand seit Januar 2018 Warum der Bitcoin steigt und steigt

Stand: 12.11.2020 06:35 Uhr

Schon oft wurde der Bitcoin abgeschrieben. Zuletzt hat die älteste und größte Kryptowährung der Welt allerdings zu alter Stärke zurückgefunden: Nach wochenlangem Höhenflug befindet sie sich auf Drei-Jahres-Hoch. Pumpt sich da gerade die nächste Blase auf?

Von Till Bücker, boerse.ARD.de

Zu Beginn der Corona-Krise sah der Bitcoin zunächst wie der große Verlierer aus. Zwischen Mitte Februar und Mitte März war der Kurs um über 50 Prozent eingebrochen - auf magere 4.895 Dollar. Nach kleineren Erholungsphasen dümpelte der Kurs lange und noch bis vor wenigen Wochen nahe der 10.000-Dollar-Marke.

Mittlerweile konnte die bedeutendste Kryptowährung nicht nur ihren drastischen Verlust aus dem Frühjahr aufholen. Seit Anfang September rauschte ihr Preis um mehr als 53 Prozent nach oben. Allein im Oktober gewann der Bitcoin passend zum zwölften Geburtstag rund 30 Prozent an Wert.

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Bitcoin in US-Dollar seit 2017

Aktuell befindet sich das Aushängeschild der Kryptowelt fast auf dem Rekordniveau von vor drei Jahren. Die Cyber-Devise kletterte am Freitag beinahe auf 16.000 Dollar, am Mittwoch lag der Preis auf der Kryptowährungsbörse Bitstamp bei zeitweise etwa 15.650 Dollar.

Der Kurs markiert damit den höchsten Stand seit Januar 2018. Wenige Wochen zuvor, im Dezember 2017, hatte der Bitcoin sein Rekordhoch von 20.000 Dollar erreicht. Danach war der Kurs drastisch abgestürzt und der Hype vorbei. Nun sieht das wieder anders aus.

Neuer Schwung durch US-Wahl und wachsende Fonds

Wegen des jüngst noch unsicheren Wahlausgangs in den USA griffen einige Investoren auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten zu Kryptowährungen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research vor einer Woche. Sie wollten sich damit vor Börsenturbulenzen schützen.

Treiber der Entwicklung dürfte weniger die US-Präsidentschaftswahl als vielmehr die Hoffnung auf eine stark steigende Nachfrage gewesen sein, schreibt dagegen Sören Hettler, Experte bei der DZ-Bank, in einer aktuellen Analyse.

So hätten mehrere Bitcoin-Investmentfonds wie der des Vermögensverwalters Graysca in den vergangenen Monaten erhebliche Zuflüsse und Ende Oktober teilweise Rekordwerte verzeichnet. Zudem führte mit Fidelity auch ein weltweites Schwergewicht im Sommer einen Fonds ein.

PayPal-Ankündigung belebt weiter den Kurs

Darüber hinaus profitierten Kryptowährungen von den neulich bekannt gegebenen Plänen des Zahlungsdienstleisters PayPal, digitale Währungen als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Anleger spekulieren, dass dieser Schritt hin zu einer kommerziellen Verwendung dem Bitcoin einen weiteren Schub versetzt. Eine einfache Handhabung könnt die Akzeptanz der Menschen erhöhen - und die Devise massentauglich machen.

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PayPal-Kunden in den USA können künftig über die Plattform Bitcoin kaufen, verkaufen und sie aufbewahren, wie der US-Konzern im Oktober mitteilte. Ab Anfang 2021 soll es zudem möglich sein, bei Händlern via PayPal mit Kryptowährungen zu bezahlen.

Regulierung in den Startlöchern

Für wichtige Treiber hält Hettler auch die Nullzinspolitik der Notenbanken sowie die gigantischen Ausgabenprogramme der Regierungen in der Corona-Pandemie. Sie hätten zu einer Liquiditätswelle geführt, auf der auch die Kryptowährungen mitschwimmen, so der DZ-Bank-Analyst. Auch immer mehr junge Menschen, die in diesem Jahr in den Markt kamen und häufig mit Bitcoin handeln, könnten eine Rolle spielen.

Als Schlüssel für die langfristige Nachfrage nach Kryptowährungen gilt die Regulierung. Dort gab es zuletzt Fortschritte. Die EU-Kommission schlug Ende September einheitliche Regeln vor, die Ende 2022 umgesetzt werden und damit Sicherheit für Anleger schaffen könnten.

Zudem wird das Thema Kryptowährungen derzeit verstärkt auf Ebene der Notenbanken diskutiert und dadurch noch bekannter. So steht etwa die Europäische Zentralbank (EZB) dem Bitcoin skeptisch gegenüber, denkt aber über die Einführung eines "digitalen Euro" nach.

Vertrauen der Deutschen in digitale Währungen sinkt

Es gibt also gute Gründe für den jüngsten Kursanstieg des Bitcoin. Wie so oft machen daher bei Krypto-Fans Spekulationen über eine unaufhaltsame Rally die Runde. Doch schon häufig verschwand eine hohe Nachfrage so schnell, wie sie gekommen war.

Außerdem ist die Skepsis gegenüber der im Wert schwankenden Währung offenbar immer noch hoch. Einer Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint mit über 2.000 Befragten zufolge nutzen nur vier Prozent der Deutschen Kryptowährungen. Und das, obwohl demnach jeder Vierte weiß, wie das Zahlungsmittel funktioniert.

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 gaben zeitweise elf Prozent, Nutzer zu sein. Zudem vertraute damals laut BearingPoint jeder dritte Befragte digitalen Währungen - mittlerweile nur noch jeder Sechste. Ist der aktuelle Kursanstieg also erneut nur ein kurzzeitiger Hype?

Blase oder nachhaltiger Anstieg?

"Ich bin der Meinung, dass wir momentan den Aufstieg des Bitcoin und der Blockchain-Technologie erleben", sagt Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance & Management, im Gespräch mit boerse.ARD.de. Er sehe einen langfristigen Trend. In diesem Jahr sei die 20.000-Dollar-Marke noch möglich. Im nächsten Jahr könne es dann sogar Richtung 50.000 Dollar gehen. Der Preis entwickele sich schließlich aus Angebot und Nachfrage.

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Von Till Bücker, boerse.ARD.de

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Prof. Philipp Sandner

Im Mai wurde das Angebot, das nach oben begrenzt ist, durch das sogenannte "Halving" verknappt - zum dritten Mal in der Geschichte. Zugleich stieg die Nachfrage an. Immer mehr deutsche Banken wie das Bankhaus Scheich, Firmen, Emittenten und Börsen würden die digitale Währung einbinden, so Sandner. Auf diese Art fließe Geld in den Markt. Zudem tauschten einzelne Firmen in den USA ihren Cash-Bestand mit Bitcoin.

Auch der Handel scheint sich zu professionalisieren. "Das alles sind neue Dimensionen", betont der Experte. Zwar gebe es kurzfristige Zick-Zack-Bewegungen, auf lange Sicht befinde sich der Preis aber im Aufwärtstrend.

DZ-Bank-Experte Hettler meint: "Nachvollziehbar sind die Argumente für den Kursanstieg durchaus." Aber: Eine Garantie für eine Fortsetzung der Dynamik oder auch nur eine Seitwärtsbewegung seien diese aber dennoch nicht. Tradition und einen dauerhaften Glauben an die Besonderheit und Werthaltigkeit müsse sich der Bitcoin erst noch erarbeiten.

Quelle: boerse.ard.de
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