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Große Kursschwankungen Steht der Bitcoin vor dem Absturz?

Stand: 26.02.2021 15:19 Uhr

Die Schwankungen am Kryptomarkt nehmen zu. Nach der jüngsten Rekordjagd hat der Bitcoin-Kurs zuletzt stark nachgegeben. Droht nun die Trendwende nach dem jahrelangen Aufwärtstrend?

Der Bitcoin hat eine beeindruckende Entwicklung hinter sich. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat er sich in der Spitze mehr als versechsfacht. Auf Sicht von zehn Jahren ist die Wertentwicklung praktisch ohne Beispiel. In nur einem Jahrzehnt ist die Cyberwährung um den Faktor 1000 teurer geworden.

In den vergangenen Handelstagen hat sich das Blatt allerdings gewendet. Der Bitcoin stürzte von seinem Höchststand um rund ein Viertel auf gut 44.000 Dollar ab. Ist das nun der Anfang von einem lang anhaltenden Kursabschwung oder nur eine normale Korrektur der schwankungsfreudigen Kryptowährung?

Buffett-Geschäftspartner kritisiert Bitcoin

Zuletzt hatten sich immer mehr Experten kritisch zum Bitcoin geäußert. So bezweifelt der langjährige Geschäftspartner der Investmentlegende Warren Buffett, Charlie Munger, "dass der Bitcoin sich als Tauschmedium für die Welt etablieren wird". Die Kryptowährung sei dafür zu volatil, meint der Experte, der seit fast sechs Jahrzehnten professionell an der Börse aktiv ist und mit Buffett zusammen außergewöhnliche Anlageerfolge verbucht hat.

Musk investiert 1,5 Milliarden Dollar

Munger machte seine Aussagen nur wenige Tage, nachdem der US-Elektroautobauer Tesla angekündigt hatte, Bitcoins als Währung zum Kauf seiner Fahrzeuge akzeptieren zu wollen. Tesla-Chef Elon Musk hatte außerdem bekannt gegeben, dass sein Unternehmen 1,5 Milliarden US-Dollar in Bitcoins getauscht habe, um offenbar auf steigende Kurse zu setzen. Teslas Pläne hatten den Bitcoin auf neue Höchststände getrieben.

Die Ankündigung brachte Musk unter anderem Kritik von Oliver Bäte, Vorstandschef der Allianz, ein. "Da kauft irgendeine Celebrity irgendein Bitcoin, und dann explodieren die Preise für diese Assets", sagte Bäte. "Das ist schon ziemlich verrückt, da müssen wir wirklich aufpassen." Sein Unternehmen mache sich große Sorgen um das Thema Finanzmarktstabilität. Die Situation insbesondere an den Aktienmärkten ähnele der Situation vor den heftigen Börsenrückgängen in den Jahren 2008/09 und 2000.

Auch der US-Wirtschaftswissenschaftler und Harvard-Professor Kenneth Rogoff äußerte sich ziemlich unverblümt: "Nullzinsen können eine Menge lustiger Asset-Bewertungen produzieren. Also das ist sicherlich ein Teil davon."

Die Zinsen steigen wieder

Doch mit dem rekordniedrigen Zinsniveau der vergangenen Monate scheint es nun erst einmal vorbei zu sein. Seit einigen Wochen klettern an den internationalen Rentenmärkten die Zinsen für langlaufende erstklassige Staatsanleihen wie US-Treasuries und Bundesanleihen. Beispielsweise nähern sich nun deutsche Schuldpapiere, aus negativem Terrain kommend, immer mehr der Nulllinie an. Die amerikanischen Pendants laufen inzwischen sogar an die Marke von plus zwei Prozent heran. Dadurch gibt es erstmals seit Längerem wieder mehr Anlagealternativen zu Aktien und Kryptowährungen.

Rogoff sieht eine weitere Gefahr für den Bitcoin. Seiner Meinung nach steckt das Thema Regulierung derzeit noch in den Kinderschuhen, aber genau das könne sich sehr schnell ändern. Regierungen wollten seiner Meinung nach die Kontrolle über die Besteuerung und etwaige kriminelle Aktivitäten behalten.

New York State greift durch

Dass staatliche Stellen durchaus ein Auge auf den Markt für Kryptowährung geworfen haben, zeigt das Beispiel New York. Der US-Bundesstaat hat gegen eine der größten Bitcoin-Handelsplätze Bitifinex und der verbundenen Kryptowährung Tether ein Handelsverbot für die eigenen Bürger verhängt. Bitifinex und Tether Limited, der Herausgeber der so genannten Stablecoins Tether, müssen zudem im Zuge eines Vergleichs 18,5 Millionen Dollar bezahlen.

Die Strafverfolger hatten Bitifinex und Tether, die personell miteinander verbandelt sind, vorgeworfen, einen Verlust von 850 Millionen Dollar nicht korrekt angegeben zu haben. Genau durch diese Handeln soll gegen das Versprechen verstoßen worden sein, dass die Kryptowährung Tether eins zu eins an an den Dollar gebunden und entsprechend mit der US-Währung unterlegt ist. Bei manchen Experten gilt Tether als eine besonders wichtige Kraft für den Kursaufschwung des Bitcoins, denn mit der Kryptowährung können eben auch Bitcoins gekauft werden.

Keine Gefahr durch Regulatorik?

Trotz solcher regulatorischen Eingriffe glaubt Philipp Sandner, Leiter Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management, nicht, dass die Politik den Bitcoin durch regulatorische Maßnahmen stoppen wird. So sei durch das erst vor einem Jahr eingeführte Kryptoverwahrgesetz ein rechtlicher Rahmen geschaffen worden, der bestimmt jetzt nicht wieder abgeschafft werde, so Sandner. Durch das Gesetz können sich Finanzdienstleister bei der Bafin Lizenzen beschaffen, um das Kryptoverwahrgeschäft in ihr Produktportfolio aufzunehmen.

Auch an Verbote in großen Märkten wie den USA und China glaubt der Experte nicht. So habe China zwar schon vor Jahren den Handel mit dem Bitcoin eingeschränkt, aber explizit den privaten Besitz erlaubt. Der hohe Energieverbrauch beim Schürfen, also der Produktion von Bitcoins, sei zwar ein gewisses Problem, aber es werde auch häufig übertrieben dargestellt.

Sein Fazit: "Staaten ist es nicht möglich, den Bitcoin aufzuhalten oder abzuschalten". Es sei eine “krasse Fehlannahme”, dass die Kryptowährung wieder verschwinden werde. Daher rechnet Sandner auch nicht damit, dass der Bitcoin noch einmal unter 20.000 US-Dollar fällt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Februar 2021 um 08:43 Uhr und am 22. Februar 06:47 Uhr.