BIP steigt um 0,7 Prozent Wirtschaft wächst weiter - aber langsamer

Stand: 12.11.2010 11:35 Uhr

Vorweihnachtsgeschäft in der Kölner Innenstadt (Archivbild)
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Bisher war es vor allem der Export - doch nun wird das Konjunkturplus auch von steigender Binnennachfrage getragen.

Die deutsche Wirtschaft wächst weiter, wenn auch wieder langsamer. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,7 Prozent gegenüber den vorangegangenen drei Monaten. Zwischen April und Ende Juni war die Wirtschaft um 2,3 Prozent gewachsen und damit so schnell wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Im ersten Quartal hatte das Plus bei 0,6 Prozent gelegen.

Den Statistikern zufolge legte das BIP im dritten Vierteljahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent zu, nach 4,1 Prozent zwischen April und Juni. Getragen wurde das Wachstum von privaten und staatlichen Konsumausgaben, Investitionen sowie dem weiterhin boomenden Export. Erwirtschaftet wurde das BIP im dritten Quartal von 40,7 Millionen Beschäftigten, das waren 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Deutschland im Euro-Raum nur noch Vierter

Auch die Konjunktur in den Euro-Ländern hat im dritten Quartal wie erwartet an Schwung verloren. Das BIP in der gesamten Euro-Zone stieg zwischen Juli und September lediglich um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Dabei blieb die Kluft zwischen den Staaten groß. Spitzenreiter beim Wachstum war Finnland, wo die Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent zulegte. In Österreich und der Slowakei stieg das Bruttoinlandsprodukt jeweils um 0,9 Prozent. Deutschland, das sich im Frühjahr noch mit weitem Abstand an die Spitze der wachstumsstärksten Euro-Staaten gestellt hatte, landete mit plus 0,7 Prozent nun auf dem vierten Rang.

Schlusslicht ist dagegen Griechenland: Hier sank die Wirtschaftsleistung erneut, wenngleich das Minus mit 1,1 Prozent geringer ausfiel als im Frühjahr. Auch in den Niederlanden gab das Bruttoinlandsprodukt leicht nach, Spaniens Wirtschaft schaffte nur eine Stagnation. Nachbar Portugal legte um 0,4 Prozent zu.

Brüderle warnt vor Zufriedenheit

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht Deutschland weiterhin auf Kurs, warnte aber davor, sich mit dem Erreichten zufriedenzugeben. So trage die Flexibilität des Arbeitsmarkts entscheidend zu einer robusten Krisenbewältigung und zum aktuellen Beschäftigungsaufschwung bei, sagte der Minister. Dieses Rad dürfe nicht zurückgedreht werden. Darüber hinaus müsse der Ausstieg aus den kostspieligen Krisenpaketen der vergangenen Jahre weiter verfolgt werden. "So schaffen wir die finanziellen Spielräume, um unsere entschlossene Konsolidierungspolitik mit steuerlicher Entlastung zu verbinden", sagte Brüderle.

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