Kühe liegen in einem Stall auf einem Bio-Bauernhof | Bildquelle: Barbara Fuß / BR

"Bioland" und Lidl Lohnt sich das?

Stand: 12.02.2020 15:47 Uhr

Die Kooperation zwischen "Bioland" und dem Discounter Lidl hat anfangs für viel Kritik gesorgt. Doch die Zusammenarbeit scheint sich auch für viele Milchbauern auszuzahlen.

Von Barbara Fuß, BR

43 Kühe liegen auf der warmen Humusschicht im nagelneuen Offenstall. Noch vor vier Jahren standen sie nebenan, angebunden im alten Stall. Doch seit Johannes und Kerstin Dirschwigl ihren Hof im oberpfälzischen Guteneck auf Bio umgestellt haben, hat ihr Vieh mehr Platz. Eine große Investition, die sich nur über den Aufschlag für Bioqualität rechnet. Derzeit liegt der Nettopreis, den Molkereien für ein Liter Biomilch bezahlen, zwischen 43 und 49 Cent. Für konventionelle Milch gibt es rund 34 Cent.

Der frisch gebackene "Bioland"-Bauer Dirschwigl bekommt seit seiner Umstellung 14 Cent mehr bezahlt. Nur so kann er sein Darlehen über die nächsten 20 Jahre zurückbezahlen: "Das ist nicht gerade unerheblich, was wir da bezahlen. Diese 14 Cent mehr brauchen wir". Viele Milchbauern in Bayern haben wie die Dirschwigls in den letzten Jahren auf Bio umgestellt. Und laut Jan Plagge vom "Bioland"-Verband könnten es noch mehr sein: "20 Prozent der konventionellen Betriebe würden eigentlich eher morgen als übermorgen auf Biolandbau umstellen."

Ehepaar Dirschwigl | Bildquelle: Barbara Fuß / BR
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Viele Milchbauern in Bayern haben wie die Dirschwigls in den vergangen Jahren auf Bio umgestellt.

Automatischer Preisaufschlag - nicht für jeden

Doch nicht jeder neue Bioerzeuger bekommt wie die Dirschwigls automatisch von seiner Molkerei einen Preisaufschlag für die Bioqualität bezahlt. Mancher Umsteller steht auf Wartelisten von Molkereien, die nur den Preis für konventionelle Milch ausbezahlen. Der Grund: Sie haben bereits genug Biolieferanten unter Vertrag. Die Nachfrage am Markt steigt nicht so schnell, wie das Angebot, denn Verbraucher greifen noch zu zögerlich zu Biomilchprodukten.

"Bioland"-Bauern wie Johannes Dirschwigl haben da mehr Glück. Durch die Kooperation mit dem Discounter Lidl haben sie gute Absatzchancen. Im November 2018 hat Lidl begonnen Äpfel, Kresse und Kräuter in Biolandqualität in den 3200 Filialen zu verkaufen. Seit rund einem Jahr stehen auch Molkereiprodukte mit "Bioland"-Standard in den Kühlregalen.

Anfangs gab es ethische und wirtschaftliche Bedenken

Einige Mitglieder des "Bioland"-Verbandes sahen die Kooperation anfangs kritisch. Sie hatten Angst, der Handelsgigant könnte die Preise drücken, wenn erst einmal eine wirtschaftliche Abhängigkeit entstanden sei. Und einen Discounter, der Lebensmittel zu Billigpreisen anbietet, zu beliefern, fanden viele auch ethisch bedenklich. Doch zwischen dem Discounter und "Bioland" wurden von Beginn an Fairplayregeln vertraglich festgelegt.

Das gemeinsame Ziel "mehr Bio für alle" geht laut Jan Plagge auf: "Wenn jetzt Lidl innerhalb eines Jahres über 44 Prozent Umsatzwachstum hatte mit dem 'Bioland'-Sortiment, dann kommt es offensichtlich sehr gut an. Was uns besonders freut, ist, dass es wirklich Verbraucher sind, die sich bewusst für den Einkauf von 'Bioland'-Lebensmittel zusätzlich entscheiden."

Bio-Butter | Bildquelle: Barbara Fuß
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Steigende Absätze von Bioprodukten.

Die Dirschwigls haben ihre Milch, erst die konventionell erzeugte, jetzt die Bioqualität, an die Privat-Molkerei Bechtel im benachbarten Schwarzenfeld verkauft. Die Großmolkerei beliefert schon seit mehr als 30 Jahren Lidl. Auch sie beobachtet, wie der Absatz an Biobutter, Quark und Milch Monat für Monat steigt.

Laut Partner Lidl greifen vor allem junge Menschen und Städter zu den neuen Bioangeboten. Eine größere Nachfrage - davon profitierten Molkereien, aber auch die Milchviehhalter der Region, sagt Georg Müller, der Einkaufsleiter der Molkerei: "In der Region, speziell auf unser Unternehmen bezogen, haben die uns beliefernden Biomilcherzeuger noch höhere Abnahmesicherheit und können auch ihre Betriebe erweitern, beziehungsweise konventionell arbeitende Milcherzeuger haben jetzt die Perspektive, ihre Betriebe umzustellen."

Die Perspektive, langfristig gute Preise für seine ökologisch erzeugte Milch zu bekommen, macht Bauer Dirschwigl zuversichtlich. Benachbarte Milchbauern liebäugeln mittlerweile damit, seinem Beispiel zu folgen und die Umstellung zu wagen. Im neuen Offenstall der Dirschwigls werden jedenfalls bald 70 Kühe stehen - statt derzeit 43. Denn die Milch ihrer Kühe ist sehr gefragt.

Über dieses Thema berichtete die "Abendschau - der Süden" am 11. Februar 2020 um 17:30 Uhr im BR Fernsehen.

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