Lebensmittelregal in einem Bioladen. | picture alliance / dpa

Lebensmittelhandel Markt für Bioprodukte wächst weiter

Stand: 15.02.2022 16:21 Uhr

Immer mehr Menschen kaufen Bio-Produkte. Doch stellen genug Betriebe auf biologische Landwirtschaft um, dass die Branche die wachsende Nachfrage auf Dauer befriedigen kann?

Von Karin Goeckel, BR

Im Naturkostladen Lotos in Nürnberg riecht es gut. Hier wird nicht nur Obst, Gemüse, frisches Brot und Milch verkauft, sondern auch mit den angebotenen Produkten gekocht. Süßkartoffel-Weißkohlcurry mit Quinoa steht heute auf der Speisekarte, aber auch Vollkorn-Quiche und vegane Burger mit Tofu oder Grünkern. Immer mehr Kundinnen und Kunden fragen nach Fleisch-Ersatzprodukten, so die Erfahrung von Ulrike Wolf. "Auch Hafermilch geht sehr gut", erzählt sie. "Die gibt es Gott sei Dank jetzt auch frisch in der Pfandflasche."

Viele Landwirte wollen umstellen

Besonders im Corona-Jahr 2020 hat die Nachfrage in dem Nürnberger Bioladen zugenommen. Deutschlandweit waren es satte 22 Prozent Plus. Ganz so dynamisch war das Wachstum des Bio-Marktes 2021 nicht mehr. Für rund 16 Millionen Euro kauften die Verbraucherinnen und Verbraucher ein, das ist ein Zuwachs von knapp sechs Prozent.

Mehr als 17.000 Betriebe verarbeiten oder verpacken Bio-Lebensmittel - dazu zählt auch die Gastronomie. Ihre Zahl ist in nur sechs Jahren um 24 Prozent gewachsen. Hinzu kommt: Jeder fünfte Landwirt will laut einer Umfrage des Deutschen Bauernverbands auf Bio umstellen. "Die Gesellschaft ist bereit", sagt die Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Tina Andres.

Forderung nach der "Ernährungswende"

Aus ihrer Sicht liegt der Ball nun bei der Politik. Sie müsse die Weichen stellen, meint Andres. "Der Energiewende muss nun eine Ernährungswende folgen", erklärte sie bei einer hybriden Pressekonferenz. "Wieso leisten wir uns, statt gesunder Ernährung für alle in Deutschland, 300 Millionen Euro für ernährungsbedingte Krankheiten jeden Tag?", sagte Andres. "Die Antwort ist sehr deutlich: Der politische Rahmen stimmt nicht."

Die Bio-Fläche in Deutschland wächst nach Einschätzung des Verbands zu langsam. Aktuell liegt die ökologisch bewirtschaftete Fläche bei 1,78 Hektar oder knapp elf Prozent. Die neue Bundesregierung will aber 30 Prozent bis 2030 schaffen - eine Verdreifachung. Das sei zu schaffen, so BÖLW-Vorsitzende Andres - aber nur mit mehr Anstrengung als bisher. Ab sofort müssten dafür jedes Jahr zwölf Prozent der Landwirte auf Bio umstellen.

Teurer Strom, teure Rohstoffe

Umstellungswillige Landwirte brauchten mehr Unterstützung als bisher, fordert der Bio-Spitzenverband. Es müsse mehr Geld in das System, um einen echten Systemwechsel zu schaffen. Aktuell leiden Bio-Landwirte vor allem an hohen Energie- und Rohstoffkosten. So gebe es etwa einen Mangel an Futtermitteln, erklärt Marktanalystin Diana Schaack. Der Gewinn, den Tierhalter im Moment durch die erhöhte Nachfrage nach Biofleisch erzielen, schmelze dahin. Schon bald würden auch die Verbraucher die höheren Preise zu spüren bekommen, sagt Schaack. "Höhere Preise sind das Thema des Jahres."