Ein Mann hält ein Samsung Galaxy S6 in der Hand. | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Verbraucherschützer warnen vor Preisunterschieden Per App kann der Einkauf teurer werden

Stand: 19.04.2016 15:54 Uhr

Ab Donnerstag tagen die Verbraucherschutzminister in Düsseldorf. Auf der Agenda steht auch das Shoppen per App. Denn das könnte, je nach Endgerät, unterschiedlich teuer werden. NRW-Verbraucherschutzminister sagt solch versteckten Preisaufschlägen den Kampf an.

Von Jens Eberl, WDR

Ist ein Flugticket wirklich teurer, wenn es von einem edlen Endgerät aus gebucht wird? Kostet mich der Fernseher vom Smartphone aus mehr als vom PC? Das NRW-Verbraucherschutzministerium sammelt seit geraumer Zeit Beispiele für eine ungerechte Preisgestaltung. "Bei Online-Geschäften haben wir schon länger den Verdacht, dass nach Herkunftsland und nach dem Endgeräte-Typ Preise rechtswidrig festgelegt werden", sagt der zuständige Minister Johannes Remmel. Besitzer von hochwertigen Endgeräten, so die Vermutung, bezahlen auch mehr als Besitzer von günstigen Smartphones oder Tablets. Die Theorie der Händler: Wer sich ein teures Telefon leisten kann, der ist auch bereit, mehr Geld für beispielsweise einen Fernseher auszugeben.

Testkäufe ergeben Ungereimtheiten

Die Verbraucherzentrale NRW hat es ausprobiert und zahlreiche Testkäufe durchgeführt. Immer wieder stießen die Tester auf Ungereimtheiten bei Produkt- und Preisangaben. Mal fehlten Angebote komplett, mal veränderten sich Preise irreführend wie von Geisterhand - von der Suchliste über die Detaildarstellung über den Warenkorb bis hin zur Kasse. So kostete beispielsweise eine Kamera auf dem PC nur 149,99 Euro, auf dem Smartphone musste der Kunde 20 Euro mehr bezahlen. Auch Branchenprimus Amazon patzte wiederholt bei "Blitzangeboten". So wurde bei der Suche per Android-App ein Bartschneider mit 19,99 Euro angezeigt. Erst ein weiterer Klick auf den Artikel brachte den aktuellen Preis von 15,99 Euro aufs Display.

Es scheint also so zu sein, dass die Online Händler schummeln. Allerdings sei dies sehr schwer nachzuweisen, sagt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW. "Oft spielen neben dem Endgerät sehr viele weitere Kriterien eine Rolle bei der Preisfindung - zum Beispiel der Wohnort, die IP- Adresse, der Tageszeitpunkt oder, je nach bestellter Ware, auch Angebot und Nachfrage." Dabei variieren die Anbieter die Preise je nach Produkt mal mehr oder weniger, so die Vermutung der Verbraucherzentrale. "Dort, wo man als Verbraucher am schwierigsten vergleichen kann, sollte man am besten aufpassen", rät die Verbraucherschützerin.

"Unser Eindruck ist, dass bei komplexen Produkten, wie der Buchung einer Reise mehr an den Preisen gedreht wird, als bei einem homogenen Produkt, wie beispielsweise einen Fernseher." Hier sei der Preisvergleich besser möglich, unterschiedliche Preise würden beim Verbraucher auf größeres Unverständnis stoßen. Beweisbar sei das alles nicht, so Steffen, aber es liege nahe, dass die Anbieter eine spezielle Software einsetzen. Große Anbieter seien in der Lage, jedem seinen 'gerechten' Preis anzubieten, um die maximale Kaufkraft abzuschöpfen.

Johannes Remmel | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Sagt Preisaufschlägen per App den Kampf an: NRW-Verbraucherschutzminister Remmel.

'Unauffällig einkaufen'

Die Verbraucherschützer raten deshalb, so unauffällig wie möglich Bestellungen vornehmen. Das bedeutet, den Browserverlauf zu löschen, Cookies zu löschen und den Privatmodus im Browser einzustellen. Schützen können sich Verbraucher generell durch Preisvergleiche: "Auf dem Handy raten wir, zwischendurch auf die Desktop-Version umzuschalten", so die Verbraucherschützerin. Gerade bei teuren Einkäufen sollte man auf zwei Geräten vergleichen, ob da vielleicht ein Unterschied besteht. "Wenn ich etwas nicht ganz dringend benötige, sollten Sie sich die Zeit nehmen und zu unterschiedlichen Tageszeiten und von unterschiedlichen Endgeräten vergleichen." Auch ein sogenannter Cookie-Blocker oder Software wie "Do Not Track" helfen, damit die Händler nicht an die für sie wünschenswerten Informationen kommen.

Bisher will NRW-Minister Remmel noch nicht von einem Massenphänomen sprechen. Dennoch will er auf der Verbraucherschutzkonferenz Anträge einreichen, um das Problem zu kontrollieren, so seine Sprecherin Nora Gerstenberg. Die Forderung: Die Händler müssen garantieren, dass es gleiche Preise für alle gibt. Kriterien wie Wohnort, Geschlecht oder Endgerät dürften keine Rolle spielen. Vergleichsportale müssten offenlegen, wer welche Provision bezahlt hat.

Johannes Remmel @Minister_Remmel
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Personalisierte Angebote seien allerdings kein Phänomen des Internets, sagt Christine Steffen noch: Schließlich gebe es ja auch in Restaurants den Seniorenteller oder in Bars die Ladies Night. Der Unterschied sei: Im Internet seien die personalisierten Preise für den Verbraucher nicht durchschaubar - und das müsse geändert werden.

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