Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto. | dpa

Leichte Entspannung an den Tankstellen Spritpreise erneut gesunken

Stand: 13.07.2022 14:20 Uhr

Der langsame Sinkflug der Spritpreise setzt sich fort. Dennoch kritisiert der ADAC die Preise für Benzin und Diesel als "nach wie vor stark überhöht".

Die Preise an den Tankstellen geben weiter langsam nach. Berechnungen des ADAC zufolge ist Superbenzin der Sorte E10 die fünfte Woche in Folge billiger geworden. Gestern kostete ein Liter im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,826 Euro, das waren 1,7 Cent weniger als eine Woche zuvor.

Bei den Dieselpreisen ging es nach den Untersuchungen des ADAC in der dritten Woche in Folge abwärts auf 1,963 Euro am Dienstag - ein Rückgang um 2,6 Cent. Dennoch hält der Verkehrsclub die Preise nach wie vor für "stark überhöht".

Steuern bleiben ein großer Kostenfaktor

Treiber des aktuellen Rückgangs dürften unter anderem die Ölpreise sein, die wegen der Konjunktursorgen seit einigen Wochen tendenziell nachgeben. Kostete ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent vor einigen Wochen noch mehr als 120 US-Dollar, liegt der Preis derzeit im Bereich von 100 Dollar. Allerdings bremst die Schwäche des Euro gegenüber der US-Währung diesen Effekt.

Erfahrungsgemäß besteht zwischen der Entwicklung der Ölpreise an den Märkten und den deutschen Tankstellenpreise kein absoluter Gleichlauf. Denn auch nach der Einführung des Tankrabatts kassiert der Bund neben der Mehrwertsteuer und der CO2-Steuer auch die Energiesteuer, die ehemalige Mineralölsteuer, von 33 Cent pro Liter für Diesel und 35,9 Cent pro Liter für Benzin.

Raffinerien sind mitentscheidend

Ein weiterer wichtiger, häufiger unterschätzter Faktor sind die Gewinnmargen der Raffinerien, die das Rohöl "cracken" und dabei seine Bestandteile aufspalten. Auf diese Weise wird es zu Ölprodukten wie Benzin und Diesel verarbeitet. Zu den größten Raffineriebetreibern in Deutschland gehören die Ölmultis Shell, BP und Total.

Fachleute achten dabei auf den so genannten "Crack-Spread" - also die Preisdifferenz zwischen den raffinierten Ölprodukten und den Ölpreisen. Und wie hoch der war, zeigen zwei Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. So berichtete der britische Ölkonzern Shell erst in der vergangenen Woche, dass sich seine Raffineriemarge vom ersten zum zweiten Quartal fast verdreifacht hat. Sie stieg von 10,23 auf 28,04 US-Dollar je Barrel. Das waren umgerechnet knapp 18 US-Cent je Liter nach rund sechs Cent im ersten Quartal.

Auch der österreichische Ölkonzern OMV, in Deutschland hauptsächlich in Bayern aktiv, bezifferte seine Marge aus dem Raffineriegeschäft im zweiten Quartal auf 20,46 Dollar. Ein Jahr zuvor hatte sie gerade einmal bei 2,23 Dollar je Barrel gelegen.

Getankt wird kein Rohöl, sondern Benzin und Diesel

Doch wie kommt es eigentlich zu so starken Schwankungen der Gewinnmargen bei der Ölverarbeitung? Autofahrer als die größten Verbraucher von Ölprodukten benötigen für ihre Fahrzeuge kein Rohöl, sondern raffinierte Ölprodukte wie Diesel oder Benzin.

Nimmt die Nachfrage nach diesen stärker zu als die kurzfristig verfügbare Raffineriekapazität, steigen Preise für Benzin und Diesel schneller als die der zugrundeliegenden Ölpreise. Genau diese Entwicklung hat es offenbar in den vergangenen Monaten gegeben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juli 2022 um 14:00 Uhr.