Arbeiter auf einer Baustelle | Bildquelle: dpa

Arbeitsmarkt So viele Befristungen wie noch nie

Stand: 03.07.2018 15:53 Uhr

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland haben nur einen Arbeitsvertrag auf Zeit, die Hälfte davon ohne sachlichen Grund. Nicht selten entwickeln sich aus befristeten aber unbefristete Beschäftigungen.

Immer mehr Menschen in Deutschland sind befristetet beschäftigt. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stieg ihre Zahl im Jahr 2017 auf ein Rekordhoch von rund 3,15 Millionen. Das war jeder Zwölfte aller rund 38 Millionen Beschäftigten.

Rund die Hälfte der Jobs wurde ohne sachlichen Grund befristet, bei Neueinstellungen werden 43,5 Prozent der Verträge auf Zeit geschlossen. Zeitverträge seien ein "relevantes Rekrutierungsinstrument, aber immer seltener ein Instrument zur Beendigung von Beschäftigungsverhältnissen", heißt es in der Studie.

Viele Jobs werden entfristet

Denn Zeitjobs seien häufig eine Brücke in die unbefristete Beschäftigung: Rund 42 Prozent erhielten bei Beendigung des befristeten Vertrages eine feste Anstellung. Im Krisenjahr 2009 seien es nur knapp 30 Prozent gewesen.

Im Koalitionsvertrag hatte die SPD durchgesetzt, dass ohne sachlichen Grund befristete Arbeitsverträge künftig nur noch 18 statt 24 Monate dauern dürfen. Innerhalb dieser Zeit soll eine Verlängerung nur einmal statt dreimal möglich sein. Zudem sollen Arbeitgeber mit mehr als 75 Beschäftigten höchstens noch 2,5 Prozent von ihnen sachgrundlos befristet anstellen.

Eindämmung könnte Arbeitsplätze kosten

In der Studie wird davor gewarnt, bei der geplanten Eindämmung der Befristung Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen: "Im ungünstigsten Fall hätten einige der betroffenen Arbeitnehmer statt eines befristeten Vertrages keinen Arbeitsvertrag mehr."

Die von der Koalition geplante Regulierung beträfe nach den IAB-Berechnungen zwischen 360.000 und 840.000 sachgrundlos befristete Verträge.

Hubertus Heil | Bildquelle: dpa
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Will sachgrundlose Befristungen per Gesetz einschränken: Arbeitsminister Hubertus Heil

Berlin geht voran

Das Land Berlin geht bei der Bekämpfung der sachgrundlosen Befristungen voran. Der rot-rot-grüne Senat hat beschlossen, künftig im öffentlichen Dienst und bei Betrieben, an denen das Land mehrheitlich beteiligt ist, keine solchen Arbeitsverträge mehr abzuschließen.

Die Landesregierung folgte damit einem Beschluss des Abgeordnetenhauses vom November 2017. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte die Länder zuletzt aufgefordert, die sachgrundlose Befristung von Beschäftigten zu beenden.

Über dieses Thema berichtete am 03. Juli 2018 NDR Info um 14:45 Uhr und tagesschau24 um 15:00 Uhr.

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