Arbeitsvertrag | Bildquelle: dpa

Arbeitsmarkt 41 Prozent aller Neueinstellungen befristet

Stand: 30.08.2018 15:56 Uhr

Trotz der guten Konjunktur erhalten rund 41 Prozent der neu eingestellten Arbeitnehmer befristete Verträge. Besonders junge Menschen und Frauen sind betroffen.

Arbeitnehmer, die eine neue Stelle antreten, werden häufig befristet eingestellt. 2017 traf dies Hochrechnungen zufolge auf 41 Prozent der Neueinstellungen zu, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgeht. Von den insgesamt 3,5 Millionen Neueinstellungen im vergangenen Jahr waren rund 1,5 Millionen befristet.

Junge und Frauen besonders betroffen

Junge Menschen unter 25 Jahren sind mit 46 Prozent häufiger betroffen. Auch Frauen werden der Antwort des Bundesarbeitsministeriums zufolge häufiger nur auf Zeit eingestellt als Männer. Hier sind 45 Prozent betroffen, bei Männern sind es 37 Prozent. In den neuen Bundesländern waren 38 Prozent der neuen Jobs befristet, in den alten Bundesländern 42 Prozent. Der Anteil hat in den vergangenen Jahren geschwankt: Im Jahr 2016 lag die Quote bei 45 Prozent, im Jahr 2015 bei 41 Prozent, im Jahr 2009 waren es 52 Prozent.

Eine Frau arbeitet im Büro | Bildquelle: Alliance
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Frauen, junge Menschen und Arbeitnehmer in den alten Bundesländern sind überdurchschnittlich häufig befristet.

Das Argument der Befürworter, eine befristete Anstellung sei ein Sprungbrett in eine sichere Anstellung trifft nur zum Teil zu: Weniger als die Hälfte der Arbeitnehmer, die über einen Zeitvertrag verfügen, werden später übernommen. Die innerbetriebliche Übernahmequote liegt bei 42 Prozent.

"Sachgrundlose Befristungen verbieten" 

Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl, die die Anfrage gestellt hatte, kritisierte, gerade jungen Menschen und Frauen werde eine planbare, sichere Zukunft verwehrt. "Prekäre Arbeitsverhältnisse verstärken Unsicherheit und Leistungs- sowie Konkurrenzdruck für alle Arbeitnehmer - auch mit festen Arbeitsverträgen", erklärte sie. Es sei "höchste Zeit, Befristungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren und sachgrundlose Befristungen ganz zu verbieten".

Die sachgrundlose Befristung war ein großes Streitthema bei den Koalitionsverhandlungen der jetzigen Bundesregierung. Während die SPD sie ganz abschaffen wollte, wollte die Union sie weiterhin erlauben. Am Ende einigte sich die Große Koalition darauf, die Befristung von Arbeitsverhältnissen ohne Begründung einzudämmen. Ein Gesetz dazu gibt es aber noch nicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2018 um 14:00 Uhr.

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