Der Vorstandsvorsitzende des Bayer-Konzerns, Baumann,  musste sich heftige Kritik gefallen lassen. | Bildquelle: AP

Bayer wirbt um Vertrauen Auf den Denkzettel folgt ein Brief

Stand: 27.04.2019 13:58 Uhr

Der Denkzettel, den die Aktionäre dem Bayer-Vorstand verpasst haben, war deutlich: Kritik an der Monsanto-Übernahme, der Kursverfall und zuletzt die Nicht-Entlastung. Die Chefs sind nun bemüht, das Vertrauen zurückzugewinnen.

Bayer-Chef Werner Baumann ist derzeit nicht zu beneiden: Der Aktienkurs ist im Keller, die Glyphosat-Klagewelle in den USA wird immer größer. Gestern verpassten die Aktionäre dem Bayer-Vorstand auf der Hauptversammlung dann einen Denkzettel und verweigerten ihm die Entlastung, etwas, was noch keinem Dax--Vorstand vorher passiert ist. Doch wie geht es jetzt weiter?

Nach seiner Abstimmungsniederlage auf der Hauptversammlung will der Bayer-Vorstand nun das Vertrauen der Aktionäre zurückgewinnen. Das schrieben die Vorstandsmitglieder in einem Brief an die Mitarbeiter. Das Votum sei enttäuschend, habe aber keine rechtlichen Auswirkungen.

"Wir verstehen die Stimmung unserer Aktionäre und teilen ihre Enttäuschung über die Kursentwicklung unseres Unternehmens", so die Manager. Es verstehe sich von selbst, dass der Vorstand sehr hart arbeiten werde, um das Vertrauen und die Zuversicht der Aktionäre zurückzugewinnen.

Hauptversammlung des Bayer-Konzerns | Bildquelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX
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Hauptversammlung des Bayer-Konzerns: Es hagelte heftige Kritik von den Aktionären.

Massive Verärgerung

Mehrere Großaktionäre hatten bereits im Vorfeld der Hauptversammlung angekündigt, gegen die Entlastung des Vorstandes zu stimmen. Die Aktionäre sind vor allem angesichts der herben Kursverluste der Bayer-Aktie verärgert - sie verlor binnen eines Jahres rund 40 Prozent. Der Konzern ist nur noch 57 Milliarden Euro wert - wenig mehr, als die Leverkusener selbst für Monsanto bezahlt hatten. Baumann nannte dies eine "übertriebene Kursreaktion". Sie spiegele nicht den wahren Wert des Unternehmens wider.

Bayer hatte den Monsanto-Kauf im vergangenen Jahr abgeschlossen. In den USA klagen aktuell mehr als 13.000 Krebskranke gegen Monsanto, die ihre Erkrankungen auf den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup zurückführen. Das Unternehmen wurde in zwei Prozessen zu dutzenden Millionen Euro Schadenersatz verurteilt. Bayer bestreitet die Vorwürfe und ging in Berufung.

Logo Bayer AG in Leverkusen | Bildquelle: REUTERS
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Die Bayer-Aktie verlor binnen eines Jahres rund 40 Prozent.

Baumann verteidigt sich

Auf der Hauptversammlung hatte sich Baumann zuvor gegen die heftige Kritik an der Monsanto-Übernahme verteidigt: Bayer müsse sich gegen "geradezu unglaubliche Vorwürfe" wehren, sagte er und betonte abermals, der Unkrautvernichter Glyphosat sei nicht für die Krebserkrankungen der US-Kläger verantwortlich.

Der Aktionärsvertreter und Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tümmler, hatte dagegen von "Albträumen" gesprochen. Die Eigentümer hätten durch die Monsanto-Übernahme rund 40 Milliarden Euro verloren, weitere 15 Milliarden drohten durch die US-Klagen. Dazu kämen hohe Reputationsschäden für das Unternehmen.

Ingo Speich von der Deka, die zu den Top-10-Anteilseignern von Bayer zählt, sprach von einem "Scherbenhaufen" und sagte mit Blick auf den Kursverfall: "Innerhalb von nur zwei Jahren ist der einstige Pharmagigant zu einem Zwerg mutiert." Es gebe die Gefahr, übernommen oder sogar zerschlagen zu werden.

Bayer-Chef Werner Baumann betritt bei der Aktionärshauptversammlung die Bühne. | Bildquelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX
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Bayer-Chef Werner Baumann versuchte, sich gegen Kritik zu verteidigen.

Aufsichtsrat steht hinter Vorstand

Der Aufsichtsrat erklärte nach der Nichtentlastung des Vorstandes durch die Aktionäre, geschlossen hinter dem Vorstand zu stehen. Aufsichtsratschef Werner Wenning verwies darauf, dass die Nichtentlastung keine rechtlichen Auswirkungen auf die Mandate der Vorstandsmitglieder habe.  Dennoch nehme das Gremium das Abstimmungsergebnis der Hauptversammlung "sehr ernst", so Wenning. Das Ergebnis zeige, "dass die Hauptversammlung ein deutliches Signal an den Vorstand senden wollte, die Stärken der Bayer AG künftig wieder deutlicher zur Geltung zu bringen".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. April 2019 um 14:05 Uhr.

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