Holzlatten und Schalbtretter in einem Baumarkt | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Quartalszahlen Hornbach Der hölzerne Weg der Baumärkte

Stand: 19.12.2019 03:42 Uhr

Der Baumarkt-Kunde wird älter, Jüngere sind vom Heimwerken nur schwer zu begeistern. Und die starke Online-Konkurrenz lockt. Hornbach kann sich zwar im dritten Quartal über gute Zahlen freuen, doch es muss sich etwas tun.

Von Stephan Lenhardt, ARD-Studio Mainz

"Die Axt im Haus erspart den Zimmermann", so der Titel einer SWR-Dokumentation von 1964. Es geht um einen Trend aus den USA: Do-it-yourself. DIY. 
Bis heute ist das die Geschäftsgrundlage von Obi, Hornbach, Bauhaus und Co.

Doch die DIY-Kunden altern. Der durchschnittliche Baumarktgänger ist laut Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten 45 Jahre alt. Vor zehn Jahren war er noch 15 Jahre jünger. "Do-it-yourself" war gestern, heute gilt immer mehr "do-it-for-me". Auch weil die jüngere Generation im Smartphone-Zeitalter mit dem Handwerk oft wenig Berührungspunkte hat. 

Und das Image der Märkte sei problematisch: "Aus Kundensicht werden Baumärkte als SB-Hochregallager angesehen", sagt Eva Stüber vom Institut für Handelsforschung dem ARD-Mittagsmagazin. "Viel Ware auf wenig Fläche, wenig Beratung drumherum. Das passt nicht mehr zu den Anforderungen der heutigen Zeit. Wir sind durch das Smartphone gewöhnt, dass wir Dinge schnell und bequem erhalten können."

Weg von Amazon in den Baumarkt

Die Branche hat das Problem erkannt und investiert vor allem in ihre Auftritte im Internet. Und das nicht nur mit Online-Shops. Die Hornbach "Meisterschmiede" bietet beispielsweise eine Anleitung zum DIY-Baumhaus. Obi baut bei der "#camperchallenge" einen Transporter zum Wohnmobil um.

Die Videos sind hochwertig und hip produziert. Die Branche möchte die Kunden weg von Amazon in den Baumarkt locken. "Wir sehen uns gegen Wettbewerber, die nur das Internet haben, sehr gut aufgestellt", sagt Albrecht Hornbach, Vorstandsvorsitzender der Hornbach Management.  "Der Kunde muss den Kontakt zu den Menschen und zum Material irgendwann mal haben."

Deswegen biete Hornbach bei seinem Online-Shop beispielsweise auch eine Übersicht zur Verfügbarkeit in Läden. "Wenn wir dazu beitragen können, dass der Kunde nur einmal in den Markt muss, statt einmal echt und zweimal vergeblich, dann ist schon viel gewonnen." 

Bei Hornbach liegt der Anteil des Onlineumsatzes am Gesamtumsatz nach Unternehmensangaben bei rund zehn Prozent. Doch das Segment wachse deutlich schneller als der stationäre Handel.

Weit weg von der Innenstadt

Und noch etwas dürfte die Branche bewegen. Viele jüngere Kunden haben gar kein eigenes Auto mehr. "Da stehen Baumärkte unter Druck, gerade weil sie gar nicht mehr im Bewegungsradius der Kunden liegen", sagt Stüber. Doch die riesigen Flächen einfach in die Innenstädte zu verlagern, ist nicht einfach. "Wir sind davon überzeugt, dass ein attraktiver Baumarkt eine gewisse Größe haben muss. Diese Größe können wir nicht in die Innenstadt bringen", sagt Hornbach.

Eine vernachlässigte Zielgruppe ist aus Sicht des Instituts für Handelsforschung auch der Handwerker. Einer Umfrage zufolge kaufen nur 21 Prozent von ihnen ihre Ware im Baumarkt. Im Sinne der "do-it-for-me"-Mentalität sehen die Forscher großes Potential in der Zusammenarbeit von Baumärkten und Handwerkern.


Gute Zahlen der Branche

Den Baumärkten in Deutschland geht es derzeit gut. Der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) verdoppelte gerade seine Umsatzprognose für 2019 auf rund drei Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahr.  "Damit reagieren wir auf die sehr guten Zahlen, die die Bau- und Gartenfachmärkte bislang vermelden konnten", betont BHB-Hauptgeschäftsführer Peter Wüst.

Das gute Wetter im Frühjahr und der frühe Start in die Gartensaison sind der Hauptgrund. Doch die Herausforderungen für die Zukunft sind groß. Denn möglicherweise will der Baumarktkunde 4.0 keine Axt mehr im Haus haben, sondern lieber gleich den Zimmermann online oder im Baumarkt in der Innenstadt buchen.

Mehr zu diesem Thema sehen Sie heute im Mittagsmagazin um 13:00 Uhr im Ersten.

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