Neubausiedlung in Poenitz, Schleswig-Holstein. | dpa

Kaum Entlastung am Immobilienmarkt Weniger neue Wohnungen genehmigt

Stand: 18.07.2022 10:30 Uhr

Angesichts der Wohnungsknappheit in Deutschland müssten eigentlich viele neue Wohnungen entstehen. Doch nun nimmt die Zahl der Baugenehmigungen sogar ab.

Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist im ersten halben Jahr 2022 zurückgegangen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, bewilligten die Behörden in den ersten Monaten des laufenden Jahres 155.347 Wohnungen in neuen Gebäuden beziehungsweise neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden. Das waren 1,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Vergleich zum Mai 2021 ging die Zahl sogar um 2,1 Prozent zurück. Klammert man verzerrende Saison- und Kalendereffekte aus, fiel die Zahl der Genehmigungen von April auf Mai sogar um 6,6 Prozent auf rund 29.800.

Deutliches Minus bei Einfamilienhäusern

In neuen Wohngebäuden wurden von Januar bis Mai insgesamt 135.133 Wohnungen genehmigt und damit 1,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein deutliches Minus von 17,8 Prozent auf 34.809 gab es bei Einfamilienhäusern. Bei den Zweifamilienhäusern legte die Zahl genehmigter Wohnungen hingegen um 2,1 Prozent auf 14.076 zu. Bei Mehrfamilienhäusern wurde ein Anstieg um 9,1 Prozent auf 83.308 bewilligte Wohnungen verzeichnet.

Die Zahl der Baugenehmigungen ist mit Blick auf die Wohnungsnot in vielen Städten ein wichtiger Indikator für die künftige Lage am Wohnungsmarkt. Allerdings werden genehmigte Wohnungen häufig zunächst nicht gebaut, weil die Kapazitäten der Handwerker und Baufirmen wegen großer Nachfrage nicht ausreichen. Hinzu kommen Materialmangel und Lieferengpässe. Dadurch wird die Errichtung neuer Wohnungen deutlich verteuert.

"400.000 Wohnungen pro Jahr Makulatur"

Die bis Mai genehmigte Zahl entspricht gut 31.000 Wohnungen im Monat. Hochgerechnet aufs Jahr wären das knapp 373.000 neue Einheiten. Die Bundesregierung hat eigentlich das Ziel herausgegeben, dass 400.000 neue Wohnungen im Jahr errichtet werden. Damit soll die in vielen Städten angespannte Situation auf dem Immobilienmarkt entschärft werden.

Vor einigen Tagen hatte der Verbandschef des Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (GdW), Axel Gedaschko, gesagt, 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr seien Makulatur, und das Erreichen der ambitionierten Klimaziele rücke in immer weitere Ferne. Verantwortlich dafür seien drastisch gestiegene Baukosten, Lieferkettenprobleme und höhere Zinsen, aber auch immer schärfere gesetzliche Vorgaben.

Laut einer Umfrage der in den Verbänden des GdW organisierten Unternehmen wollten 70,7 Prozent davon Neubauprojekte aufgeben oder verschieben. Der Staat müsse sich insbesondere stärker im sozialen Wohnungsbau engagieren: "Fünf Milliarden Euro jährlich, finanziert von Bund und Ländern, sind erforderlich", meint Gedaschko.