Zentrum der deutschen Finanzbranche: Blick auf Frankfurts Hochhäuser | Bildquelle: dpa

Finanzaufseher warnt Sorge um die Banken

Stand: 03.12.2020 11:49 Uhr

Die Corona-Krise hat die schwierige Lage der Banken noch verschärft. Eine Pleitewelle in Europa würden einige Geldinstitute nicht überleben, glaubt Deutschlands oberster Finanzaufseher.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Wenn es um die Lage der Finanzbranche geht, nimmt Felix Hufeld kein Blatt vor den Mund. "Einige der schwächsten Banken werden die Krise vermutlich nicht überstehen und aus dem Markt ausscheiden," sagt Deutschlands oberster Finanzaufseher im Gespräch mit dem "Handelsblatt".

Und weiter: "Die Bankbilanzen werden durch erhöhte Kreditausfälle früher oder später Schaden nehmen, das ist klar. Unklar ist nur, wann und wie hoch genau. Ich persönlich gehe von mehreren Wellen aus", prophezeit Hufeld.

Auch Moody's ist skeptisch

Kritische Töne zur Bankenbranche gibt es auch von der Ratingagentur Moody’s. "Zu strukturellen Schwächen wie chronischer Ineffizienz kommen jetzt noch zyklische Faktoren wie hohe Kreditausfälle und rekordniedrige Zinsen hinzu", schreiben die Autoren im jüngsten Ausblick. Dadurch würden die ohnehin niedrigen Ergebnisse der Banken weiter unter Druck geraten.

Droht Europa also eine neue Bankenkrise? Dieses Wort nimmt bisher keiner der Experten in den Mund. Schwächen einiger südeuropäischer Häuser lassen sich laut Hufeld nicht auf Deutschland übertragen. Aus Sicht des Bankenaufsehers ist das "Finanzsystem als Ganzes" robust, weil die Banken im Vergleich zur Finanzkrise 2008 dickere Kapitalpuffer haben.

"Die Kapitalausstattung der deutschen Bankenbranche würde selbst bei einem fiktiven Einbruch der Wirtschaftsleistung um knapp elf Prozent noch über dem gesetzlichen Minimum liegen", so Hufeld. Zudem seien die Banken diesmal nicht Verursacher der Krise, sondern Teil der Lösung.

Felix Hufeld
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Bafin-Chef Felix Hufeld geht davon aus, dass einige Banken die Krise nicht überstehen werden.

Schwierige Zeiten

Dennoch kommen auf die Bankhäuser schwierige Zeiten zu. Weil die Corona-Krise die Existenz vieler Unternehmen bedroht, rollen auf die Geldhäuser mehrere Wellen von Kreditausfällen zu, warnt der Chef der Finanzaufsicht BaFin. Die erste könnte es Anfang 2021 geben, wenn die Insolvenzantragspflicht wieder voll greift.

Dabei ist die Risikovorsorge der großen europäischen Banken bereits jetzt um das Dreifache gestiegen. In Deutschland sogar um das Vierfache, wie aus einer Studie der Unternehmensberatung BearingPoint hervorgeht, in der insgesamt 113 Banken aus Europa analysiert und bewertet wurden.

Noch unter dem Krisenniveau von 2009

BearingPoint zeigt in seiner Studie, dass bis Ende Juni diesen Jahres 36 der größten europäischen Banken rund 317 Milliarden Euro faule Kredite in ihren Bilanzen hatten. Das ist zwar noch deutlich weniger als in der Finanzkrise 2009 - damals waren es 444 Milliarden Euro.

Doch durch die staatlichen Hilfsmaßnahmen sei das gesamte Ausmaß der Pandemie noch nicht in den Zahlen der Banken abzulesen, warnt BearingPoint. Mit Nachholeffekten in den nächsten Quartalen sei deshalb zu rechnen. Damit bestätigen die Unternehmensberater die Aussagen von BaFin-Chef Hufeld.

Zwang zum Sparen

Wie sollen die Banken also darauf reagieren? Die Deutsche Bank hat es bereits vorgemacht: Sie müssen auf die Kostenbremse treten und sparen, bis es quietscht. Dazu werden Stellen gestrichen, Filialen geschlossen und einfache Tätigkeiten ausgelagert.

Auch andere Häuser werde die Corona-Krise zwingen, effizienter und kostengünstiger zu arbeiten. BearingPoint schätzt, dass die deutschen Banken mittelfristig 20 bis 25 Milliarden Euro einsparen müssen, um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu werden.

Geschäftsmodelle stehen infrage

"Die Banken müssen dringend ihre Geschäftsmodelle straffen und die Fertigungstiefe verringern. Im Vergleich zu den Autobauern mit ihrer effizienten Zulieferindustrie haben die Banken rund ein Jahrzehnt Rückstand. Eine Möglichkeit wäre, nicht wettbewerbsentscheidende Produkte und Prozesse in Servicegesellschaften auszulagern, die von mehreren Banken genutzt werden", empfiehlt Frank Hofele, Partner bei BearingPoint.

Allerdings zeigt die Analyse der Unternehmensberater auch, dass striktes Sparen allein nicht reicht. Genauso wichtig seien gezielte Investitionen und die Fokussierung auf ein tragendes Geschäftsmodell.

Mehr Fusionen wahrscheinlich

Eine weitere Folge der Corona-Krise wird eine neue Welle von Fusionen und Übernahmen sein, auch grenzüberschreitend. Jüngstes Beispiel ist der geplante Zusammenschluss der spanischen Banken Bankia und Caixa. In Italien soll UniCredit, die Mutter der bayrischen HVB, die angeschlagene Bank Monte dei Paschi übernehmen.

Auch Hufeld ist überzeugt, dass durch die Corona-Krise der Druck zur Konsolidierung steigt. "Irgendwann wird es auch zu grenzüberschreitenden Fusionen kommen", sagte er dem "Handelsblatt". "Kurzfristig rechne ich damit allerdings nicht - außer es entsteht eine Notlage, in der man schnell handeln muss."

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Dezember 2020 um 11:43 Uhr.

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