Hochgeschwindingkeitszug in Hongkong | Bildquelle: dpa

Bahnfahren in China Wo Schnelligkeit Staatsziel ist

Stand: 23.11.2018 11:09 Uhr

Probleme, die die Deutsche Bahn mit ihren ICE und Verspätungen hat, gibt es in China nicht. Die Volksrepublik betreibt schon jetzt das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt - und strebt nach mehr.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Ein Zug fährt in den Pekinger Südbahnhof ein. Wie fast immer: pünktlich. Kein Gedränge beim Einstieg, weil auf der anderen Seite zunächst die Gäste aussteigen und sich dann erst die Türen für die Einsteigenden öffnen. In China dürfen Fahrgäste nur für die Abfertigung ihres Zuges auf den Bahnsteig. Vorher halten sie sich in riesigen Wartehallen bereit. Kein Chaos, dafür Effektivität und Berechenbarkeit. Verspätungen sind weitgehend unbekannt.

Der neue Guangzhou-Shenzhen-Hong-Kong-Express trifft in Shenzen ein. | Bildquelle: AFP
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Selfie vor dem neuen Hochgeschwindigkeitszug, der zwischen Hongkong und dem Festland pendelt.

"Bequemer als Fliegen"

"Meine Erlebnisse beim Schnellzugfahren sind sehr gut. Fast keine Verspätungen. Ganz anders als bei den alten Zügen, die sich oft verspätet haben. Für Reisen im Inland ist Zugfahren bequemer als Fliegen", sagt ein Fahrgast. Ein anderer meint: "Nach Shanghai fahre ich mit den Schnellzügen. Das ist immer gut. Normalerweise pünktlich und schnell."

Von Peking nach Shanghai sind die Züge mehrmals am Tag mit 350 Kilometern pro Stunde unterwegs. Über 1300 Kilometer Strecke in 4:18 Stunden. Seit einem Jahr dürfen die Züge wieder so schnell fahren, nach einem Bahnunglück 2011 war das vorübergehend verboten. Aber die politische Führung in Peking mag Geschwindigkeit, sagt Zhao Jian, Bahn-Experte an der Pekinger Jiaotong Universität:

"Es heißt, dass Präsident Xi Jinping den größten chinesischen Zughersteller besucht und gefragt hat, ob die Züge nicht eigentlich 350 Kilometer pro Stunde fahren könnten. Wirtschaftlich macht das keinen Sinn, politisch ist es aber gewollt."

99 Prozent der Hochgeschwindigkeitszüge sind pünktlich

Die neueren Züge heißen Fuxing, übersetzt "Wiedergeburt". Das ist auch ein zentraler Slogan von Staats- und Parteichef Xi. Er meint damit den Wiederaufstieg der chinesischen Nation an die Weltspitze.

Bei einer Parade in China wird der Schnellzug gefeiert | Bildquelle: REUTERS
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Die Chinesen sind stolz auf ihr Hochgeschwindigkeitsnetz - und feiern es, wie kürzlich in Hangzhou.

Bei der Bahn hat China das bereits geschafft. Laut Statistik sind fast 99 Prozent der Hochgeschwindigkeitszüge pünktlich. Das beruht auch auf guter Organisation: reibungsloses Ein- und Aussteigen, dazu sind die Hochgeschwindigkeitsstrecken vom übrigen Netz getrennt. Und das Streckennetz sei gigantisch, sagt Bahn-Experte Zhao Jian: "Unser Hochgeschwindigkeitsnetz ist das größte weltweit. Doppelt so groß wie alle anderen Hochgeschwindigkeitsnetze der Welt zusammen. Und deshalb will China auch die schnellsten Züge haben."

Nächste Generation ist schon in Planung

Das chinesische Streckennetz ist heute bereits 25.000 Kilometer lang. Bis 2025 soll es auf 38.000 Kilometer ausgebaut werden. Die nächste Generation der chinesischen Hochgeschwindigkeitszüge soll in zwei Jahren kommen und 400 Kilometer pro Stunde erreichen.

Früher hat China die Schnellzüge bei Siemens oder in Japan bestellt. Heute bauen die Chinesen selbst, auch wenn wichtige Komponenten immer noch aus Deutschland kommen.

Bahnfahren in China funktioniert
Axel Dorloff, ARD Peking
23.11.2018 11:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. November 2018 um 14:47 Uhr.

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