Nichts geht mehr durch den Streik: Am Münchener Hauptbahnhof warten viele Reisende auf einem Bahnsteig. | Bildquelle: AFP

Entwarnung für Reisende Bahn und EVG wollen weiter verhandeln

Stand: 10.12.2018 14:40 Uhr

Die nächste Chance im Tarifstreit zwischen der EVG und der Deutschen Bahn: Ab morgen soll wieder verhandelt werden. Auf den Schienen läuft der Betrieb nach dem Warnstreik am Morgen langsam wieder an.

Nun geht es doch zurück an den Verhandlungstisch: Die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wollen ab Dienstag erneut über einen Kompromiss im Tarifstreit beraten. Die Verhandlungen könnten in den frühen Nachmittagsstunden beginnen, teilte Verhandlungsführerin Regina Rusch Ziemba mit. Von weiteren Warnstreiks sehe die EVG vorerst ab. Die Gewerkschaft hatte die Gespräche mit der Bahn am Samstag abgebrochen, nachdem der Konzern die seit zwei Monaten laufenden Verhandlungen vertagen wollte.

Eine Sprecherin begrüßte die Bereitschaft der Gewerkschaft, die Verhandlungen wieder aufzunehmen: "Wir haben den Verhandlungstisch nie verlassen. Wir haben der Gewerkschaft signalisiert, dass wir bereit sind, ein weiteres Angebot vorzulegen."

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer dränge beide Parteien, sich zügig auf einen Kompromiss zu einigen:

"Die Angebote sind gemacht. Und für die Fahrgäste wäre es kurz vor Weihnachten auch gut, wenn man schnell eine Einigung hätte."

GDL will vorerst nicht streiken

Die Bahn verhandelt in Hannover parallel mit der EVG und der Lokführergewerkschaft GDL. Die GDL will vorerst auf Warnstreiks verzichten. Sollte mit der Bahn kein Kompromiss erreicht werden, ziehe die GDL Ausstände zum Jahresbeginn in Betracht. "Wenn, dann rappelt die Kiste im neuen Jahr", so GDL-Chef Claus Weselsky.

Wer will was im Tarifstreit?

Zwei Monate lang hatten die Bahn und die EVG über eine Tarifanpassung verhandelt. Die Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Gehalt für die Mitarbeiter und den Ausbau eines Modells, bei dem die Angestellten zwischen einer Lohnerhöhung, Arbeitszeitverkürzung oder einem Plus an Urlaubstagen wählen können. Insgesamt geht es um 160.000 Beschäftigte.

Die Bahn hatte ein Angebot vorgelegt, das eine Entgelterhöhung in Höhe von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen und eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro vorsieht. Statt der zweiten Stufe der Gehaltserhöhung könnten die Angestellten auch eine Arbeitszeitverkürzung wählen. Außerdem bot die Bahn an, ihren Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge anzuheben.

Streik trifft 1400 Züge

Am Morgen hatte die Gewerkschaft bundesweit ab 5.00 Uhr zu einem vierstündigen Warnstreik aufgerufen. Aufgrund des Ausstands stellte die Bahn ihren Fernverkehr in ganz Deutschland ein. Aber auch der Regionalverkehr, der Güterverkehr und die S-Bahn wurden bestreikt.

Nach Angaben der Deutschen Bahn waren insgesamt rund 1400 Züge von dem Warnstreik betroffen. Auch nach Ende des Ausstandes kam es vor allem im Fernverkehr noch zu Verspätungen und Zugausfällen. Mit einem Betrieb nach Fahrplan ist laut Bahnangaben erst am Dienstag wieder zu rechnen.

Bahnreisende sprechen mit einem Mitarbeiter der Bahn | Bildquelle: REUTERS
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Chaos in Köln: Bahnreisende suchen Hilfe bei einem Mitarbeiter.

Bahn-Mitarbeiter gehen streikend durch den Hauptbahnhof | Bildquelle: dpa
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Bundesweit waren Bahn-Mitarbeiter im Ausstand.

Der Regionalverkehr sei wieder angelaufen, hieß es am Nachmittag. Besonders in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hatte es auch im regionalen Zugbetrieb große Probleme durch den Warnstreik gegeben. Der Verkehr der S-Bahnen in den Großstädten sei wieder "gut gestartet".

Die Bahn will noch bis Mitternacht die eingerichtete Servicehotline 08000 996633 geschaltet lassen, um Reisende über Verspätungen und Ausfälle zu informieren.

Bahn hatte mit Ausmaß nicht gerechnet

Mit einem solchen Ausmaß des Streiks habe man nicht gerechnet, hieß es von der Bahn selbst. Die EVG zeigte sich mit dem Verlauf des Ausstandes zufrieden. "Die Wucht des Warnstreiks hat gezeigt, wie groß der Unmut der Kolleginnen und Kollegen ist", sagte EVG-Bundesgeschäftsführer, Torsten Westphal. "Wir denken eben auch, dass es ein deutliches Zeichen Richtung Bahnvorstand war, der sich nun zu bewegen hat."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Dezember 2018 um 15:00 Uhr.

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