Züge im Hbf München | Bildquelle: imago stock&people

Tochterkonzern Bahn will Arriva offenbar vorerst behalten

Stand: 07.11.2019 18:21 Uhr

Mehr Geld in der Kasse und ein stärkerer Fokus auf das Kerngeschäft in Deutschland - das wollte die Deutsche Bahn mit dem Verkauf von Arriva erreichen. Nun hat der Konzern das Geschäft offenbar gestoppt.

Die Deutsche Bahn will die internationale Nahverkehrstochter Arriva vorerst nicht verkaufen. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Die zu erwartenden Erlöse lägen erheblich unter dem Buchwert, hieß es demnach im Umfeld des Konzerns. Der Konzern hatte monatelang einen Käufer gesucht und parallel auch einen Börsengang als Plan B vorbereitet. Der Verkauf des britischen Bus- und Bahndienstleisters sollte eigentlich zusätzliche Milliarden für die Eisenbahn in Deutschland bringen.

Schuldenberg wird nicht kleiner

In Medienberichten war von einem möglichen Erlös von bis zu vier Milliarden Euro die Rede. Davon müssten aber noch Schulden von mehr als eine Milliarde Euro und Pensionsverpflichtungen abgezogen werden. Die Bahn ist hoch verschuldet. Nachdem der geplante Verkauf sich hingezogen hatte, entschied der Aufsichtsrat im September, zunächst über eine Anleihe bis zu zwei Milliarden Euro frisches Geld aufzunehmen. Arriva betreibt Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern, macht aber gut 60 Prozent seines Umsatzes in Großbritannien. Das britische Verkehrsunternehmen gehört seit 2010 zur Deutschen Bahn.

Börsengang ist wegen Brexit riskant

Vor Jahren wollte die Bahn die Tochter schon einmal teilweise an die Börse bringen. Nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt und einer Finanzspritze des Bundes wurden die Pläne 2016 aber auf Eis gelegt. Ein Börsengang birgt Risiken, weil nicht sicher ist, wann und wie Großbritannien aus der EU austritt.

Ungewiss ist auch die Zukunft des zuständigen Vorstands Alexander Doll. Aufsichtsratskreisen zufolge werde er vorerst im Amt bleiben - gegen den Willen von Verkehrsminister Andreas Scheuer und Aufsichtsratschef Michael Odenwald. Bei einer Sondersitzung des Aufsichtsrats zeichnete sich demnach keine ausreichende Mehrheit für eine Abberufung Dolls ab. Dem Bahn-Finanzvorstand wird vorgeworfen, den Bund und den Aufsichtsrat nicht ausreichend über Probleme beim geplanten Verkauf von Arriva informiert zu haben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. November 2019 um 16:15 Uhr.

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