Ein Mann hält ein Ticket der Bahn in der Hand | Bildquelle: picture alliance / Armin Weigel/

Kritik an vielen Rabatten Dem Bund ist die Bahn zu billig

Stand: 15.09.2018 09:11 Uhr

Für 19,90 Euro von Hamburg nach München? Wer Glück hat, ergattert einen solchen "Super Sparpreis" der Bahn. Für den Bahn-Beauftragten der Bundesregierung sind solche Rabatt-Preise aber genau das Problem der Bahn.

Der Bund fordert eine Überprüfung des aktuellen Rabatt-Systems bei der Bahn. Hintergrund sind die sinkenden Gewinne des Unternehmens, das zu 100 Prozent dem Bund gehört.

"Im Fernverkehr steigen die Passagierzahlen zwar, aber die Gewinne sinken. Ich bin überrascht darüber, wie viele Rabatte angeboten werden", sagte Enak Ferlemann, Verkehrs-Staatssekretär und Bahn-Beauftragter der Bundesregierung, der Zeitung "Die Welt". Es sei nicht nur für die Kunden schwer, den Überblick im Preissysten der Bahn zu behalten, so der CDU-Politiker weiter. "Sondern die Bilanz zeigt auch, dass sich mit diesem Preismodell die Kosten nicht decken lassen."

"Das Rabattsystem muss auf den Prüfstand"

Die Bahn bietet neben dem "Flexpreis" genannten regulären Ticket auch diverse Rabattangebote - von den BahnCards über Ländertickets bis hin zu Spar- und Super Sparpreisen. Anders als der Flexpreis sind diese aber mit bestimmten Bedingungen verbunden - etwa der Bindung an einen konkreten Zug - und zum Teil limitiert. Dafür sind diese Preise auch deutlich günstiger: Während die Fahrt mit dem ICE von Hamburg nach München regulär 150 Euro kostet, gibt es sie mit dem Super Sparpreis bereits ab 19,90 Euro.

Der Vorstand müsse sich überlegen, ob er dieses Preissystem so fortführen könne, so Staatsekretär Ferlemann weiter. "Das Rabattsystem muss auf den Prüfstand. Womöglich profitieren von all den Sparpreisen und Sonderrabatten nur einige Wenige, während die Mehrheit dafür einen höheren Normalpreis zahlen muss."

"Ich halte nichts davon, solche Briefe zu schreiben"

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, hat einen Brandbrief an seine Führungskräfte geschrieben. | Bildquelle: dpa
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Lutz hatte einen Brandbrief an Bahn-Führungskräfte geschickt.

Ferlemann kritisierte zudem Bahn-Chef Richard Lutz für dessen jüngsten Brandbrief. "Ich halte nichts davon, solche Briefe zu schreiben. Offenbar funktioniert die Zusammenarbeit im Bahn-Vorstand nicht, sonst wäre das nicht nötig gewesen." Lutz müsse sich darüber im Klaren sein, dass er damit das Unternehmen in der Öffentlichkeit beschädigt habe.

Lutz hatte mit seinen Vorstandskollegen einen Brandbrief an die Führungskräfte des Konzerns geschickt und geschrieben, die Bahn befinde sich in einer schwierigen Situation, die sich in den vergangenen Monaten verschlechtert habe. Den Befund des Bahnchefs hält der Bahn-Beauftragte jedoch für treffend: "Die Bahn hat ein Ertragsproblem. Sie verdient nicht genug, um aus dem Cashflow die nötigen Investitionen stemmen zu können. Sie müsste neue Schulden machen, und genau das funktioniert nun nicht mehr", so Ferlemann.

Über dieses Thema berichteten am 15. September 2018 Deutschlandfunk um 07:00 Uhr sowie um 08:00 Uhr in den Nachrichten und B5 aktuell um 08:06 Uhr.

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