Der Hochgeschwindigkeitszug ICE  | Bildquelle: AFP

Entschädigung für Bahnkunden Einfacher - aber wie?

Stand: 25.03.2019 18:05 Uhr

Kaum ein Bahnkunde, der sich nicht schon über Verspätungen geärgert hat. Doch sein Geld zurückfordern? Für viele zu aufwendig. Die Bahn will die Entschädigung nun zwar vereinfachen, weiß aber nicht wie.

Sie ist das große und altbekannte Problem der Deutschen Bahn - die Pünktlichkeit. Zwar läuft es im Nahverkehr damit ganz gut, doch es hapert bei ICE, IC und Eurocity: Im vergangenen Jahr kam jeder vierte Fernzug zu spät an seinem Ziel an. Und den betroffenen Reisenden steht im Falle einer Verspätung zwar Entschädigung zu, doch die einzufordern, ist bislang bürokratisch und aufwendig. Das will die Bahn nach massiver Kritik künftig ändern.

Derzeitiges Verfahren ist aufwendig für Kunden

Wie der bundeseigene Konzern ankündigt, soll das Verfahren für Entschädigungen auf moderne Füße gestellt, sprich ins digitale Zeitalter geholt werden. Ein Antrag soll per Klick im Internet möglich sein. Derzeit müssen Kunden erstmal ein Formular ausfüllen, das sie dann entweder im Reisezentrum abgeben oder per Post an das zentrale Servicecenter für Fahrgastrechte in Frankfurt am Main schicken müssen.

Es fehlt das Konzept für den digitalen Weg

Allerdings wird es bis zum neuen Entschädigungsverfahren wohl noch dauern, noch fehlt der Bahn ein konkretes Konzept, wie der Prozess umgestaltet werden soll. Nach eigenen Angaben befindet sich der Konzern in laufenden Gesprächen mit dem Verkehrs- und dem Verbraucherschutzministerium. Der Umstieg auf digitale Wege sei aber "fachlich wie technisch komplex" und erfordere noch etwas Zeit, betonte ein Sprecher der Bahn.

Verbraucherschützer wollen automatische Entschädigung

Verbraucherschützer pochen schon seit Langem auf einfachere und schnellere Entschädigungen für Bahn- und Flugreisende. Und sie gehen dabei sogar noch einen Schritt weiter: Aus ihrer Sicht spricht nichts dagegen, dass eine Entschädigung automatisch erfolgt, wenn der Zug oder das Flugzeug nicht pünktlich ans Ziel kommt. Beim Ticketkauf übermittele der Kunde alle nötigen Daten an die Bahn oder die jeweilige Airline, sodass die Entschädigungssumme einfach auf das Konto überwiesen werden könne.

Unterstützung für diese Forderung erhalten Verbraucherschützer auch von Verkehrsminister Andreas Scheuer. Es sei gut, dass die Menschen auf die Schiene umsteigen wollten, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dafür müsse die Bahn aber auch ausreichende Kapazitäten schaffen und für Pünktlichkeit sorgen. Zudem sollten die Fahrgastrechte gestärkt werden. Und aus Sicht des CSU-Politikers könnten automatische Entschädigung ein Anreiz für Pünktlichkeit bei Bahn und Airlines schaffen.

Mehr Reisende fordern Rückzahlung ein

Bei der Bahn steht einem Kunden ab einer Verspätung von mindestens einer Stunde ein Viertel seines Ticketpreises zu. Kommt der Zug mindestens zwei Stunden zu spät, hat er ein Anrecht auf die Hälfte des gezahlten Preises. Und auch, wenn das bisherige Verfahren per Formular "antiquiert" ist, wie es Verbraucherschützerin Marion Jungbluth im "Handelsblatt" ausdrückte, nehmen mehr Bahnkunden dieses Recht in Anspruch: 2018 reichten 2,7 Millionen Fahrgäste einen Antrag auf Entschädigung ein - etwa doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor. Insgesamt 53,6 Millionen Euro zahlte die Bahn im vergangenen Jahr an Reisende zurück.

Und wie es momentan aussieht, wird es für die Bahn nicht weniger bei den Ausgaben für Entschädigungen. Im Februar war jeder fünfte Fernzug zu spät, im Januar lief es noch schlechter in Sachen Pünktlichkeit. Auch der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Richard Lutz, sah im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein: "Wir müssen besser werden."

Neue Statistik mit neuen Zeitrahmen?

Dafür will die Bahn unter anderem ihre Pünktlichkeitsstatistik erweitern. Die gibt das Unternehmen jeden Monat heraus. Momentan wird darin festgehalten, ob jeder einzelne Zug planmäßig von A nach B kommt.

Nach dem Entwurf der Bahn soll die Statistik künftig aber nicht nur auf die einzelnen Zugverbindungen ausgelegt sein, sondern auf den Reiseweg eines Kunden insgesamt: Umsteigen und den Wechsel vom Fern- auf den Nahverkehr mit inbegriffen. Und nicht nur Verspätungen, auch Zugausfälle sollen in die erweiterte Statistik einfließen. Dafür will die Bahn Buchungsdaten von rund 270.000 Reisenden auswerten, um so die Fahrzeiten von täglich etwa 400.000 Kunden zu simulieren.

Bislang gilt ein Zug als pünktlich, wenn er mit weniger als sechs Minuten Verspätung ans Ziel kommt. In der Statistik mit der neuen Rechnungsweise soll ein Zug möglicherweise erst als verspätet gelten, wenn er 15 Minuten über der geplanten Ankunftszeit liegt. Doch diesen Entwurf will die Bahn zunächst noch mit Verbänden, Politikern und Kunden diskutieren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. März 2019 um 12:45 Uhr in den Nachrichten.

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