Ein Mann rennt am Berliner Hauptbahnhof an zwei Zügen der Bahn vorbei | dpa

Fahrplanwechsel der Bahn Mehr Angebote, höhere Preise

Stand: 12.12.2021 04:47 Uhr

Heute tritt der neue Fahrplan der Bahn in Kraft. Das Angebot im Fernverkehr wird ausgeweitet. Allerdings steigen auch die Preise. Nur für Kinder und junge Reisende wird es günstiger.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Die Bahn kommt… häufiger und teilweise auch schneller. Mit dem Fahrplanwechsel zum 12. Dezember baut der Staatskonzern sein Fernverkehrsangebot deutlich aus. Mehrere neue Sprinter-Strecken werden eingeführt. Damit will die Deutsche Bahn (DB) Kunden gewinnen, die normalerweise einen Inlandsflug buchen würden.

Sprinter als Alternative zu Inlandsflügen

Auf acht der zehn stärksten innerdeutschen Flugstrecken sollen künftig zusätzliche ICE-Sprinter mit weniger Zwischenhalten fahren. So verkehren künftig drei Mal täglich ICE zwischen Berlin und Köln ohne Zwischenhalt. Mit unter vier Stunden sind die Züge bis zu eine halbe Stunde schneller als bisher.

Auch auf den Strecken Düsseldorf-Köln-München, Hamburg-Frankfurt Flughafen, Berlin-München und München-Zürich wird sich die Fahrtzeit verkürzen. Zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen wird eine Schnellstrecke eingerichtet, die im Zweistunden-Takt fahren soll. Zudem sollen mehr Sprinter am frühen Morgen und am späten Abend verkehren. Damit sollen mehr Geschäftsreisende auf die Schiene gelockt werden.

Aufatmen können Reisende, die oft zwischen Hamburg und Berlin unterwegs sind. Nach mehrmonatigen Bauarbeiten läuft der Fernverkehr zwischen der Hansestadt und der Hauptstadt wieder ohne Umleitung. Die Fahrtzeit beträgt wie früher unter zwei Stunden.

Mehr Nachtzüge

Wer lieber nachts reist und ausgeschlafen zu seinem Ziel kommen will, hat künftig mehr Angebote zur Auswahl. Im neuen Fahrplan wird es zwei zusätzliche Nachtverbindungen geben - von München nach Paris sowie Zürich-Basel und Köln-Amsterdam. Dabei kooperiert die Bahn mit der österreichischen ÖBB.

Allerdings gibt es auch Fernzüge, die gestrichen werden. So fällt die Direktverbindung von Dresden über Berlin nach Sylt weg. Das gefällt dem Fahrgastverband Pro Bahn gar nicht. Deren Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann spricht von einem "Fehler". "Wir brauchen mehr Direktverbindungen zu touristischen Zielen", kritisiert er.

Immer mehr ICE ersetzen IC-Züge

Verwirrend findet Pro Bahn auch, dass es immer noch einige Strecken gibt, auf denen sich ICE und IC abwechseln. Insgesamt aber verlieren die Intercity-Züge an Bedeutung. Zunehmend ersetzen ICE die etwas langsameren und verstaubten IC, zum Beispiel auf der Strecke Frankfurt/Karlsruhe-Stuttgart-Ulm-München.

Auf etwas weniger Verspätungen können Reisende hoffen, die von oder nach Frankfurt fahren. Mit einem neuen zusätzlichen Gleis wird der Frankfurter Hauptbahnhof entlastet. Vor kurzem hat die Bahn den so genannten "Homburger Damm" eröffnet. Es ist das erste Projekt für den Ausbau des Bahnknotens Frankfurt. In den nächsten Jahren soll ein Fernbahntunnel mit Tiefbahnhof gebaut werden, der die Kapazität für den Fernverkehr in ganz Deutschland um 20 Prozent erhöhen soll.

Fast zwei Prozent höhere Preise

Zwar bringt der neue Fahrplan den Gästen schnellere Fahrtzeiten und teils mehr Komfort, aber auch höhere Preise. Bahn-Tickers kosten künftig durchschnittlich 1,9 Prozent mehr. Die Preise für Streckenzeitkarten sowie für die Bahncard 25, 50 und 100 steigen gar um 2,9 Prozent. ProBahn kritisiert die Preiserhöhungen als "das völlig falsche Zeichen, um Kunden, die während der Pandemie verlorengegangen sind, wiederzugewinnen".

Nur für junge Reisende wird es teils günstiger. 15-bis 26-Jährige können den Super Sparpreis Young nutzen. Bisher war dieser nur als zeitlich begrenztes Angebot erhältlich. Wer eine Bahncard besitzt, kann mit dem Sparpreis Zugtickets für unter zehn Euro buchen.

Kinder können einfacher mitfahren

Deutlich einfacher wird das Bahnfahren für Kinder. Diese können künftig auch dann gratis mitreisen, wenn sie nicht mit den eigenen Eltern oder Großeltern unterwegs sind. Es genügt, wenn sie eine Begleitperson ab 15 Jahre haben, also ältere Geschwister, Freunde oder Nachbarn. Kinder im Alter von unter 15 Jahren, die alleine fahren, müssen dagegen ein Ticket zum halben Preis kaufen.

"Bei der Bahn ist Klimaschutz kinderleicht", sagt DB-Chef Richard Lutz. Es sei ein echtes Aushängeschild für die Bahn, dass viele Millionen Kinder im Fernverkehr kostenlos fahren. Nach Angaben der Bahn nutzen rund acht Millionen Kinder die Fernzüge gratis.

Kein Fahrkartenkauf mehr beim Schaffner

Um in Pandemie-Zeiten all zu enge Kontakte mit dem Zugpersonal zu vermeiden, dürfen ab dem nächsten Jahr keine Tickets mehr direkt beim Schaffner gelöst werden. Stattdessen können Reisende ihre Fahrkarte noch bis zehn Minuten nach der Abfahrt über die DB App buchen. Bisher musste derjenige, der nicht mehr rechtzeitig ein Ticket hatte kaufen können, es beim Zugpersonal in der Bahn lösen. Dafür fiel eine zusätzliche Gebühr von 17 Euro an.

Der Fahrgastverband ProBahn begrüßt die Möglichkeit, noch schnell nach dem Einsteigen zu buchen. Die Abschaffung des Bordverkaufs stößt aber auf Kritik. "In vielen Regionen ist es nicht möglich, am Automaten am Bahnsteig oder im Zug ein durchgehendes Ticket mit Fernverkehrsanteil zu lösen. Wenn Menschen ohne Smartphone dann am Fernbahnhof beim Umsteigen noch eine Fahrkarte ziehen müssen, bedeutet das oft, dass sich die Umsteigezeit von zehn Minuten auf eine Stunde zehn Minuten verlängert", sagte ein Sprecher zu tagesschau.de. Das mache die Bahn unattraktiver

Wer nicht mit der Deutschen Bahn fahren will, kann auch Konkurrenten wie Flixtrain nutzen. Die grünen Züge steuern immer mehr deutsche Städte an. Bis Frühjahr sollen es 70 Orte sein, an denen Flixtrain Halt macht. Das Unternehmen baut sein Angebot aus und bedient künftig auch die lukrative Strecke zwischen Frankfurt und Köln.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.