Blick auf leere 2.-Klasse-Sitzplätze in einem ICE | Bildquelle: dpa

Deutsche Bahn Auch nach der Krise weniger Fahrgäste?

Stand: 09.05.2020 10:06 Uhr

Jahrelang fuhr die Bahn Fahrgastrekorde ein. Mit der Corona-Krise kam der Einbruch. Viele Kunden kämen so schnell nicht zurück, glaubt der Chef der Gewerkschaft EVG, Hommel. Das liege vor allem am Rückgang von Dienstreisen.

Die Deutsche Bahn muss sich aus Sicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf eine längere schwierige Phase einstellen. Es werde mehrere Jahre dauern, bis sich im Fernverkehr die Fahrgastzahlen erholen, sagte der kommissarische EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel der Nachrichtenagentur dpa.

"Wir haben gelernt, dass es anders geht"

"Wir gehen davon aus, dass wir 2022 oder 2023 die Zahlen erreichen, die wir 2019 gesehen haben", sagte Hommel, der auch langjähriges Mitglied des Bahn-Aufsichtsrats ist. Weil die Beschäftigten nun mehr Erfahrung mit Telefon- und Videokonferenzen haben, werde es vorerst weniger Dienstreisen mit der Bahn geben, sagte der Gewerkschafter. "Wir werden viele Fahrten, die wir früher gemacht haben, nicht mehr machen. Wir haben gelernt, dass es auch anders geht."

Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns berät am kommenden Freitag über die Folgen der Pandemie. Mit 151 Millionen Kundenfahrten hatte der Fernverkehr im vergangenen Jahr noch den fünften Fahrgastrekord in Folge erreicht. Dann kam der Einbruch in der Corona-Krise.

"Besondere Verantwortung"

Im April lag das Reiseaufkommen im Fernverkehr bei zehn bis 15 Prozent des sonst üblichen Niveaus, sagte Konzernchef Richard Lutz. Im Regionalverkehr seien es 15 Prozent gewesen - seit Wochenbeginn fährt die Deutsche Bahn dort wieder 90 Prozent des üblichen Angebots.

Auch im Fernverkehr nimmt die Zahl der Fahrgäste langsam wieder zu, viele Züge sind aber immer noch sehr leer. Zwar fuhr die Bahn auch hier das Angebot leicht herunter, Lutz betonte allerdings immer wieder die "besondere Verantwortung" der Bahn, in der Krise als Teil der Daseinsvorsorge einen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft zu leisten.

Blick auf leere 2.-Klasse-Sitzplätze in einem ICE | Bildquelle: dpa
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Viele Fernverkehrszüge sind weiterhin nur wenig ausgelastet.

Finanzlücke von zehn Milliarden Euro erwartet

Bahn und Bund hatten als Ziel vereinbart, bis 2030 die Fahrgastzahl der Bahn zu verdoppeln, um mehr Menschen für den Verzicht auf Auto und Flugzeug zu gewinnen. "Bei der Zielstellung sollten wir bleiben, aber das wird kein Selbstläufer", warnte EVG-Chef Hommel. "Wir erwarten, dass der Bund für die Verluste, die durch Corona eingetreten sind, nicht nur bei der Lufthansa, sondern auch bei der Bahn einsteht."

Im Gespräch ist bei der Bahn eine Finanzlücke von etwa zehn Milliarden Euro bis 2024. Davon könne die Bahn die Hälfte aufbringen. Einen solchen Eigenanteil lehnte Hommel jedoch ab. Dieser würde aus seiner Sicht die notwendigen Wachstumsinvestitionen etwa in neues Personal und Züge gefährden.

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