Zugreisende mit Maske vor einem ICE | dpa

Studie der Bahn Sorgenfrei Zugfahren trotz Corona?

Stand: 09.09.2020 14:05 Uhr

Zu Corona-Zeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein, hinterlässt oft ein mulmiges Gefühl. Die Deutsche Bahn versucht nun, ihre Fahrgäste zu beruhigen - mit einer eigenen Studie.

Von Jens Eberl, WDR

Die Bahn lädt zu einer Telefon-Pressekonferenz - wegen Corona sicherheitshalber auf Abstand. Ein Abstand, der in den Zügen oft nicht möglich ist. Auch auf die Entfernung durch die Telefonleitung ist den Vorständen der Bahn Erleichterung anzuhören. Berthold Huber, Vorstand für Personenverkehr beginnt mit den Worten: "Wir können heute sagen, dass Bahnfahren sicher ist." Belegen will er das anhand eines Forschungsprojekts der Charité Research Organisation, die zur Berliner Universitätsklinik gehört.

Jens Eberl

Etwa 1100 Bahnmitarbeiter seien zwischen dem 29. Juni und 3. Juli auf das Coronavirus und auf Antikörper untersucht worden. Es sollte also festgestellt werden, wie viele Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt sind oder waren. Wichtig für die Untersuchung: Es wurde dabei unterschieden zwischen Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern, die regelmäßig in Kontakt mit Fahrgästen kommen und Personal, das kaum in der Nähe von Kunden ist. Hierfür wurden beispielsweise Lokführerinnen und Lokführer oder Werksmitarbeiter befragt.

Bahnmitarbeiter ohne Kundenkontakt häufiger infiziert

Der Personalvorstand Martin Seiler präsentiert das überraschende Ergebnis: Während bei Zugbegleitern nur 1,3 Prozent positiv auf Antikörper getestet wurden, seien es bei Mitarbeitenden ohne Kundenkontakt 2,7 Prozent gewesen. Eine akute Erkrankung sei insgesamt nur einmal festgestellt worden. Allerdings habe man Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt der Umfrage krank geschrieben waren nicht befragen können.

Der Leitende Arzt der Deutschen Bahn, Christian Gravert, relativiert das Problem: "Auch unter den krank geschriebenen Kolleginnen und Kollegen ist uns kein Corona-Fall bekannt. Das hätten wir auch über die Gesundheitsämter erfahren." Kunden wurden für die Untersuchung nicht befragt. Die Bahn begründet das damit, dass sich Zugbegleiter deutlich länger im Zug aufhielten.

Klimaanlagen Teil der Lösung - kein Problem

Auch mit dem Robert Koch-Institut habe man sich ausgetauscht, so Huber. "Demnach ist Bahnfahren kein Corona-Treiber. Vielmehr sind familiäre Kontakte entscheidend." Die Bahn sieht er gut aufgestellt. Es gebe ein durchdachtes Hygienekonzept, die Maskenpflicht werde konsequent durchgesetzt.

Die Klimaanlagen in Zügen sieht Berthold Huber nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung. "Sie bieten zwei Eigenschaften: Sie ziehen die Luft von oben nach unten. Aerosole werden also schnell auf den Boden gezogen", so der Vorstand für Personenverkehr. Außerdem sorge die Klimaanlage dafür, dass alle sieben Minuten in einem Wagen die komplette Luft ausgetauscht werde.

Der Forderung nach einer Reservierungspflicht in Zügen erteilte Huber erneut eine Absage. Die Folge wäre, dass Tausende Pendler auf den Nahverkehr ausweichen und dort neue Übertragungsrisiken auslösen würden. Bis Jahresende wolle man 13.000 weitere Sitzplätze in den Markt stellen und so mehr Platz in den Zügen schaffen.

Billigpreis-Offensive trotz Corona

Erst vor wenigen Tagen hatte die Bahn eine Billigpreisoffensive für junge Fahrgäste vorgestellt. Demnach können Fahrgäste bis 26 Jahre im ICE schon für 12,90 Euro fahren, mit BahnCard sogar unter zehn Euro.

Auf die Frage, wie sinnvoll es sei, Züge zu Corona-Zeiten wieder mit Billigangeboten aufzufüllen, antwortet Huber, dass man keine Gruppen vom Bahnfahren ausschließen wolle. "Die Tickets sind aber begrenzt. Sie gibt es nur auf den am niedrigsten ausgelasteten Zügen."

Weitere Studien geplant

Die Bahn will ihre Forschungen weiter fortsetzen. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wolle man untersuchen, wie sich Aerosole in einem Zug bewegen.

Im Oktober und Februar soll es weitere Testungen der Mitarbeiter geben - unter den neuen Rahmenbedingungen im Herbst und Winter. Erst dann kann man wohl zuverlässig sagen, wie groß die Ansteckungsgefahr im Zug wirklich ist. Die Bahn selbst sieht sich aber gut aufgestellt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. September 2020 um 11:45 Uhr.