Logo Deutsche Bahn | Bildquelle: dpa

Fragwürdige Beraterverträge Bahn zieht erste Konsequenzen

Stand: 10.06.2019 16:01 Uhr

Im Zusammenhang mit auffälligen Beraterverträgen hat die Bahn erste Konsequenzen gezogen. Ex-Vorstände dürfen nur noch gegen Geld beraten, wenn der Aufsichtsrat dies zuvor genehmigt hat.

Nach möglichen Ungereimtheiten bei Beraterverträgen hat die Deutsche Bahn erste Konsequenzen gezogen. Demnach dürfen frühere Konzernvorstände die Bahn nur noch gegen Geld beraten, wenn der Aufsichtsrat das vorher genehmigt, berichtete die "Bild am Sonntag". Inzwischen wurde dies aus Konzernkreisen bestätigt. Eine Sondersitzung des Aufsichtsrats dazu ist für nächsten Donnerstag geplant.

Die Bahn prüft derzeit Beraterverträge mit früheren Managern aus der Zeit von 2010 bis 2018. Dabei geht es auch um ehemalige Konzernvorstände, wie der Staatskonzern vor Pfingsten mitgeteilt hatte. Namen nannte das Unternehmen nicht.

Bahn kündigt vollständige Aufklärung an

Im Kern dreht es sich nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen vor allem um Beraterverträge mit einem früheren Vorstandsmitglied. Der Manager habe nach seinem Ausscheiden eine Millionenabfindung erhalten, anschließend aber noch eine höhere sechsstellige Summe für Beratungsleistungen bekommen. "Ich werde gemeinsam mit dem gesamten Aufsichtsrat dafür sorgen, dass der Sachverhalt ohne Ansehen der Personen vollständig aufgeklärt wird", kündigte Michael Odenwald als Vorsitzender des Kontrollgremiums an.

Laut Deutscher Bahn fielen die Unregelmäßigkeiten der internen Revision auf. Vorstand und Aufsichtsrat hätten daraufhin reagiert und eine externe Kanzlei mit der Prüfung beauftragt. Diese habe einen ersten Zwischenbericht vorgelegt. Dazu seien nun weitere externe Ermittler eingeschaltet. Mittlerweile schaltete sich auch der Bundesrechnungshof ein: "Wir haben Kenntnis, dass es Beraterverträge mit ehemaligen Vorständen gibt, und sind in dem Bereich prüferisch tätig", sagte ein Sprecher.

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, hat einen Brandbrief an seine Führungskräfte geschrieben. | Bildquelle: dpa
galerie

Die Berateraffäre könnte auch Bahnchef Lutz in Erklärungsnot bringen.

Amtszeit von Rüdiger Grube

Der Zeitraum der Vorgänge fällt größtenteils in die Amtszeit von Rüdiger Grube als Vorstandschef. Dieser leitete den Konzern von Mitte 2009 bis Anfang 2017. Danach übernahm Richard Lutz den Chefposten. Seit 2010 war Lutz Finanzvorstand, er ist also nicht unbelastet.

Die Bahn stand in der Vergangenheit bereits häufiger wegen hoher Kosten für Beraterverträge in der Kritik. Medienberichten zufolge zahlte der Staatskonzern zwischen 2015 und 2018 mehr als 500 Millionen Euro an Beratungsfirmen. Der Konzernvorstand hatte den Berichten zufolge deshalb für dieses Jahr eine Deckelung der Beraterkosten beschlossen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Juni 2019 um 16:03 Uhr.

Darstellung: