Alexander Doll, Mitglied des Vorstands der Deutsche Bahn AG | Bildquelle: dpa

Bahn-Vorstand Doll muss gehen Ende eines Machtkampfs

Stand: 18.11.2019 18:10 Uhr

Eigentlich galt Finanzvorstand Doll als Reformer und Hoffnungsträger im Bahn-Vorstand. Doch nun stimmte nach dem Vorstand auch der Aufsichtsrat für Dolls Ausscheiden. Dort hatte er bis zum Schluss auch Unterstützer.

Der Machtkampf im Bahn-Vorstand ist vorerst beendet, der Verlierer heißt Alexander Doll. Nach dem Vorstand stimmte heute auch der Aufsichtsrat für Dolls Ausscheiden aus dem Konzern, nachdem dieser am Freitag einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hatte. Die Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat enthielten sich allerdings demonstrativ.

Doll galt eigentlich als Reformer und Erneuerer, seit er vor nur eineinhalb Jahren zur Bahn gekommen war. Schnell habe er das Vertrauen der Mitarbeiter gewonnen und erste Schritte für eine Neuausrichtung der Güterverkehrssparte eingeleitet, sagte Aufsichtsratschef Michael Odenwald. "Wir bedauern sein Ausscheiden und haben hohen Respekt vor seiner Entscheidung."

Gescheiterter Arriva-Verkauf

Zum Verhängnis wurde Doll der geplante, mittlerweile auf Eis gelegte Verkauf der Bahn-Tochter Arriva, das Bahnen und Busse in ganz Europa, vor allem aber in Großbritannien betreibt. Vier Milliarden Euro sollte der Arriva-Verkauf der Bahn in die Kassen spülen - dachte man. Denn zunächst wurde klar, dass dabei Schulden und Pensionslasten wohl nicht vollständig berücksichtigt waren, dann sorgte das Brexit-Chaos für zusätzliche Probleme. Am Ende war nicht klar, ob man überhaupt nennenswert etwas verdienen konnte an der Bahn-Tochter.

Ein grün-gelber Arriva-Zug rollt auf Gleisen in Großbritannien. | Bildquelle: dpa
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Ein Arriva-Zug in Großbritannien

Über die Frage, wer daran die Schuld trug, zertritt sich der Vorstand. Finanzvorstand Doll hatte mächtige Gegner: Bahnchef Richard Lutz wollte ihn wohl ebenso weg haben wie Co-Vorstand Ronald Pofalla. Die Arriva-Probleme kamen für sie wie gerufen. Und als sie dann auch noch Verkehrsminister Andreas Scheuer auf ihrer Seite hatten, waren Dolls Tage auf dem Posten gezählt - schließlich vertrat Scheuer den Eigentümer der Bahn, den Bund. Scheuers Plan, Doll sofort zu feuern, scheiterte jedoch vor zehn Tagen.

Doll verteidigte sich: Er habe die Probleme mit Arriva immer transparent gemacht. Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, erklärte noch vor zwei Wochen, die Arriva-Interessenten hätten "alle notwendigen Unterlagen und Dokumente" fristgerecht erhalten. Die Entscheidung über das Unternehmen mit Sitz in England verzögere sich "aufgrund des aktuell schwierigen Marktumfeldes und der politischen Situation im Vereinigten Königreich". Ferlemann bezog sich in seiner Antwort auf eine FDP-Anfrage auf Konzernangaben.

Arbeitnehmer fordern Aufklärung

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat fordern nun eine Überprüfung der Vorgänge. "Der Vorstand und Eigentümer sind hier in der Pflicht, umfassend für Transparenz zu sorgen", sagte der neue Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Torsten Westphal, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Erst dann kann es im Aufsichtsrat darum gehen, weitere Personalentscheidungen zu treffen."

Und Alexander Doll? Der deutete ein Zerwürfnis im Vorstand zumindest an: "Nur wenn alle Beteiligten im gegenseitigen Vertrauen und mit einem gemeinsamen Verständnis an einem Strang ziehen, kann die Bahn ein besseres Unternehmen werden", erklärte er. Aufgrund von unterschiedlichen Auffassungen zur weiteren strategischen Entwicklung und Führung habe er das Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen verlassen.In Aufsichtsratskreisen hieß es, Dolls eigentlich bis März 2021 laufender Vertrag werde ausbezahlt. Es soll sich um einen einstelligen Millionenbetrag handeln.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. November 2019 um 17:00 Uhr in der Wirtschaft.

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