Bahnreisende in Berlin | Bildquelle: dpa

Maßnahmen-Paket der Bahn Große Probleme, gedämpfte Erwartungen

Stand: 16.03.2019 11:31 Uhr

Mehr Personal, besserer Service und neues Management - dadurch will die Bahn pünktlicher werden. Nach einem Spitzentreffen mit der Bahnspitze warnt Verkehrsminister Scheuer vor zu hohen Erwartungen.

Die Deutsche Bahn will mit einem Maßnahmenpaket die Pünktlichkeit ihrer Züge und den Service verbessern. Das sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Berlin nach einem erneuten Treffen mit der Bahn-Spitze. Auf besonders stark befahrenen Strecken sollen Engpässe, die sich auf das gesamte Netz auswirken, durch ein besseres Management verringert werden.

Mehr Personal

In diesem Jahr sollen insgesamt 22.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden - 9000 mehr als zuvor geplant. Vor allem Lokführer, Fahrdienstleister und Instandhalter werden beschäftigt, bekräftigte der Konzern. Scheuer sprach von einer "Jobmaschine": Die Bahn wolle dadurch "nicht nur den Ausgleich durch die Demografie" hinbekommen, sondern auch als "attraktiver Arbeitgeber" besser werden.

Kunden besser informieren

Das Störungsmanagement soll verbessert und neue Fahrzeuge angeschafft werden. Die Bahn will die Kunden künftig besser über Verspätungen, Gleiswechsel oder die Wagenreihung ihrer Züge informieren. Auch das Erscheinungsbild von Bahnhöfen soll verbessert werden, um den Komfort für die Reisenden zu erhöhen.

Zudem sollen fünf Prozent mehr ICE-Züge - täglich mindestens 225 - einsatzbereit sein. Die Bahn will auch die Mitarbeiter-Teams verdoppeln, die sich um die pünktliche Abfahrt von Zügen kümmern. Konzentrieren will sich die Bahn zudem auf Verbesserungen in Engpass-Regionen etwa um Hamburg, Würzburg und Mannheim.

Drei ICE Fernzüge im Hauptbahnhof Leipzig | Bildquelle: dpa
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Vom selbst gesetzten Pünktlichkeitsziel im Fernverkehr ist die Bahn derzeit weit entfernt.

Scheuer zeigte sich zufrieden über das vorgelegte Paket. Er hatte nach einem ersten Treffen mit der Bahn gesagt, für Bahnkunden solle es bis zum Sommer spürbare Verbesserungen geben.

Finanzierung ist noch unklar

Offen ist nach wie vor, wie die zusätzlichen Investitionen finanziert werden sollen. Für Personal, Fahrzeuge und das Schienennetz fehlen dem Staatskonzern nach dessen Berechnungen bis 2023 gut elf Milliarden Euro. Die Finanzierung sei noch nicht besprochen worden, sagte Scheuer. Das Thema stehe beim nächsten Treffen, am 30. Januar, auf der Agenda.

Andreas Scheuer und Richard Lutz | Bildquelle: imago/Christian Thiel
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Bundesverkehrsminister Scheuer und Bahnchef Lutz trafen sich zum zweiten Mal.

Bahnchef Richard Lutz erwägt den Verkauf der internationalen Nahverkehrstochter Arriva, um einen Teil der Lücke zu schließen. Dies ist jedoch in Politik und Aufsichtsrat der Bahn umstritten.

Im vergangenen Jahr war jeder vierte Fernzug der Bahn zu spät - wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen.

Gedämpfte Erwartungen

Scheuer dämpfte aber nach dem Treffen die Erwartungen. Die Pünktlichkeit der Züge könne nicht so schnell von 75 auf 95 Prozent gesteigert werden. Das Ziel, die Verspätungen auf unter ein Fünftel zu drücken, will der Konzern erst 2025 erreichen.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn hatte schon vorab vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Schnelle Lösungen könnten nicht gefunden werden, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der Deutschen Presse-Agentur. Das meiste sei nur langfristig zu machen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Januar 2019 um 11:00 Uhr.

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