Ein Bäcker legt in der Backstube Baguettes aus dem Ofen auf ein Brett.  | Bildquelle: dpa

Abstimmung im Bundesrat Brötchen vom "Bachelor Professional"?

Stand: 29.11.2019 01:41 Uhr

Der Bundesrat entscheidet heute über die neuen Berufsbezeichnungen "Bachelor Professional" und "Master Professional". Bildungsministerin Karliczek will so Ausbildungsberufe aufwerten. Doch es gibt Protest.

Von Nadine Bader, ARD-Hauptstadtstudio

Ein Bäcker- oder Elektromeister soll sich künftig auch "Bachelor Professional" nennen dürfen, ein Betriebswirt "Master Professional". So will es Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Die CDU-Politikerin will berufliche Bildung dadurch attraktiver machen und zeigen, "dass man daraus auch eine Karriere aufbauen kann, die einem auch sehr gute finanzielle Möglichkeiten einräumt."

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek | Bildquelle: dpa
galerie

Bildungsministerin Karliczek will die Berufsausbildung attraktiver machen.

Irreführende Bezeichnungen?

Die Ministerin will außerdem, dass berufliche Abschlussbezeichnungen international vergleichbar werden. Und aus Sicht Karliczeks verdeutlichen die geplanten neuen Titel, dass berufliche Bildung und ein Studium gleichwertig sind. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Peter-André Alt entgegnet: Gleichwertig ja, aber nicht identisch. Sein Urteil über die geplanten Abschlussbezeichnungen: "Sie sind irreführend." Der Professor befürchtet: Durch die von der Bundesbildungsministerin geplanten Titel für Berufsabschlüsse könnte es zu Verwechslungen mit akademischen Abschlüssen kommen.

Das sehen die Kultus- und Wissenschaftsminister der Länder genauso. Sie haben dem Bundesrat empfohlen, den Vermittlungsausschuss anzurufen, um die von der Bundesbildungsministerin geplanten neuen Titel zu stoppen. Organisiert wird der Protest vor allem von der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann. Die CDU-Politikerin sagt, sie lehne es ab, die bewährten Abschlüsse durch "englische Wortkreationen beliebig und verwechselbar zu machen".

Auch Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer von den Grünen sieht die Bezeichnungen kritisch. Sie sagt, die Bezeichnungen würden die berufliche Ausbildung nicht als eigenständige Marke stärken, sondern sie schwächen. Weil Titel vergeben würden, "die so tun, als ob es akademische Ausbildungen werden".

Eine Hand feilt an einem Werkstück. | Bildquelle: dpa
galerie

515 Euro sollen Auszubildende künftig mindestens brutto verdienen

Zusatz "Professional" soll Verwechslungen verhindern

Kritik kam zuletzt auch aus Bayern, sowohl vom bayerischen Wissenschafts- als auch vom Kultusministerium. Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern sagt, er halte nichts von den neuen Berufsbezeichnungen, "weil wir gute Berufsbezeichnungen haben, insbesondere den Meister, der weltweit bekannt ist. Hier andere Begriffe zu nehmen, macht wenig Sinn. Man kann sie auch leicht mit anderen Abschlüssen verwechseln."

Ein Vorwurf, den die Bundesbildungsministerin zurückweist. Karliczek sagt, der Zusatz "professional", also beruflich, verhindere Verwechslungen mit Hochschulabschlüssen. Ihr sei wichtig, "dass die Unterscheidbarkeit bleibt, dass man weiß, das ist eine berufliche Qualifikation, eine berufliche Weiterbildung".

Rückendeckung bekommt die Ministerin vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag und vom Zentralverband des Handwerks. Die Gewerkschaften sehen die neuen Berufsbezeichnungen zwar kritisch, der DGB spricht aber von einem "tragfähigen Kompromiss", weil die bestehenden Titel neben den neuen erhalten bleiben sollen. Mit diesem Argument wirbt auch die Bundesbildungsministerin um Zustimmung. Karliczek betont: "Der Meister bleibt der Meister. Und dann kriegt er eine Zusatzbezeichnung, um international die Gleichwertigkeit mit anderen Abschlüssen auch sichtbar zu machen."

Mindestvergütung von 515 Euro

Neben den neuen Berufsbezeichnungen enthält Karliczeks Gesetzentwurf auch die Mindestausbildungsvergütung. Ab 2020 soll sie kommen. Jeder Auszubildende soll im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro erhalten. Das findet auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Bauer gut. Und weil beide Punkte - die neuen Berufsbezeichnungen und die Mindestausbildungsvergütung - verknüpft werden, wagt die Wissenschaftsministerin keine Prognose, wie die Länder im Bundesrat abstimmen werden: "Dieses Koppelgeschäft macht die Entscheidung am Ende so schwierig."

Auch wenn die Kultus- und Wissenschaftsminister der Länder die neuen Berufsbezeichnungen nicht gut finden, die Wirtschafts- und Arbeitsminister der Bundesländer unterstützen Karliczek. Es könnte also sein, dass der Bundesrat den neuen Bezeichnungen doch zustimmt und ein Bäcker- oder Elektromeister sich künftig auch "Bachelor Professional" nennen darf.

Bundesrat - Kommt der "Bachelor Professional"?
Nadine Bader, ARD Berlin
29.11.2019 00:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. November 2019 um 06:45 Uhr.

Korrespondentin

Nadine Bader | Bildquelle: BR Logo BR

Nadine Bader, BR

Darstellung: