Mathias Döpfner und Friede Springer | picture alliance / Soeren Stache / dpa

Medienkonzern Axel Springer Mit Döpfner an die Weltspitze?

Stand: 26.11.2020 06:35 Uhr

Mit Hilfe des Finanzinvestors KKR will der Medienkonzern hinter der "Bild"-Zeitung zum Weltmarktführer im digitalen Geschäft aufsteigen. Wohin steuert Springer unter seinem Großaktionär Mathias Döpfner?

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

"Springer ist jetzt Döpfner", schrieb die Deutsche Presse-Agentur im September, als bekannt wurde, dass die Verleger-Witwe Friede Springer dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden des Medienhauses, Mathias Döpfner, ein Aktienpaket im Wert von einer Milliarde Euro geschenkt hat.

Tatsächlich ist der 57-jährige Medienmanager damit zum Großaktionär der Axel Springer SE aufgestiegen, hat sich doch mit der Schenkung von 15 Prozent der Papiere sein Anteil von bisher knapp drei Prozent auf insgesamt rund 22 Prozent erhöht.

"Würdiger Nachfolger"

Und auch Friede Springer scheint mit Döpfner einen würdigen Nachfolger für ihren 1985 verstorbenen Mann Axel Cäsar Springer gefunden zu haben. Die Zukunft des Hauses sei ihr ein Leben lang sehr wichtig gewesen, sagte sie.

"Ich habe immer gesagt, dass ich für Kontinuität im Unternehmen sorgen werde." Nun habe sie eine "ideale Lösung gefunden, um die Zukunft von Axel Springer und die meiner Stiftung abzusichern und beide Sphären wie bisher voneinander zu trennen", so Friede Springer.

Ungewöhnliche Geste

Dennoch ist es eine höchst ungewöhnliche Geste, dass die Mehrheitsaktionärin eines börsennotierten Unternehmens ihrem Vorstand, der nicht zur Familie gehört, ein derart wertvolles Aktienpaket schenkt. Unbestritten ist, dass Döpfner aus dem einstigen Zeitungsverlag mit seinen Flaggschiffen "Bild" und "Welt" einen heute überwiegend im digitalen Bereich agierenden Medienkonzern geschmiedet hat. Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz auf 3,1 Milliarden Euro, der Gewinn lag bei 263,7 Millionen Euro.

Döpfner arbeitet seit 1998 bei Springer, zunächst als Chefredakteur der "Welt". Zwei Jahre später wurde er zum Vorstand ernannt, 2002 übernahm er den Vorstandsvorsitz. Seitdem hat er den Konzern so radikal umgebaut, dass heute knapp Dreiviertel des Umsatzes aus dem digitalen Geschäft kommen. Die zahlreichen Regionalzeitungen und Zeitschriften wurden dagegen abgestoßen.

Dabei musste Springer auch Niederlagen einstecken. So entpuppte sich die Übernahme des Postdienstleisters Pin Group als ein Fiasko, weil Springer den Zustellern den gesetzlichen Mindestlohn zahlen musste und damit seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Post einbüßte.

Weltmarktführer für digitalen Journalismus

Ziel von Springer ist es, Weltmarktführer für digitalen Journalismus und Anzeigen zu werden. Und genau dafür hat Springer im vergangenen Jahr den Hedgefonds KKR ins Haus geholt. Mit knapp 48 Prozent ist die "Heuschrecke" der größte Aktionär des Berliner Medienhauses. Um den erwarteten Umbau des Konzerns ohne den Druck von Aktionären zu vollziehen, ist Axel Springer seit April aus der Dax-Familie ausgeschieden. Aktionäre, die ihre Papiere bislang nicht verkauft haben, sollen eine Barabfindung erhalten, was als Squeeze-out bezeichnet wird.

Für Gabriel Mohr, Medienexperte des Beratungshauses Arthur D. Little, hat Springer bisher alles richtig gemacht. Andere Medienhäuser hätten den Fehler begangen, zu lange an der gedruckten Zeitung festzuhalten, und nicht die Notwendigkeit erkannt, ihren Lesern auch ein digitales Angebot zu machen.

Wird der Konzern aufgespalten?

Dennoch stelle sich die Frage, wie Medienhäuser, besonders der Springer-Konzern, künftig aussehen werden, so der Experte. Denn Döpfner plane eine strategische Umorientierung, über dessen Richtung keine Klarheit herrsche. Spekulationen über eine Aufspaltung des Konzerns in einen publizistischen Bereich und einen Anzeigenbereich, der von KKR geführt wird, hat Döpfner eine Absage erteilt. Er sprach von einem "fundamentalen Missverständnis".

Doch wie glaubwürdig ist diese Aussage? Tatsächlich hat Springer nach dem Einstieg von KKR damit begonnen, im journalistischen Bereich Stellen abzubauen. Der deutsche Journalisten-Verband DJV sprach von 150 Stellen, die bei "Bild" und "Welt" wegfallen sollen. Bestätigt hat der Konzern das nicht. Springer kündigte lediglich an, bei seinen deutschen Nachrichtenmedien 50 Millionen Euro einsparen zu wollen.

Gemeinsamer Newsroom

Zugleich verkündete der Konzern, bis 2022 mehr als 100 Millionen Euro in Video- und TV-Projekte bei "Bild" und "Welt" zu investieren. "Bild" soll zu einer Live-Plattform für News, Entertainment und Sport ausgebaut werden. Bei der "Welt" sind immer mehr Inhalte hinter der Bezahlschranke verborgen.

Um Fernsehen, Internet und Print noch enger miteinander zu verzahnen (Stichwort Crossmedialität) haben die Redaktionen einen gemeinsamen Newsroom im spektakulären Neubau des Konzerns bezogen, der im vergangenen Monat eingeweiht wurde. Ob all diese Maßnahmen - darunter die bereits letztes Jahr verkündete Fusion zwischen "Bild" und "Bild am Sonntag" - ausreichen, um einen ökonomischem Turnaround der Publizistik-Sparte zu ermöglichen, ist ungewiss.

"Möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit rausholen"

So bleibt die Frage unbeantwortet, wie das publizistische Angebot die Erwartungen eines Hedgefonds erfüllen kann. Denn renditegetriebenen Investoren wie KKR widerstrebe es, dass die digital erwirtschafteten Gewinne als unternehmensinterne Quersubventionierung für die Verluste der Publizistik herangezogen würden, erläutert Josef Trappel, Professor für Medienökonomie und Medienpolitik an der Universität Salzburg.

Zudem hat das achtjährige Engagement bei ProSiebenSat.1 gezeigt, worauf es KKR ankam: "Möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit rausholen: Das war die einzige und kurzfristig gedachte Strategie der Finanzinvestoren", sagte ein ehemaliger Manager des Konzerns gegenüber der "Zeit".

Unvermeidliche Zukäufe

Wie kann also der Wert des Unternehmens in den kommenden Jahren deutlich gesteigert werden? Experten vermuten, dass Springer neben den bereits bekannten Sparprogrammen versuchen werde, digitale Angebote hinzuzukaufen und diesen Teil des Unternehmens dann an die Börse zu bringen.

Doch hat gerade das Beispiel Ebay gezeigt, wie schwierig gerade größere Zukäufe inzwischen geworden sind. Im Übernahme-Poker um das Kleinanzeigen-Geschäft des US-Onlineriesen zogen die Berliner im Sommer den Kürzeren. Das Interesse von Springer an dem Ebay-Portal zeigt aber wohin die Reise hingehen soll.

Döpfner selber sagte einst von sich: "Axel Springer ist mein Leben. Ich wollte immer den unruhigen Schlaf des Unternehmers und nie nur Manager sein." Diese Zeit ist nun gekommen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 26. November 2020 um 07:41 Uhr.