Schriftzug Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia. | Bildquelle: AFP

Straßenverkehr in Italien Geheimverträge mit Autobahnbetreiber

Stand: 29.08.2018 17:53 Uhr

Seit dem Brückeneinsturz von Genua steht der Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia unter Druck. Nun tauchen Verträge auf, die zeigen: Statt zu reinvestieren, sicherte er sich satte Gewinne.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Die Veröffentlichung bisher geheimer Dokumente dürfte den Druck auf den Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia noch erhöhen. Denn die über 200 Seiten haben es in sich: Darin werden dem privaten Unternehmen satte Gewinne genehmigt.

Mehr als zehn Prozent Rendite auf das investierte Kapital - nach Abzug der Steuern immer noch fast sieben Prozent - darf der Autobahnbetreiber demnach einstecken. Mehr als 2,7 Milliarden Euro kassierte der Mutterkonzern Atlantia allein 2016 auf seinen rund 3000 Autobahnkilometern. Davon muss er laut Vertrag nur 2,4 Prozent im Jahr dem Staat abgeben.

Kaum Geld für den Unterhalt der Straßen

Und offenbar sollten die Autobahngebühren in Italien, die ohnehin schon die höchsten in Europa sind, kräftig ansteigen - allein zwischen 2013 und 2028 um 25 Prozent. Auch das steht in den bisher geheimen Vereinbarungen mit dem italienischen Staat, die das Unternehmen jetzt auf Druck der Regierung veröffentlicht hat.

Die eingestürzte Brücke in Genua | Bildquelle: dpa
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Mitte August war in Genua eine von Autostrade de l'Italia betriebene Autobahnbrücke eingestürzt. 43 Menschen starben bei dem Unglück, die italienische Regierung gibt dem Betreiber die Schuld.

Für den Unterhalt seiner Straßen, Brücken und Tunnel hat man im letzten Jahr nur 319 Millionen Euro ausgegeben - und möglicherweise auch zu wenig für den Unterhalt der eingestürzten Morandi-Brücke in Genua aufgewandt.

Auch das staatliche Unternehmen ANAS reinvestiert wenig

Experten kritisieren, dass die privaten Autobahnbetreiber in Italien privilegiert werden. Die aktuelle Regierung will das ändern: Die Fünf-Sterne-Bewegung, die größte Regierungspartei, denkt offen über eine Verstaatlichung sämtlicher Autobahnen in Italien nach.

Doch ob das etwas ändert, darf bezweifelt werden. Denn viele der rund 1000 Kilometer, die das staatliche Unternehmen ANAS betreibt, sind in einem schlechten Zustand. ANAS hat zum Beispiel im letzten Jahr deutlich weniger Geld in den Unterhalt seiner Strecken investiert als Autostrade per l’Italia.

Ärger um "Geheimverträge" mit Autobahnbetreiber
Jan-Christoph, ARD Rom
29.08.2018 17:24 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 29. August 2018 B5 aktuell um 18:38 Uhr und MDR aktuell um 19:38 Uhr.

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