Ein Mitarbeiter von Porsche arbeitet mit Mundschutz in der Montage | dpa

Chipmangel und steigende Preise Verrückte Zeiten auf dem Automarkt

Stand: 29.09.2021 16:26 Uhr

Die Verwerfungen auf dem Automarkt werden im größer. Die Materialknappheit nimmt zu, die Kurzarbeit wird ausgeweitet. Außerdem steigen die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen.

Die Autoindustrie sendet immer neue Hiobsbotschaften. Volkswagen verlängert die Kurzarbeit in Wolfsburg, Material wird immer knapper und Autos werden teurer - egal, ob Neu- und Gebrauchtwagen.

Eigentlich hatte die Kurzarbeit bei VW Ende dieser Woche auslaufen sollen. Doch nun Kurzarbeit den Großteil der ersten Oktoberhälfte bestimmen, teilte der Wolfsburger Autobauer mit. Nur am kommenden Freitag soll eine Golf-Montagelinie in der Frühschicht laufen. In den dann folgenden zwei Wochen soll es voraussichtlich "komplett Kurzarbeit" geben.

Materialmangel bremst wirtschaftliche Erholung aus

Grund ist wieder einmal die Chipknappheit. Zu Beginn der Pandemie hatte die Branche weltweit ihre Produktion - teilweise auch gezwungenermaßen - stark zurückgefahren und dabei offenbar vorschnell Verträge mit Chipproduzenten gekündigt. Nun fehlen vielerorts dringend benötigte Teile, so dass Fahrzeuge entweder gar nicht oder nur unvollständig auf Halde produziert werden können.

Wie stark die Materialknappheit inzwischen die Industrie und speziell die Autobranche bremst, zeigt die monatliche Konjunkturumfrage des ifo-Instituts. Demnach hat sich der akute Materialmangel in der deutschen Industrie nochmals verschärft und ist nun so groß wie nie zuvor.

Von den befragten Industrieunternehmen berichteten 77 Prozent über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen. Der bisherige Rekordwert vom August mit 69 Prozent wurde damit übertroffen. "Der Flaschenhals auf der Beschaffungsseite wird immer enger", konstatierte ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Es sind viele Aufträge da, Unternehmen können diese gegenwärtig aber nicht produzieren."

Fast alle Autounternehmen betroffen

Am stärksten ist die Autoindustrie betroffen. Mit 97 Prozent berichteten nahezu alle Unternehmen von Problemen. Als Folge wollen immer mehr Unternehmen ihre Preise erhöhen.

Am Neu- und Gebrauchtwagenmarkt sind Preiserhöhungen bereits Realität. Weil weniger Autos produziert werden und auf den Markt kommen, gibt es auch weniger Rabatt. Das hat Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer ermittelt. Ein typischer Neuwagen sei im August und September für den Verbraucher um insgesamt 360 Euro teurer geworden.

Für die Berechnung des aktuellen Preisanstiegs geht Dudenhöffer von einem Neuwagen mit einem durchschnittlichen Preis von 36.500 Euro aus. In die Berechnung fließen auch staatliche Förderungen, Eigenzulassungen des Autohandels sowie die Preise und Angebotsdichte bei Auto-Abos mit ein.

Keine Trendwende in Sicht

Der Experte erwartet, dass die aktuelle Entwicklung anhält. "Auch in den nächsten Monaten müssen Neuwagenkäufer mit sinkenden Rabatten rechnen", kommentierte Dudenhöffer. Hintergrund sei auch hier der anhaltende Halbleitermangel, der bis Mitte nächsten Jahres die Zahl der auf den Markt kommenden Autos beschränken werde.

Noch stärker ziehen die Preise von Gebrauchtwagen an. Im Juli und August wurden typische dreijährige Gebrauchte rund zweieinhalb Prozent teurer, wie aus Zahlen des Marktbeobachters Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hervorgeht. Neuere Daten liegen noch nicht vor, aber man geht von einem weiteren Anstieg aus. "Der Gebrauchtwagenmarkt erlebt derzeit einen Höhenflug bei den Preisen", berichtete ein DAT-Sprecher.

Durch die Lieferengpässe steigen viele Neuwagen-Interessenten auf einen jungen Gebrauchten um - und treffen teils auf einen leer gekauften Markt. "Junge Gebrauchte sind häufig Mangelware, da wegen der Pandemie weniger Neuwagen gebaut und zugelassen wurden", heißt es bei der DAT. Vor allem fehlten momentan ehemalige Firmenwagen und Mietwagen und Kurzzeitzulassungen von Händlern und Herstellern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. September 2021 um 15:40 Uhr.