In der Volkswagen Sachsen GmbH in Zwickau/Mosel werden VW Golf montiert (Archivfoto vom 9.10.2008). Nachdem sich in Sachsen in den vergangenen Jahren Autobauer wie VW, Porsche oder BMW mit tausenden neuen Arbeitsplätzen angesiedelt haben, fragt man sich angesichts der weltweiten Krise der Automobilbranche, welche Auswirkungen dies auf die Perspektiven im "Autoland Sachsen" haben könnte.

Fragen und Antworten Die Krise der Autoindustrie

Stand: 26.05.2009 11:31 Uhr

Ende 2008 und in den ersten Monaten 2009 brachen die Absatzzahlen der Autokonzerne auf vielen wichtigen Märkten ein. Weil jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland an der Autoindustrie hängt, stand die Frage nach staatlichen Hilfen für die Branche im Mittelpunkt der Debatte um die Konjunkturförderung. Aber wie konnte es überhaupt zu dieser Krise kommen? tagesschau.de hat Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wie kam es zu dieser Krise?

Schon vorher waren Verbraucher verunsichert und fragten sich, welche Autos sie kaufen sollten. Diesel, Benzin, Hybrid? Ungeklärte Fragen bei der CO2-Besteuerung haben Verbraucher eher vom Kauf abgehalten, meinen Fachleute. Zunehmende Verkehrsstaus und hohe Kraftstoffpreise taten ihr Übriges.

Auch Automobilexperte Willi Diez glaubt, dass die Finanzkrise nur eine Entwicklung verstärkt habe, die schon länger abzusehen war. "Wir hatten zu Jahresbeginn einen dramatischen Anstieg der Öl- und Kraftstoffpreise. Die Hersteller haben diese Entwicklung unterschätzt – zumindest was ihr Angebot an Fahrzeugen angeht", so der Professor am Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen-Geislingen. Auch die Politik habe einiges verschlafen. "Die CO2-Besteuerung wurde ewig hinausgeschoben, dabei sind selbst die Hersteller dafür", kritisiert der Experte.

Mit Beginn der Krise sank dann die Nachfrage: Den Konsumenten fehlt das Geld für den Kauf neuer Wagen. Den Herstellern fehlen die Mittel für Investitionen. Für sie ist es aufgrund der Finanzkrise besonders schwer, an günstige Kredite zu kommen.

Welche Bedeutung hat die Krise für den Arbeitsmarkt?

Der Export ist der Motor der deutschen Autoindustrie: Ein großer Teil der deutschen Autos wird im Ausland verkauft. Deshalb gefährdet die Absatzkrise in den USA und in anderen Ländern Europas auch deutsche Arbeitsplätze.

In der Volkswagen Sachsen GmbH in Zwickau/Mosel werden VW Golf montiert (Archivfoto vom 9.10.2008). Nachdem sich in Sachsen in den vergangenen Jahren Autobauer wie VW, Porsche oder BMW mit tausenden neuen Arbeitsplätzen angesiedelt haben, fragt man sich angesichts der weltweiten Krise der Automobilbranche, welche Auswirkungen dies auf die Perspektiven im "Autoland Sachsen" haben könnte.

Immer weniger Neuwagen rollen derzeit vom Band. Der PKW-Absatz in Europa lag im November mit 932.500 Fahrzeugen rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau.

758.000 Menschen arbeiten hierzulande bei Herstellern oder Autozulieferern. Zählt man damit verbundene Dienstleistungen dazu, kommt man auf fünf Millionen Menschen. Das bedeutet: In Deutschland hängt jeder siebte Arbeitsplatz an der Automobilindustrie.

Welche Rolle spielen die Autozulieferer?

Besonders hart getroffen hat es die Autozulieferer, die immerhin zu 75 Prozent an der Fertigung eines Autos beteiligt sind. "Die Autobauer haben Rücklagen, haben Autos in der Warteschleife, die sie verkaufen können", so Wolfgang Lange, Pressesprecher beim Europäischen Zuliefererverband CLEPA in Brüssel. "Aber wenn keine Autos mehr gebaut werden, werden auch keine Teile mehr bestellt". Das bekommen die Zulieferer jetzt sehr stark zu spüren und haben Probleme, ihre Fixkosten zu decken. Viele Mitglieder klagten über Liquiditätsschwierigkeiten: Auftraggeber zahlen nicht, Rechnungen müssen aber beglichen werden. Experten befürchten nach den ersten Insolvenzen mittlerweile eine Pleitewelle der Branche.

Wie reagieren die Autokonzerne auf die Krise?

In der Krise bleibt den großen Autobauern nichts anderes übrig, als ihre Produktion zu drosseln: In vielen Werken stehen die Bänder still. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, greifen die Unternehmen zunächst auf andere arbeitsmarktpolitische Instrumente zurück. Verkürzung der Arbeitszeit, Einführung von Arbeitszeitkonten oder Kurzarbeit helfen dabei, den Rückgang der Nachfrage abzufedern, ohne zwingend Leute zu entlassen. Bei der Kurzarbeit übernimmt der Staat befristet den Verdienstausfall eines Arbeitnehmers. Der Erfolg der Abwrackprämie in Deutschland bewirkte jedoch, dass mehrere Hersteller die Produktion deutlich weniger zurückfuhren als ursprünglich geplant. Gleichzeitig forcieren Autokonzerne die Entwicklung von Hybrid-Fahrzeugen und spritsparenden Modellen, die als zukunftsträchtig gelten.

Wie unterstützt der Staat die Branche?

Im Konjunkturpaket der Bundesregierung sind auch Hilfen für die Autoindustrie vorgesehen. So sollen Neuwagen-Käufer für ein Jahr von der KFZ-Steuer befreit werden. Für besonders schadstoffarme Autos gilt diese Regelung für zwei Jahre. Voraussetzung: Das Auto muss bis Juni 2009 erstmals zugelassen werden. Als wichtigstes Förderinstrument entpuppte sich die Abwrackprämie in Höhe von 2500 Euro, die Neuwagenkäufer erhalten, die ihr mindestens neun Jahre altes bisheriges Auto verschrotten lassen. Wegen der großen Nachfrage stockte die Bundesregierung die dafür im Konjunkturpaket II vorgesehenen 1,5 Milliarden Euro auf fünf Milliarden Euro auf. Als zusätzliche Hilfe denkt die Bundesregierung über eine staatliche Milliardenbürgschaft für den Autobauer Opel nach.

Was kommt in den nächsten Jahren auf die Automobil-Industrie zu?

"2010 und 2011 wird es sicherlich wieder einen Aufschwung geben, allerdings auf einem niedrigen Niveau", vermutet Willi Diez. Für 2009 rechnete die Branche ursprünglich mit einem Tiefpunkt. Die Abwrackprämie führte aber dazu, dass die Hersteller ihre Absatzprognose für den deutschen Markt deutlich angehoben haben.

Zusammengestellt von Manuela Rüther.