Fließband in der Autoindustrie | Bildquelle: dpa

Corona-Konjunkturhilfen Autoindustrie fordert "Neustartprämie"

Stand: 29.04.2020 12:49 Uhr

Die Corona-Krise setzt die deutsche Automobilindustrie unter Druck. Der Branchenverband VDA fordert deshalb eine Kaufprämie - auch für Diesel und Benziner. Der DGB ist gegen eine neue Abwrackprämie.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) fordert eine Kaufprämie für Autos - nicht nur für Elektro- und Hybrid-, sondern auch für Diesel- und Benzinfahrzeuge. Auch moderne Verbrennungsmotoren lieferten einen "erheblichen Beitrag für Umwelt- und Klimaschutz", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller im Deutschlandfunk.

Als Antwort auf die derzeitige Krise brauche die Autoindustrie eine "Neustartprämie". Wegen der Corona-Pandemie hatten zahlreiche Automobilhersteller die Produktion in Deutschland für mehrere Wochen pausiert, inzwischen ist sie an vielen Standorten wieder angelaufen.

VDA verteidigt Dividenden

Die Automobilbranche investiere Milliarden in die E-Mobilität, so Müller. Viele Verbraucher könnten sich aber kein Elektroauto kaufen, etwa weil die Infrastruktur dafür fehle. Deshalb müssten "moderne Verbrenner weiter unterstützt und gefördert werden", sagte die VDA-Präsidentin.

Zugleich wies Müller Forderungen zurück, dass Unternehmen der Autoindustrie in der Krise keine Dividenden zahlen sollen. Dies wäre "sicher nicht der richtige Schritt", sagte sie. Für die Firmen sei auch wichtig, die Aktionäre an Bord zu halten, etwa um sich vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen. Über mögliche Ausschüttungen müsse jedoch "verantwortungsbewusst" entschieden werden, so Müller.

Konferenz der Autoländer

Vor dem heutigen Treffen der Regierungschefs der "Autoländer" Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen forderte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bereits gestern eine massive Unterstützung der Autobranche in der Corona-Krise. Er sei für eine "sehr umfassende Strategie", sagte er.

Die drei Länder, die sich bereits für Kaufprämien eingesetzt haben, verträten ähnliche Ansichten. Söder forderte, die Hilfen in ein Konjunkturprogramm einzubetten und dabei den Klimaschutz zu berücksichtigen.

DGB: Moderne Antriebe als Voraussetzung für Hilfen

Auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, setzt auf mehr Klimaschutz: Mögliche Auto-Kaufprämien will er von modernen Antriebstechnologien abhängig machen. Konjunkturhilfen müssten "intelligent mit den Anforderungen von Klimaschutz und Digitalisierung" verbunden werden, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Für die Automobilindustrie wäre dies beispielsweise eine gezielte Unterstützung von Elektromobilität und Wasserstoff-Antriebssystemen."

Eine Abwrackprämie, wie Käufer sie nach der Finanzkrise 2009 bekamen, lehnt Hoffmann ab. Man sei heute in einer anderen Situation als in der Finanzmarktkrise. Alle Branchen seien von Corona betroffen, nicht nur die Autoindustrie, daher müsse es neben Konjunkturhilfen auch ein "Zukunftsinvestitionsprogramm" geben, das die richtigen Weichen stelle, sagte der DGB-Chef.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. April 2020 um 07:15 Uhr.

Darstellung: