Mitarbeiter von Audi bei der Montage | picture alliance / SvenSimon

Autoindustrie zu Grenzkontrollen Schon am Montag könnten Bänder stillstehen

Stand: 14.02.2021 13:33 Uhr

Die Industrie warnt seit Tagen vor möglichen negativen Folgen verschärfter Einreiseregeln. Die Autoindustrie wird nun sehr konkret: Schon morgen könnten die Bänder in Ingolstadt oder Zwickau stillstehen, weil Lkw-Fahrer nicht über die Grenze kommen.

Die deutsche Autoindustrie befürchtet durch die neuen Kontrollen und die Corona-Testpflicht an mehreren deutschen Außengrenzen erhebliche Lieferprobleme. Eine Folge könnten Produktionsstopps schon ab diesem Montag sein.

Durch die zu erwartenden Probleme an den Grenzübergängen könnte die Automobilfertigung ab Montagmittag größtenteils zum Erliegen kommen, teilte ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) mit. "Die Werke in Ingolstadt, Regensburg, Dingolfing, Zwickau und Leipzig sind als erste betroffen."

Die deutsche Automobilindustrie werde aus der Tschechischen Republik, der Slowakei, aus Rumänien, Ungarn und Norditalien "Just-In-Time" beliefert, also erst bei tatsächlichem Bedarf. "Wenn das Bauteil nicht durchkommt, stehen die Bänder still."

Auch Spediteure warnen

Der VDA fordert, bis zum Aufbau ausreichender Testkapazitäten an den Grenzen, mindestens aber für die nächsten vier Tage, auf eine ärztliche Testbestätigung zu verzichten und ersatzweise Selbstschnelltests für Fahrer zuzulassen. "Wir haben Verständnis für energische Maßnahmen, aber diese neue Testpflicht für Lkw-Fahrer ist so kurzfristig gar nicht umzusetzen", sagte der VDA-Sprecher.

Auch der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) hatte vor einem Abriss von Lieferketten gewarnt. BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt erklärte, sein Verband fordere "schnellstens eine praktikable Teststrategie für den Güterverkehr". Wer negative Corona-Tests vor der Einreise fordere, müsse auch dazu sagen, wo die Fahrer diese Tests machen könnten.

Gefährliche Mutationen

Nach der Ausbreitung neuer, ansteckenderer Virusvarianten hat Deutschland die Regeln für die Einreise aus EU-Staaten erneut verschärft und teilweise Kontrollen an der Grenze angeordnet. Seit Mitternacht dürfen unter anderem aus Tschechien nur noch Deutsche sowie Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland einreisen.

Einreisen nach Deutschland sollen zudem in einigen Ausnahmefällen möglich sein, darunter für "Personal im Gütertransport und sonstiges erforderliches Transportpersonal". Selbst wer unter die Ausnahmen fällt, muss aber einen negativen Corona-Test vorweisen und in Deutschland zunächst in Quarantäne gehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Februar 2021 um 13:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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OrwellAG 14.02.2021 • 15:41 Uhr

Wirtschaft retten oder

Wirtschaft retten oder Krankenhäuser vor Über-Belastung schützen. Beides geht nicht. Man kann vielleicht für eine gewisse zeit zwischen den Stühlen sitzen. Aber nicht lange. Was mich stört ist, dass einige Gruppen von EInschränkungen stärker betroffen sind als andere. "Vor dem Gesetz" sind alle gleich, sagt man. Es wäre überdies längst an der Zeit über eine andere Art der Existenzsicherung nachzudenken. Wir erleben ja einen eklatanten Widerspruch: Man soll leisten aber darf (gerade) nicht. Wie lange will man diesen Widerspruch noch kaschieren?