E-Auto an einer Ladestation | Bildquelle: dpa

"Autogipfel" in Berlin Prämien und Schrottplätze

Stand: 17.11.2020 05:02 Uhr

Beim Spitzentreffen zwischen Kanzlerin Merkel und der Autobranche ist eine erneute Verlängerung der E-Auto-Prämie im Gespräch. Arbeitsplätze retten wird das wohl kaum.

Von Tobias Betz, ARD-Hauptstadtstudio, und Carlo Schindhelm, BR

In Bamberg bekommt der Autozulieferer Bosch die Zukunft nur schleichend zu spüren. Mehr als 7000 Menschen haben einen Job im Bamberger Werk. Der Betriebsratschef Mario Gutmann musste lange für sie kämpfen. Nun gilt eine Standortsicherung für das Werk. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen - bis 2026. Und dann?

Betriebsratschef Gutmann ist alles andere als optimistisch. "Wenn wir das Ganze mal betrachten, dann schaut es nicht gut aus. Kurzarbeit zum Beispiel überdeckt gerade Einiges. Wir schieben eine Welle vor uns her, die uns hart treffen wird." Laufen die staatlichen Hilfen wie Kurzarbeit aus, werde es schwierig, warnt Gutmann. Bamberg ist im Verbund der Bosch-Standorte ein Leitwerk für Dieseltechnologie. Doch der Diesel ist in Verruf gekommen. Dieselbetrug und Klimakiller. Das lässt sich schwer verkaufen, sowohl beim Autohändler als auch in der Politik.

In Berlin kommen am Abend im Kanzleramt Autobranche und Politik zusammen. Sie beraten regelmäßig über Gegenwart und Zukunft der deutschen Schlüsselindustrie. Mittlerweile geht es immer wieder um die Corona-Krise, um Lieferketten, aber vor allem um den Strukturwandel. Beim vergangenen Gipfel stand noch die ferne Zukunft auf der Tagesordnung, Forschung und Entwicklung - Stichwort "Autonomes Fahren". Diesmal geht es um die Gegenwart. Es geht um finanzielle Hilfen, den Ausbau der Ladeinfrastruktur, um eine Abwrackprämie für veraltete Lkw und um eine Verlängerung der Prämie für E-Autos.

Bundesregierung will E-Auto-Prämie bis 2025 verlängern

Gerade die Konzentration auf Elektro-Autos aber hält der Betriebsratschef aus Bamberg für gefährlich. Gutmann erwartet von der Bundesregierung stattdessen, technologieoffen zu sein. "Wenn es am Ende des Tages für die Arbeitsplätze in Deutschland eine Chance geben soll, dann ist Technologieoffenheit für alle Antriebe das Einzige, das uns weiterhilft." Gutmann hat da synthetisch hergestellte Kraftstoffe im Blick, aber vor allem die Brennstoffzelle. Da mache die Bundesregierung viel zu wenig, kritisiert er. Mit Elektromotoren allein könne man keine Beschäftigung aufbauen.

Das Elektro-Auto-Geschäft läuft gut. Die im Sommer schon einmal ausgeweitete Kaufprämie für E-Autos führte im Oktober zu einem Rekord von fast 33.000 Förderanträgen in Deutschland - dreimal so viele wie noch vor einem Jahr. Reine E-Autos zum Beispiel werden nach dem bisherigen Konzept mit bis zu 9000 Euro gefördert. Der Bund übernimmt 6000 Euro, die Hersteller den Rest. Das will die Bundesregierung nun bis 2025 verlängern. Allerdings ist im Gespräch, dass die Hybride da schon bald rausfallen. Denn der Klimaeffekt für Fahrzeuge mit Verbrennungs- und Elektromotor ist umstritten.

Scheuer plant Lkw-Abwrackprämie

Auch eine Art Abwrackprämie für Nutzfahrzeuge soll kommen - diese hatte unter anderem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gefordert. "Wir wollen, dass alte Lkw von der Straße verschwinden und durch moderne ausgetauscht werden", sagt ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Veraltete Brummis kommen also auf den Schrottplatz. Gefördert werden sollen fabrikneue Lkw mit konventionellen Antrieben, die die Anforderungen der aktuellen Abgasstufe Euro 6 erfüllen. Hier geht es um Zuschüsse von bis zu 15.000 Euro pro Lastwagen.

Die Bundesregierung versucht also, Deutschlands wichtigste Industrie irgendwie zu retten und gleichzeitig irgendwie umzustellen. Das eine bedingt das andere.

Autogipfel: Beratungen über Elektromobilität
tagesschau 20:00 Uhr, 17.11.2020, Kirsten Girschick, ARD Berlin

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Arbeitsplätze verschwinden schleichend

Für den Betriebsratschef aus Bamberg sind das alles Maßnahmen ohne langfristige Wirkung. Vor allem die Arbeitsplätze seien in Gefahr. Zwar versuchen die Unternehmen, die Stellen auslaufen zu lassen und nicht nachzubesetzen. So muss kein Chef seine Arbeiter rauswerfen. Aber: "Überall werden Stellen abgebaut, bei Audi, MAN, VW, BMW, Bosch und so weiter. Aber auf Dauer sind diese Arbeitsplätze weg", sagt Gutmann.

Beispiel Audi: Im Ingolstädter Werk will die VW-Tochter 9500 Stellen abbauen, dafür entstehen im Gegenzug 2000 Jobs in Bereichen wie Elektromobilität und Digitalisierung neu. Unterm Strich wird zwar niemand gekündigt. Aber 7500 Stellen sind am Ende weg. Gutmanns Kampf für die Bosch-Arbeiter in Bamberg geht trotz Standort- und Beschäftigungssicherung weiter - jeden Tag aufs Neue.

"Autogipfel": Umweltbonus für Elektro, Abwrackprämien für Lkw
Tobias Betz, ARD Berlin
16.11.2020 21:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. November 2020 um 06:06 Uhr.

Korrespondent

Tobias Betz | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo BR

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