Sarkozy gibt Beihilfen gegen Absatzkrise frei Sechs Milliarden für Renault, Peugeot und Co.

Stand: 09.02.2009 17:58 Uhr

Peugeots stehen in Bremen vor einem Autohaus
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Auch Frankreichs Autobauer leiden unter der Absatzkrise, viele Fahrzeuge - wie diese vor einem Autohaus in Bremen - können nicht verkauft werden.

Trotz Einwänden aus der EU unterstützt Frankreich seine Autobauer mit 6,5 Milliarden Euro. Frankreich stelle für die Hersteller Renault und PSA Peugeot Citroën jeweils drei Milliarden Euro an Krediten bereit, sagte Präsident Nicolas Sarkozy. Eine weitere halbe Milliarde Euro gehe an die inzwischen zu Volvo gehörende Renault-Lastwagensparte.

Hilfe auch für Zulieferer

Der französische Staat verlangt für die Milliardenkredite einen Zinssatz von sechs Prozent, anstatt der marktüblichen elf bis zwölf Prozent, wie Industriestaatssekretär Luc Chatel mitteilte. Außerdem werde der Investitionsfonds für den Sektor, der zur Stützung der Zulieferer gedacht ist, auf 600 Millionen Euro verdoppelt. Zudem gewährt der Staat Garantien für die gesamte Branche in Höhe von einer Milliarde Euro. Der Staat beteiligt sich zudem stärker am Kurzarbeitergeld.

Laut der Zeitung "Le Figaro" ist der Rettungsplan für die Autobauer auch wichtig, weil ihnen nach Vorlage ihrer Bilanzen in dieser Woche eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch Ratingagenturen drohe. Damit würden sich Darlehen für sie deutlich verteuern.

Gelder für Erhalt der Arbeitsplätze

Ein Renault-Mitarbeiter bei der Montage eines "Clio"
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Die französischen Konzerne versprachen im Gegenzug, keine Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.

Im Gegenzug sagten die Unternehmen zu, in den fünf Jahren keine Fabrik zu schließen und alles zu tun, um Entlassungen zu vermeiden, sagte Sarkozy nach einem Treffen mit Branchenvertretern im Elysée-Palast. Damit solle erreicht werden, dass die Krise einen Teil der französischen Industrie und des Fachwissens der Branche nicht zerstören könne

Verschrottungsprämie nicht effektiv

Im Dezember hatte Paris bereits eine Milliarde Euro zu ermäßigten Zinsen für die Finanzsparten der beiden Autobauer bereitgestellt. Zudem bekommen Neuwagenkäufer eine Prämie von 1000 Euro, wenn sie ihr altes Fahrzeug verschrotten und ein umweltfreundlicheres Auto kaufen. Dies bremste zwar den Rückgang der Verkaufszahlen, brachte aber gerade bei den französischen Herstellern keine Trendwende. Die Zahlen sanken insgesamt erneut um 7,9 Prozent, wobei Renault und Peugeot wieder zweistellige Rückgänge verbuchten. Dagegen hatten deutsche Marken wie Mercedes, Volkswagen und Audi teils kräftige Zuwächse verbucht.

EU sieht Vorhaben kritisch

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes warnte bereits Ende der Woche, eine Verpflichtung der Autobauer, Teile nur noch von französischen Zulieferern abzunehmen oder nur noch im eigenen Land zu investieren, verstoße gegen EU-Recht.

Auch der tschechische Regierungschef Mirek Topolanek erklärte: "Als EU-Ratspräsident habe ich ernsthafte Bedenken, was die politische Einmischung in das Management von Wirtschaftsunternehmen und Verstöße gegen den freien Wettbewerb betrifft".

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