Hilfspaket für kriselnde Branche Paris macht sechs Milliarden für Autobauer locker

Stand: 20.01.2009 17:03 Uhr

Neuwagen in einem Peugeot-Werk in Ryton/Großbritannien
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Neuwagen in einem Peugeot-Werk: von der Absatzkrise gebeutelt

Frankreich greift angesichts der dramatischen Verschärfung der Krise der heimischen Autoindustrie erneut mit Milliarden unter die Arme. Als Gegenleistung forderte Premierminister François Fillon, dass die Konzerne Renault und PSA Peugeot Citroën ihre Produktion in Frankreich halten und im Inland einkaufen. Zudem will Paris für die staatlichen Finanzspritzen von den Konzernen den Verzicht auf Bonuszahlungen an Manager und auf Dividenden an die Aktionäre.

Der Staat wolle den Herstellern fünf bis sechs Milliarden Euro bereitstellen, sagte Fillon auf einer Konferenz zur Lage der Autobranche im Pariser Wirtschaftsministerium. In welcher Form dies geschehen soll, will Staatspräsident Nicolas Sarkozy bis Anfang Februar verkünden. Für bedrängte Zulieferer wurde aber bereits mit Renault und PSA gemeinsam ein Investitionsfonds über 300 Millionen Euro ins Leben gerufen. Fillon begrüßte diesen "Autopakt" von Herstellern und Lieferanten, um das Überleben der französischen Zulieferer zu sichern. "Eine Einkaufstrategie der Hersteller, die fast ausschließlich nach den niedrigsten Kosten sucht, ist nicht nachhaltig", sagte er.

Jede fünfte Firma am Abgrund

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Industriekommissar Günter Verheugen, erklärte auf der Konferenz, angesichts der Überkapazitäten werde ein Teil der bestehenden europäischen Autowerke verschwinden. "Langfristig wird die Produktion vor allem kleiner Wagen von West- nach Osteuropa wandern." Von 300.000 mittelständischen Unternehmen der Autobranche in Europa sei jedes fünfte in der Existenz bedroht. Die EU und die Staaten müssten eingreifen, dabei aber verhindern, "dass Gewinne in guter Zeit privatisiert und Verluste in schlechter Zeit sozialisiert werden", sagte Verheugen. Im EU-Budget gebe es keinen Spielraum für Hilfen. Die Europäische Investitionsbank (EIB) gebe aber Mittel zur Entwicklung sogenannter grüner Produkte. Zudem müsse die EU darauf hinwirken, dass die neue US-Regierung nichts für ihre Autobranche tue, das den Wettbewerb verzerre und die europäischen Hersteller benachteilige.

"Brutale und globale Krise"

Die Finanztöchter von Renault und PSA hatten bereits jeweils 500 Millionen Euro Liquiditätshilfen vom Staat erhalten. Neue Hilfen sollen ebenfalls vor allem die Finanzierung erleichtern. Renault-Chef Carlos Ghosn erklärte auf der Konferenz, im laufenden Jahr könnten 15 bis 20 Prozent der Auto-Arbeitsplätze in Europa verloren gehen. Die Produktion werde um 15 Prozent fallen. Die "brutale und globale Krise" sei dreifach: Es fehlten Kredite, die Hersteller müssten in neue Technologien investieren und jeder dritte Zulieferer sei gefährdet. Es gehe um das Überleben von Herstellern, Lieferanten und Händlern. Die bisherigen Hilfen reichten nicht. Renault sei entschlossen, die Beschäftigung in Frankreich zu halten, und zähle auf den Staat, dafür die Bedingungen zu schaffen, sagte Ghosn.

Staatseingriff in die Konzerne?

Dagegen wies PSA-Chef Christian Streiff Staatseingriffe in die Konzernpolitik zurück. Mit Verweis auf die deutschen Konzerne Continental und Bosch forderte Streiff im "Figaro" die Schaffung starker Zulieferer in Frankreich. Der Staat müsse bei der Entwicklung von Hybridtechnik helfen und für billigeres Geld sorgen. Eine Kapitalbeteiligung des Staates an PSA wie an Renault lehnte er ab.

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