Die deutschen Autobauer VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen sich in vielen Technikstandards abgesprochen haben. | Bildquelle: dpa

"Spiegel"-Bericht Geheime Absprachen zwischen Autobauern?

Stand: 17.05.2018 15:57 Uhr

Den großen deutschen Autobauern droht der nächste Skandal: Einem Bericht des "Spiegel" zufolge stehen VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler im Verdacht, durch gemeinsame Absprachen gegen Kartellrecht verstoßen zu haben. Die Hinweise kamen offenbar von VW selbst.

Es soll um alle Bereiche der Entwicklung gegangen sein, um Motoren, Bremsen, Kupplungen, Getriebe und mehr: Die deutschen Autobauer VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler haben nach einem Bericht des "Spiegel" bei einer Reihe von Technikstandards Absprachen getroffen. Das Magazin berief sich auf einen Schriftsatz, den Volkswagen im vergangenen Jahr bei den Wettbewerbsbehörden eingereicht hatte.

Dem Nachrichtenmagazin zufolge stimmten sich seit den 1990er-Jahren mehr als 200 Mitarbeiter der Unternehmen in über 60 Arbeitsgruppen ab. Dabei soll es um die Technik der Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer, Märkte, Strategien und die Abgasreinigung der Dieselfahrzeuge gegangen sein. Auch die Auswahl von Lieferanten und die Preise von Bauteilen in allen Bereichen der Auto-Entwicklung - von Motoren über Bremsen bis hin zu Getrieben - seien Gegenstand der Gespräche gewesen.

Auch Abgasmanipulationen angeblich Folge der Gespräche

Damit könnte auf diese Weise auch die Grundlage für die Abgasaffäre gelegt worden sein: Dem Bericht zufolge stimmten sich die Autobauer seit 2006 etwa darüber ab, wie groß die Tanks für das Harnstoffgemisch AdBlue sein sollten, mit dem Stickoxide in die harmlosen Bestandteile Wasser und Stickstoff aufgespalten werden. Die Autohersteller verständigten sich dem Bericht zufolge auf günstigere kleine Tanks. Die darin enthaltene Menge AdBlue reichte später nicht mehr aus, um die Abgase ausreichend zu reinigen.

Die Dieselaffäre war vor knapp zwei Jahren ins Rollen gekommen, als VW nach US-Ermittlungen einräumte, in Millionen von Fahrzeugen eine Betrugssoftware eingesetzt zu haben. Diese sorgte dafür, dass der Schadstoffausstoß bei Tests durch die Behörden niedriger ausfiel als später auf der Straße. Der Autobauer VW war es laut "Spiegel" auch, der am 4. Juli 2016 den Schriftsatz bei den Kartellhütern einreichte. Darin erklärt der Autobauer selbst, dass "der Verdacht" bestehe, dass es zu "kartellrechtswidrigem Verhalten" gekommen sei. Auch Daimler soll einen Schriftsatz eingereicht haben.

Quelle: (Pressestelle), Stefan Warter
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Nach Mercedes hat auch Audi angekündigt, ein kostenloses Software-Update anzubieten.

Keine Stellungnahmen

Keiner der Autobauer wollte sich zu dem Bericht äußern. "Zu Spekulation und Sachverhaltsvermutungen auf Grundlage der 'Spiegel'-Berichterstattung äußern wir uns nicht", erklärte ein VW-Sprecher. Der Konzern nahm damit auch für die Marken Audi und Porsche Stellung. BMW und Daimler erklärten ebenfalls, die Spekulationen nicht zu kommentieren. Das Bundeskartellamt gab an, grundsätzlich zu laufenden Kartellverfahren keine Auskünfte zu erteilen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt verlangte umfassende Aufklärung: "Kartellrechtliche Absprachen wären eine zusätzliche Belastung für die Thematik, die wir gerade mit der Automobilindustrie haben. Die Kartellbehörden müssen ermitteln, die Vorwürfe detailliert untersuchen und gegebenenfalls notwendige Konsequenzen ziehen."

Oliver Krischer, Grünen-Obmann im Abgas-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, sagte in einer ersten Reaktion, die Vorwürfe gäben dem Abgasskandal eine neue Dimension. "Damit vervollständigt sich eigentlich seit zwei Jahren, seit der Abgasskandal einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist, Woche für Woche mit immer neuen Enthüllungen das Sittengemälde einer Branche, die sich einen feuchten Kehricht um Umwelt, Klima und Gesundheit geschert hat."

Für den 2. August hat die Bundesregierung zu einem Diesel-Gipfel unter anderem mit Vertretern aus Politik und Industrie geladen.

Mit Informationen von Arne Meyer-Fünffinger, BR

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juli 2017 um 16:00 Uhr.

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