Autobanken fordern Staatsgarantien Finanzspritzen für gesunde Patienten?

Stand: 04.03.2009 02:04 Uhr

Die VW-Bank hat bereits Staatsgarantien erhalten, andere Autobanken könnten folgen. Doch die Banken locken Neukunden mit Konditionen, die deutlich über Marktniveau liegen. Das Geschäft läuft gut. Sind Staatshilfen wirklich notwendig?

Von Laura Wagner, HR Frankfurt

Verkaufsraum bei VW
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VW-Verkaufsräume sind derzeit gut gefüllt - dennoch möchte die VW-Bank Staatshilfe.

Fast alle bekannten Autohersteller besitzen eigene Banken, um den Verkauf der eigenen Marke zu erhöhen. Autobanken haben kein Filialnetz, sondern treten als Direktbanken auf. Sie sind Tochtergesellschaften der Autohersteller und finanzieren unter anderem Investitionen von Autohändlern sowie Autokäufe durch Kredite oder Leasingverträge. Viele Autobanken haben ihren Service jedoch bereits um andere Bankdienstleistungen wie Versicherungen, Tages- oder Festgeld erweitert.

Garantien als Schutz vor Wettbewerbsverzerrung

Die Finanzkrise geht jedoch nicht spurlos an den Autobanken vorbei. Auch für sie haben sich die Konditionen verschlechtert. Dadurch steigen die Kosten für die Refinanzierung. Dies bringt die Autobanken in Bedrängnis. Die Volkswagen-Bank beantragte als erste Garantien in Höhe von zwei Milliarden Euro, andere könnten folgen. Die Staatsgarantien führen zu einer erhöhten Bonität der Banken und somit zu Vorteilen bei der Refinanzierung. So erlangen Autobanken, welche die Staatsgarantien annehmen, möglicherweise Vorteile gegenüber anderen Autobanken.

Mercedesbank
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Die Mercedes-Benz Bank erwägt ebenfalls einen Hilferuf nach Berlin.

Doch geht es den Autobanken wirklich schlecht? Die Mercedes-Benz-Bank verzeichnet Anfang 2009 ein Einlagevolumen von mehr als zehn Milliarden Euro und präsentiert sich auf ihrer Internetseite als "wirtschaftlich kerngesund". Dennoch schließt die Autobank eine Inanspruchnahme von Staatsgarantien nicht aus. Begründet wird dies durch eine mögliche Wettbewerbsverzerrung durch Banken, welche die Staatshilfe aus dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) annehmen.

Gute Konditionen freuen die Kunden

Autobanken wie die Mercedes-Benz-Bank locken Kunden mit überdurchschnittlich hohen Zinsen bei Tages- und Festgeld. Zinssenkungen am Finanzmarkt werden dort bisher nicht an die Kunden weitergegeben. Die Kunden freut's! Die guten Konditionen brachten der Mercedes-Benz-Bank viele Anträge, offenbar mehr als erwartet: Seit dem 3. Februar werden bis voraussichtlich Mitte März keine Neuanträge mehr angenommen. Es sei derzeit nicht möglich, die gewohnte Servicequalität aufrecht zu erhalten, verkündet die Mercedes-Benz-Bank auf ihrer Internetpräsenz. 

Dies verärgert Verbraucher, da sie mit günstigen Konditionen umworben werden, diese jedoch derzeit nicht in Anspruch nehmen können. Bei der Bearbeitung angenommener Anträge müssen sie lange Wartezeiten in Kauf nehmen. "Das passiert, wenn man mit völlig unrealistischen Konditionen wirbt und dann vom eigenen Erfolg überrollt wird", so ein verärgerter Kunde, der wegen der langen Wartezeit den Antrag schließlich rückgängig machte.

Die hohen Zinsen sind Vergangenheit

Dass Kunden in diesem Jahr bei den Autobanken noch einmal Konditionen so deutlich über Marktniveau angeboten werden, bezweifelt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von "Finanztest". Auch mögliche Inanspruchnahmen der Staatshilfen von anderen Autobanken werden daran nichts ändern.

"Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen deutlich senkt, geben die Banken nach und senken ebenfalls die Zinsen", argumentiert Tenhagen. Die Banken hätten schnell Kapital benötigt, um ihre Liquidität zu verbessern. Dieses Kapital haben sie nun durch die hohen Zinsen bekommen. Laut Tenhagen reagieren nur knapp zehn Prozent der Kunden schnell auf Veränderungen der Konditionen. Die meisten Kunden lassen ihr Geld jedoch länger bei einer Bank, wenn diese einmal mit guten Konditionen geworben hat.

Für die Kunden dürfte also die Entscheidung, ob der Staat den Banken hilft, keine direkten Vorteile haben. Die Autobanken werden aber kritisch beobachten, welcher Konkurrent welche Mittel erhält. Und die klassischen Banken sprechen bereits jetzt vor einem Etikettenschwindel. Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, warnt: Die Vergabe staatlicher Mittel an die Autobanken fördere vor allem den Absatz der Automobilindustrie.

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