Verkehrsstau auf einer Straße in Peking

Erstmals seit 1990 Chinesen kaufen weniger Autos

Stand: 20.03.2019 08:53 Uhr

Der Absatz von Neuwagen ist in China zurückgegangen - zum ersten Mal seit rund drei Jahrzehnten. Luxus-Autos verkaufen sich aber immer noch bestens. Ein weiterer Trend: E-Autos boomen wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Eine Fabrikhalle in der Stadt Hefei, rund 400 Kilometer westlich von Shanghai. Der erst vor rund vier Jahren gegründete chinesische Autokonzern Nio produziert hier seit diesem Jahr SUVs.

Werksmitarbeier Yang Yi erklärt stolz, wie die mehr als zwei Tonnen schweren Luxusautos kurz vor Verlassen der riesigen Werkshalle nochmal geprüft werden. Felgen, Reifen, Scheinwerfer, sogar die Scheibenwischautomatik wird nochmal getestet.

Elektroautos boomen in China

Mit rund 10.000 Autos, die Nio 2018 in Hefei produziert hat, gehört das Unternehmen zu den kleinen Herstellern in China. Aber die schweren, fünf Meter langen Autos sind gefragt. Sie liegen voll im Trend bei chinesischen Käufern: zum einen, weil es sich um SUVs handelt, vor allem aber, weil sie rein elektrisch angetrieben werden. Der inzwischen börsennotierte Nio-Konzern baut ausschließlich Elektroautos. Damit gehört er zu einer boomenden Branche.

Insgesamt wurden von Januar bis November in China erstmals mehr als eine Million E-Autos ausgeliefert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einem stattlichen Plus von fast 70 Prozent.

Das steht im scharfen Kontrast zum Gesamtmarkt, der in China - trotz des E-Auto-Booms - immer noch zu mehr als 95 Prozent von Verbrennern dominiert wird.

Ein BMW-Händler in China | Bildquelle: AFP
galerie

Gegen den Trend laufen die Geschäfte der deutschen Premiumhersteller in China weiter gut.

Zahl der verkauften Autos ist zurückgegangen

Insgesamt ist im bevölkerungsreichsten Land der Welt die Zahl der verkauften Autos 2018 nicht mehr gestiegen, sondern zum ersten Mal seit 1990 zurückgegangen. Unterm Strich rechnet der chinesische Autoherstellerverband für dieses Jahr mit einem Minus von rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Autoexperte Zeng Zhilin von der Shanghaier Unternehmensberatung LMC Automotive sagt, Grund für das Minus seien die Autokäufer in den kleineren und kleinsten Städte in China. Dort hätten die Menschen weniger Geld als in den Metropolen und kauften eher kleinere Autos. Und weil die chinesische Regierung kommendes Jahr möglicherweise die Verkaufssteuern auf Kleinwagen senken wird, waren viele potenzielle Käufer in den vergangenen Monaten erstmal zögerlich und haben abgewartet.

Der Premiumbereich wächst weiterhin

Dieser Sondereffekt sei einer der Gründe für den Rückgang im zu Ende gehenden Jahr, sagt der Autoexperte. Der Premiumbereich wachse in China aber weiterhin, um rund 20 Prozent. Davon betroffen seien auch BMW, Daimler und Audi: "Für die lief es 2018 wieder sehr gut."

Insgesamt konnten die drei deutschen Hersteller BMW, Daimler und Volkswagen 2018 bei den Verkäufen in China noch etwas zulegen, obwohl sie bisher kaum Elektroautos im Angebot haben. Am geringsten fällt das Verkaufsplus beim VW-Konzern aus. Nur Volkswagens Premiummarken Audi und Porsche ist es zu verdanken, dass es am Ende keinen Rückgang gab.

Autoabsatz in China bricht 2018 ein
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
20.12.2018 08:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 20. Dezember 2018 NDR Info um 06:41 Uhr in der Wirtschaft und B5 aktuell um 08:38 Uhr.

Darstellung: