Nissan stellt eines seiner neuen Modelle auf der Messe in Peking vor - umrahmt von grellen Lichtern. | Bildquelle: dpa

Automesse in Peking "Das Leben ist zu kurz für Stillstand"

Stand: 27.04.2018 11:43 Uhr

Jung und hipp will die Autobranche rüberkommen auf ihrer größten Messe in China - passend zur Wunschzielgruppe. Darum gibt es zu Elektroautos Elektromusik und laute Beats zu großen Karossen.

Von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Peking

Die wichtigste Automesse der Welt öffnet am Wochenende im chinesischen Peking auch für das Publikum. Vor einigen Tagen startete sie bereits mit Premieren für Fachleute und Journalisten. Was in diesem Jahr aufgefahren wird, ist wirklich beeindruckend, aber manchmal vielleicht auch beeindruckend übertrieben.

Legerer Look zum Häschen-Chor

Gut zehn junge Chinesinnen und Chinesen mit viel zu großen Klamotten tanzen wild auf einer in grellem Blau erleuchteten Bühne. Daneben, umso cooler und fast regungslos, eine DJane mit Mischpult und Laptop. Und dann kommt Dieter Zetsche, der Daimler-Chef - wie so oft in Stoffschuhen, Jeans, Hemd und Sakko, aber ohne Krawatte.

Mit Tanzeinlagen wurde die Automesse in Peking eröffnet. | Bildquelle: Markus Pfalzgraf
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Tanzen zur Musik vom DJ-Pult - mit der Show wollen Autokonzerne vor allem junge Kunden ansprechen.

Er mag die hippe Gegend Sanlitun in Peking, sagt Zetsche, die viel über junge Leute in China aussage - und das ist die Zielgruppe für den eigentlichen Star des Abends: Die neue A-Klasse in Langversion, besungen von einem Chor in schwarzer Abendgarderobe und mit Häschenohren auf dem Kopf. Das Leben ist zu kurz für Stillstand, singen sie, deshalb: Hart arbeiten und noch härter feiern.

Lebensgefühl und Komfort verkaufen sich in China immer noch am besten mit sportlichen Geländewagen und eben Limousinen, bei allem Gerede über Elektroautos.

China gibt sich selbstbewusst

Doch die Chinesen wollen die Europäer antreiben. Daimlers neuer Großaktionär Li Shufu, der Chef des chinesischen Autobauers Geely, hatte zuvor schon Volvo übernommen. Nun wollen die Schweden bis 2025 komplett auf Elektro umstellen. Volvo-Geschäftsführer Hakan Samuelsson stellt Li als seinen Chef vor. Ohne dessen Vertrauen und Unterstützung wäre der Umbau bei Volvo nicht möglich gewesen, bedankt sich Samuelsson. Ein Kniefall des Volvo-Managers, der wie ein Schuljunge neben Li steht. Vielleicht ein Sinnbild für die neuen Zeiten.

Volvo-Geschäftsführer Hakan Samuelsson hält auf der Automesse in Peking den Preis für das "Auto des Jahres" in der Hand. | Bildquelle: AFP
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Krawattenzwang - nein danke! Volvo-Geschäftsführer Hakan Samuelsson gibt sich auf der Automesse in Peking leger.

Li sagt nichts, dafür spricht der Chef der Autosparte von Geely, An Conghui: "Wir schicken eine klare Botschaft an unsere Kunden: Geely ist der führende Anbieter bei Autos mit neuen Antrieben - weltweit." Das neue chinesische Selbstbewusstsein - untermalt mit traditioneller Musik.

Delikate Häppchen und PS-starkes Spielzeug

Doch zurück zur Materialschlacht. In einem riesigen Ziegelsteingebäude auf einem alten Pekinger Industriegelände hat VW zur Produktvorstellung geladen. Auch hier wieder blaues Licht, gigantische Videoleinwände und exquisite Häppchen auf durchsichtigen Acryl-Tabletts: Jasmintee-Tiramisu, kandierte Beeren, Käseküchlein mit Karamel und Passionsfrucht. VW-Chef Herbert Diess will endlich auch in den Elektroauto-Markt. Es ist sein erster Auslandsauftritt in neuer Funktion: dunkler Anzug, weißes Hemd - und auch er ohne Krawatte.

Besucher der Automesse in Peking stehen rund um ein neues Modell von VW. | Bildquelle: REUTERS
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Hauptsache cool - dieses Motto gilt sowohl bei VW...

Auf spiegelndem Boden stehen auf der Automesse in Peking mehrere neue Modelle von BMW. | Bildquelle: dpa
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.. als auch bei der Konkurrenz wie Autobauer BMW.

Diess will mit VW in China schon in zwei Jahren 15 neue Elektro- und Hybridmodelle anbieten. Das neue Comfort-Coupé in gold dreht sich auf einer Präsentierscheibe, und surrt leise von der Bühne.

Während VW wie so viele Hersteller den Eindruck erweckt, dass es hier fast nur Elektroautos gibt, lässt BMW noch einmal so richtig großes Spielzeug für große Jungs auffahren: Ein Motorrad röhrt über die Leinwand in einer der Messehallen, und dann fährt der bärtige Fahrer aus dem Video die 1600er-Grand-America auf die Bühne. Zwar gibt es auch einen Mini, aber trotz anbrechendem Elektro-Zeitalter geht es auch hier vor allem noch um neue Geländewagen für den Großstadtdschungel.

Automesse China? Von Bossen und Karossen
Markus Pfalzgraf, ARD Peking
27.04.2018 08:27 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 25. April 2018 tagesschau24 um 17:00 Uhr und Deutschlandfunk um 17:09 Uhr.

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