Der Zeiger einer Tankanzeige im Cockpit eines Pkw zeigt einen leeren Tank an.

Neue Klimavorschriften Tank gegen Batterie

Stand: 04.09.2018 16:42 Uhr

Die Erderwärmung soll gestoppt werden - so will es der Pariser Weltklimapakt. Dafür muss sich auch der Autoverkehr ändern. Umweltverbände fordern 60 Prozent CO2-Minderung - doch die Industrie bremst.

Neue Autos in der EU sollten bis zum Jahr 2030 aus Sicht von Umweltschützern deutlich weniger Kohlendioxid ausstoßen, als bislang im Gespräch ist. Eine Reduzierung von 60 bis 70 Prozent weniger CO2 sei "notwendig, technisch machbar und volkswirtschaftlich sinnvoll", teilten die Verbände BUND, Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub VCD am in Berlin mit.

VCD-Sprecher Gerd Lottsiepen
galerie

Gerd Lottsiepen vom VCD bringt neben höheren Steuern für Energie auch Gebühren für die Straßennutzung und Tempolimits ins Gespräch.

Die EU-Kommission strebt eine Minderung von 30 Prozent an. Das reiche nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen, sagte VCD-Verkehrsexperte Gerd Lottsiepen. Je schwächer die Grenzwerte ausfielen, desto stärker müssten andere Maßnahmen wirken, etwa eine höhere Energiesteuer.

CO2-Ausstoß steigt

Von 2021 an gilt in der EU ein Grenzwert von 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer im Schnitt aller verkauften Neuwagen, die außerdem mit einer neuen Methode gemessen werden. Dadurch sollen die Messungen realitätsnäher sein als bislang. Tatsächlich lag der CO2-Wert 2017 im Schnitt bei 118,5 Gramm - mit leicht steigender Tendenz. Der Grund: Seit dem Diesel-Skandal werden wieder mehr Benziner verkauft, die mehr verbrauchen.

Ein Auto wird betankt. | Bildquelle: dpa
galerie

Die Diesel-Zulassungen legten im vergangenen Monat um acht Prozent zu, benzingetriebene Fahrzeuge verzeichneten ein Plus von fast einem Drittel.

Der europäische Dachverband Acea weckte Zweifel, ob die bereits verbindlich vorgeschriebenen Ziele für 2021 noch erreicht werden könnten. Umweltschützer und die Grünen halten das für machbar und werben für einen raschen und radikalen Umstieg auf Elektroautos.

Jobverluste durch Elektroautos

Der Acea warnt vor massiven Jobverlusten durch eine forcierte Umstellung auf Elektroautos in Europa gewarnt. Die EU-Kommission unterschätze die negativen Folgen ihres Vorschlags zu schärferen CO2-Grenzwerten für den Arbeitsmarkt, erklärte der in Brüssel ansässige Verband.

"Die Produktion und die Instandhaltung von durch elektrische Batterien angetriebenen Fahrzeugen ist weniger arbeitsintensiv", erklärte der Acea mit Verweis auf aktuelle Studien. Besonders Zulieferfirmen seien betroffen. Der Verband weist zudem darauf hin, dass das bei weitem teuerste Teil eines Elektroautos - die Batterie - womöglich häufig importiert werden müsste.

Tesla-Lithium-Ionen-Batterie in Australien | Bildquelle: AFP
galerie

In Australien - in der Wüste 200 Kilometer nördlich von Adelaide - hat das weltweit größte Batteriesystem zur Speicherung von erneuerbarer Energie den Betrieb aufgenommen.

"Die gesamte europäische Produktionskette muss sich nachhaltig verändern", erklärte Acea-Chef Erik Jonnaert. "Zu strenge CO2-Ziele und unrealistische Verkaufsquoten für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge" könnten zu "ernsthaften Strukturproblemen in der gesamten EU führen".

Verhandlungen auf EU-Ebene

Kommende Woche soll der Umweltausschuss und Anfang Oktober das Plenum abstimmen, um dann Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten aufnehmen. Wie Deutschland sich dann positioniert, ist noch offen. Im Europaparlament steht eine Minderung um 50 oder gar 75 Prozent zur Debatte.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. September 2018 um 15:09 Uhr.

Darstellung: