Export 2008

Außenhandel zum Jahresende 2008 eingebrochen Der Exportweltmeister in der Wirtschaftskrise

Stand: 09.02.2009 13:11 Uhr

Container im Hamburger Hafen
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Die deutschen Exporte brachen zum Jahresende 2008 massiv ein.

Die weltweite Wirtschaftsflaute setzt auch dem Außenhandel von Exportweltmeister Deutschland zu: Im Dezember 2008 sanken die Ausfuhren um 7,7 Prozent auf 67,4 Milliarden Euro. Im Vormonat war der Export sogar um 11,8 Prozent eingebrochen - der stärkste Einbruch für Produkte "Made in Germany" seit rund 15 Jahren.

2008 insgesamt noch im Plus

Trotzdem legten die Ausfuhren auf das Gesamtjahr gesehen noch um 2,8 Prozent zu und erreichten 2008 fast die Marke von einer Billion. Insgesamt wurden Waren im Rekordwert von 992,7 Milliarden Euro exportiert. Die Importe stiegen gegenüber 2007 um 5,8 Prozent auf einen Warenwert von 814,5 Milliarden Euro. Die Außenhandelsbilanz schloss nach Angaben der Statistiker im Jahr 2008 mit einem Überschuss von 178,2 Milliarden Euro ab. Im Jahr 2007 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 195,3 Milliarden Euro betragen.

Exportschlager im deutschen Außenhandel 2008
GüterAusfuhrwert (Mrd.Euro)Anteil (%)
1.Kraftwagen und Kraftwagenteile164,717,8
2.Maschinen135,714,6
3.Chemische Erzeugnisse129,313,9
4.Eisen, Stahl und NE-Metalle59,36,4
5.Sonstige Waren57,76,2

Außenhandel fordert mehr staatliche Unterstützung

Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, sagte, die Rezession sei nun endgültig im heimischen Außenhandel angelangt. Die Auswirkungen der Krise seien international; sie könne nur durch einen gemeinsamen Kraftakt überwunden werden. "Ein entscheidender Faktor ist hierbei die Sicherstellung des freien Handels. Darüber hinaus muss sich nun zeigen, inwieweit die weltweiten Konjunkturpakete ihre Wirkung entfalten können." Die beschlossene Ausweitung der staatlichen Exportkreditversicherung in Deutschland sei hierzu ein wichtiger Beitrag. "Weitere Schritte sollten nun durch Entlastungen bei Steuern und Abgaben folgen", meinte Börner.

Industrieabsatz ebenfalls zurückgegangen

Der drastische Umsatzeinbruch in der Autobranche hat der gesamten deutschen Industrie im Dezember zudem das größte Minus seit der Wiedervereinigung beschert. Laut Statistischem Bundesamt ging der Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes um real 12,6 Prozent gegenüber Dezember 2007 zurück. Den Statistikern zufolge ist das der stärkste Rückgang der vergangenen 19 Jahre. Vor allem das Umsatzminus in der Autoindustrie von 32,7 Prozent war für die tiefroten Zahlen verantwortlich.

Volkswirte pessimistisch für 2009

Nach dem Minus im Dezember 2008 sagen die Volkswirte von Commerzbank und Dresdner Kleinwort voraus, dass auch "für die kommenden Monate keine Verbesserung zu erwarten" sei. Der Außenhandel werde auch im ersten Halbjahr die Konjunktur deutlich belasten. "Damit dürfte der Wachstumsbeitrag des Außenhandels im vierten Quartal ähnlich negativ gewesen sein wie im dritten Vierteljahr (minus 1,7 Prozent).

Axel Nitschke, Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), gab sich ebenfalls pessimistisch: "Die Ausfuhren werden in diesem Jahr stärker sinken als Ende 2008 erwartet", sagte er. Bislang hatte der Verband mit einem Minus von etwa einem Prozent gerechnet. "Es gibt Hinweise darauf, dass sich diese Prognose nicht halten lässt." Allein die Ausfuhren nach Russland - dem bislang am schnellsten wachsenden Auslandsmarkt - dürften um ein Fünftel einbrechen. Grund seien sinkende Rohstoffeinnahmen Russlands.

Rezession in Abnehmerländern wirkt sich aus

Zuletzt zeigte die Tendenz wegen der Rezession bei wichtigen Handelspartnern wie den USA und Großbritannien deutlich nach unten. "Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht", sagte Nitschke. "Anfang des Jahres geht es noch weiter nach unten." Es gebe aber die Hoffnung, dass die weltweiten Konjunkturprogramme wirkten. "Dann kann das schnell korrigiert werden."

Wegen der Absatzeinbrüche in den deutschen Vorzeigebranchen Maschinen- und Fahrzeugbau dürfte Deutschland den Titel Exportweltmeister in diesem Jahr an China verlieren. "Der Wachwechsel kommt", sagte Nitschke. 2008 habe Deutschland noch einmal knapp seine führende Position vor der Volksrepublik verteidigt - das sechste Jahr in Folge.

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