"AZUBI" steht auf dem Button eines Auszubildenden im Hotelfach. | dpa

Statistisches Bundesamt So wenige Ausbildungsverträge wie noch nie

Stand: 11.08.2021 14:41 Uhr

Weniger als eine halbe Million neue Ausbildungsverträge 2020 - so wenige gab es seit 40 Jahren nicht mehr. Am stärksten gingen laut Statistischem Bundesamt die Abschlüsse in den Branchen zurück, die stark von der Pandemie betroffen waren.

Die Corona-Krise hat zu einem bislang einzigartigen Einbruch bei der Zahl neuer dualer Ausbildungsverträge geführt. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, haben 2020 bundesweit 465.700 Menschen einen Ausbildungsvertrag geschlossen und damit rund 9,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Das sei der größte prozentuale Rückgang seit Beginn der Statistik 1977, hieß es.

"Die Zahl der Neuverträge befindet sich auf einem historischen Tiefstand", erklärte Rotraud Kellers aus dem für die Berufsbildungsstatistik zuständigen Referat im Statistischen Bundesamt. "Noch nie seit Beginn der Statistik vor über 40 Jahren hat es in einem Jahr weniger als 500.000 neue Azubis gegeben".

Starker Rückgang im Gast- und Verkehrsgewerbe

Besonders deutlich gingen demnach die Neuabschlüsse in jenen Branchen zurück, die stark von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen waren: Im Ausbildungsbereich Industrie und Handel, zu dem auch das Gast- und Verkehrsgewerbe gehört, sank die Zahl der Verträge mit 11,9 Prozent am stärksten. Die größten Rückgänge gab es hier bei den Berufen Hotelfachmann/-frau (minus 31 Prozent), Koch/Köchin (minus 19,8 Prozent) und Tourismuskaufmann/-frau (minus 61,1 Prozent).

Einen geringeren Rückgang gab es bei handwerklichen Berufen mit insgesamt minus 6,5 Prozent. Den stärksten Rückgang bei neuen Ausbildungsverträgen verbuchten Friseurinnen und Friseure mit minus 18,6 Prozent. Die Berufe Dachdecker/-in (plus 3,9 Prozent), Zimmerer/-in (11,7 Prozent) und Zweiradmechatroniker/-in (13,1 Prozent) verzeichneten einen leichten Zuwachs.

Einzelhandel vorn bei Ausbildungsverträgen

Die Berufe mit den meisten neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen waren die Berufe Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel mit insgesamt knapp 25.000 Verträgen, gefolgt von Kaufmann/Kauffrau im Büromanagement mit knapp 23.000 Verträgen. Auch die Ausbildungen Verkäufer und Verkäuferin (rund 21.000), KfZ-Mechatroniker/-in (rund 19.000 Verträge) und Medizinische Fachangestellte (knapp 16.000 Verträge) erfreuten sich vergleichsweise großer Beliebtheit.

Insgesamt war der Rückgang bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Jahr 2020 bei Frauen (minus zehn Prozent) etwas stärker als bei Männern (minus neun Prozent). Auch der Rückgang bei Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit fiel mit minus 12,6 Prozent überdurchschnittlich aus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. August 2021 um 14:30 Uhr.