Ein Azubi mit Schweißermaske arbeitet mit einem Schweißbrenner an einer Stahlwand. | Bildquelle: dpa

Azubis und Betriebe Wenn Topf und Deckel sich nicht finden

Stand: 18.09.2019 13:37 Uhr

Ausbildungsbetriebe und Jugendliche finden oft nicht zueinander. 79.000 Jugendliche waren 2018 ohne Ausbildungsvertrag - dabei blieben 58.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Gründe sind vielfältig.

Eigentlich sollte es in Deutschland für fast jeden interessierten Jugendlichen eine passende Ausbildungsstätte geben - jedenfalls rein rechnerisch. Tatsächlich aber hat sich die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze von 2009 an auf 58.000 nahezu verdreifacht. Und gleichzeitig standen im vergangenen Jahr 79.000 Jugendliche mit leeren Händen da. Das ist das Ergebnis des "Ländermonitors berufliche Bildung", einer Studie Göttinger Soziologen mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung.

In manchen Branchen kein einziger Bewerber

Gründe gibt es gleich mehrere: So gebe es für 44 Prozent der unbesetzten Stellen zwar interessierte Jugendliche. Aber die Betriebe halten die Bewerber für ungeeignet. Anders herum finden auch die Jugendlichen nicht jeden Betrieb mit offener Stelle attraktiv. Bei einem Drittel der unbesetzten Stellen gibt es keinen einzigen Bewerber für diesen Ausbildungsberuf. Das trifft Branchen wie das Lebensmittelhandwerk oder die Gastronomie.

''Azubis gesucht'' steht auf einem Banner | Bildquelle: dpa
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Bei einem Drittel der unbesetzten Stellen gibt es keinen einzigen Bewerber für diesen Ausbildungsberuf.

Bei knapp einem Viertel ist fehlende Mobilität das Problem. Stelle und Bewerber sind in unterschiedlichen Regionen. Einen Überhang an Ausbildungsstellen gibt es vor allem im Süden. In Passau in Bayern kommen auf 100 Bewerber 129 offene Stellen. In Hagen in Nordrhein-Westfalen sind es dagegen nur 80.

Ministerin sieht Betriebe in der Pflicht

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek forderte Betriebe auf der Suche nach Azubis auf, gute Bedingungen für die Jugendlichen zu schaffen. Tarifpartner und Betriebe müssten "noch mehr mit attraktiven Angeboten und Ideen auf die Entwicklung in den jeweiligen Regionen eingehen", sagte Karliczek den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

Ähnlich die Empfehlung der Bertelsmann-Stiftung: In unliebsamen Branchen sollten die Rahmenbedingungen verbessert werden, kleinere Betriebe sollten mehr Unterstützung bekommen. Nicht zuletzt müssten die Kontakte zwischen Schulen und Betrieben intensiviert werden.

Hauptschüler haben es besonders schwer

Besonders schwierige Startbedingungen haben laut Studie Jugendliche mit Hauptschulabschluss. Insgesamt begannen 2017 lediglich 37 Prozent von ihnen direkt nach Verlassen der Schule eine duale und weitere zehn Prozent eine schulische Ausbildung. Bei Jugendlichen mit ausländischer Staatsbürgerschaft konnten nur 44 Prozent direkt eine Ausbildung beginnen - gegenüber 77 Prozent der deutschen Jugendlichen.

Warnung vor "verlorener Generation"

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack warnt: "Die Ausbildungschancen junger Menschen hängen noch immer von ihrem Wohnort, ihrem Schulabschluss und ihrem Pass ab. Besonders dramatisch ist die Lage im Ruhrgebiet, in den mittleren Städten Hessens und Niedersachsens sowie im Nordosten Brandenburgs. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass in Oberhausen, Bochum, Hagen, Eberswalde oder Flensburg eine verlorene Generation heranwächst."

Passt oft nicht – Bertelsmann-Studie zum Ausbildungsmarkt
Tim Belke, DLF
18.09.2019 16:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. September 2019 um 13:08 Uhr.

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