Der Hochgeschwindigkeitszug ICE  | Bildquelle: AFP

Kritik an Management Aufsichtsrat erhöht Druck auf Bahn-Vorstand

Stand: 23.12.2018 12:04 Uhr

Unpünktliche Züge, schlechter Service, hohe Preise - als "Katastrophenveranstaltung" bezeichnen Mitglieder des Bahn-Aufsichtsrats das Vorgehen des Unternehmensvorstands. Sie fordern nun schnell neue Konzepte.

Wegen der anhaltenden Probleme bei der Deutschen Bahn fordern Aufsichtsräte des angeschlagenen Staatskonzerns vom Vorstand rasch Konzepte zur Verbesserung des Schienenverkehrs und der dafür nötigen Finanzierung.

"Ich erwarte vom Vorstand, dass er nachvollziehbar erklärt, wie der finanzielle Mehrbedarf gedeckt werden soll", sagte Aufsichtsratschef Michael Odenwald der "Welt am Sonntag". "Der Vorstand muss jetzt mit dem Eigentümer Bund einen gangbaren Weg erarbeiten und dem Aufsichtsrat in der Sitzung im März ein entsprechendes Konzept vorlegen."

Auch Aufsichtsratsmitglied Klaus-Dieter Hommel kritisierte das Unternehmen scharf. "Das ist hier inzwischen eine einzige Katastrophenveranstaltung", sagte Hommel, der auch Vizechef der Bahngewerkschaft EVG ist, der "Welt am Sonntag". "Wenn die Deutsche Bahn ein Autohersteller wäre, wären die Lenkräder hinten montiert und die Räder oben."

Kapitalbedarf offenbar deutlich höher

Ein weiteres, nicht genanntes Aufsichtsratsmitglied sagte der Zeitung, dass auch bei den Finanzen Planlosigkeit herrsche. Der Kapitalbedarf der Bahn sei deutlich höher als die häufig genannten rund vier Milliarden Euro.

Wenn die im Koalitionsvertrag aufgeführten Maßnahmen zur Stärkung des Schienenverkehrs umgesetzt würden, müssten in den kommenden vier Jahren acht bis zehn Milliarden Euro zusätzlich aufgebracht werden. Allerdings habe niemand einen Plan, wer dafür aufkommen solle, zitierte die Zeitung den Aufsichtsrat.

Für Mitte Januar ist ein Treffen der Bahn-Spitze im Verkehrsministerium angesetzt. Dort sollen dem Zeitungsbericht zufolge Maßnahmen besprochen werden, die dann dem Aufsichtsrat im März vorgelegt werden sollen.

ICE | Bildquelle: dpa
galerie

Die Bahn hatte zuletzt ihre Ziele bei der Pünktlichkeit klar verfehlt. Kunden klagen auch häufig über kaputte Toiletten oder geschlossene Bord-Restaurants.

Zuvor auch Kritik aus Ministerium

Erst vergangene Woche hatte sich Verkehrs-Staatsekretär Enak Ferlemann unzufrieden mit der Leistung der Bahn gezeigt und vom Vorstand verlangt, bis März ein Konzept zur Neustrukturierung vorzulegen. Erste Ergebnisse solle der Vorstand im Januar präsentieren, sagte auch der CDU-Politiker.

Die Deutsche Bahn hatte zuletzt ihre selbst gesetzten Ziele bei der Pünktlichkeit klar verfehlt. Kunden klagen auch häufig über Probleme wie kaputte Toiletten oder geschlossene Bord-Restaurants. Auch an der Infrastruktur und bei der Digitalisierung gibt es viel zu tun. Immer wieder wird außerdem über eine Änderung der Konzernstruktur diskutiert.

Die Unzufriedenheit über die Probleme bei der Bahn bekommen immer häufiger die Mitarbeiter zu spüren. Die Zahl der Übergriffe auf Bahn-Mitarbeiter steigt. Als Grund wird häufig Frust über schlechten Service und die Unpünktlichkeit der Züge genannt.

Über dieses Thema berichtete am 23. Dezember 2018 NDR Info um 03:00 Uhr in den Nachrichten und Inforadio um 06:03 Uhr.

Darstellung: