Ein Audi A6 auf der internationalen Motorshow in Genf. | Bildquelle: AFP

Absatzmarkt Südkorea Audi manipulierte Tests und Fahrzeugdaten

Stand: 08.10.2018 16:02 Uhr

Audi hat offenbar jahrelang Fahrgestellnummern und Testergebnisse gefälscht, um sich in Südkorea Autozulassungen zu erschleichen. Das hat ein Konzernsprecher bestätigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall.

Die Autofirma Audi hat sich durch gefälschte Dokumente offenbar jahrelang Fahrzeugzulassungen in Südkorea erschlichen. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen drei Audi-Beschäftigte - unter ihnen soll allerdings kein derzeitiges oder früheres Mitglied des Audi-Vorstands sein. Das hat eine Behördensprecherin bestätigt. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet.

Audi erklärte, konzerneigene Prüfer seien den Verfehlungen in dem ostasiatischen Land auf die Spur gekommen und hätten einen internen Revisionsbericht angefertigt. Nach Angaben des "Spiegel" hätten Mitarbeiter zunächst Messwerte in Testprotokollen gefälscht. Um deren Nachprüfung zu erschweren, seien getesteten Fahrzeugen falsche Fahrgestellnummern zugeordnet worden.

Die Dokumente, die zu den neuen Manipulationsvorwürfen führten, waren laut "Süddeutscher Zeitung" im März 2017 bei einer Razzia in der Ingolstädter Audi-Zentrale in die Hände der Strafverfolger gefallen. Gegenstand der damaligen Durchsuchung war die Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Fahrzeugen.

Schadstoffemission und Kilometerzahlen manipuliert

Gefunden wurden demnach Prüfprotokolle der Audi-Revision, also der internen Kontrollabteilung, die die Verstöße aufgelistet und detailliert beschrieben hätten - datiert auf den 14. Juli 2016.

Die Ergebnisse der Prüfberichte besagten, Mitarbeiter der Audi-Werke in Ingolstadt und Neckarsulm hätten seit 2013 Messergebnissse des Schadstoffausstoßes und Kraftstoffverbrauchs gezielt manipuliert. Auch Testdaten und Kilometerzahlen der betreffenden Autos seien manipuliert worden. In 18 Fällen sei eine falsche Fahrgestellnummer ins Testprotokoll eingetragen worden, heißt es darin. Die manipulierten Unterlagen seien zur Vorlage an die südkoreanischen Behörden verschickt worden.

Audi-Chef Rupert Stadler | Bildquelle: dpa
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Der frühere Chef von Audi, Rupert Stadler, war nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen zunächst beurlaubt und später entlassen worden.

Audi selbst erklärte, die Erkenntnisse aus den Revisionsberichten seien "mit den koreanischen Zulassungs- und Strafverfolgungsbehörden" in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von VW und Audi aufgearbeitet worden. Gerichtsverfahren und Verurteilungen in Südkorea seien die Folge gewesen, außerdem sei der für Südkorea zuständige Dienstleister ausgetauscht worden.

Die deutschen Behörden habe Audi nicht informiert - unter Verweis auf interne Ermittlungen, die noch nicht abgeschlossen gewesen seien.

VW-Tochter Audi war schon in Diesel-Skandal verwickelt

Dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge muss der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler von den festgestellten Manipulationen informiert gewesen sein. Nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen hatte der Vorstand der VW-Tochter stets den Anschein erweckt, man werde mit solchen Verstößen aufräumen.

Noch im Geschäftsbericht 2016 hieß es, Audi dulde keine Gesetzesverstöße und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Marke sei Audis höchstes Gut. Von den Mauscheleien in Südkorea findet sich hingegen kein Wort.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Oktober 2018 um 15:15 Uhr.

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