Audi-Chef Rupert Stadler | Bildquelle: dpa

Aufsichtsratssitzung Audi-Chef Stadler beurlaubt

Stand: 19.06.2018 14:25 Uhr

Der Aufsichtsrat des Autobauers Audi hat Konzernchef Stadler beurlaubt. Er sitzt wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft. Angeblich wollte er gegen einen Belastungszeugen vorgehen, wie SZ, NDR und WDR erfuhren.

Der Aufsichtsrat von Audi hat den in Untersuchungshaft sitzenden Vorstandschef Rupert Stadler beurlaubt. Als Interimsnachfolger übernimmt Vertriebschef Bram Schot. Stadler sitzt seit Montag in Augsburg in Untersuchungshaft und kann seine Aufgaben zumindest vorerst nicht mehr erfüllen. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm im Zusammenhang mit dem Dieselskandal Betrug und geplante Beeinflussung von Zeugen oder Mitbeschuldigten vor.

Vertriebschef Schot übernimmt kommissarisch

Bram Schot | Bildquelle: dpa
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Vertriebschef Bram Schot übernimmt die Führung von Audi kommissarisch.

Schot "übernimmt mit sofortiger Wirkung kommissarisch den Vorstandsvorsitz von Audi", teilte der Ingolstädter Autobauer mit. Stadler habe den Aufsichtsrat gebeten, von seinen Aufgaben als Audi-Chef und Volkswagen-Vorstandsmitglied vorübergehend entbunden zu werden. Die Aufsichtsräte von Volkswagen und Audi hätten der Bitte entsprochen. Dies gelte vorübergehend, "bis der Sachverhalt geklärt ist, der zu seiner Verhaftung geführt hat", teilte Audi mit. Da Stadler als Audi-Vorstandschef auch dem VW-Konzernvorstand angehört, waren in dieser Personalie beide Aufsichtsräte gefragt.

Betriebsrat und IG Metall begrüßen Schots Berufung

Der Audi-Betriebsrat und die IG Metall begrüßten die Berufung Schots: Betriebsratschef Peter Mosch sagte: "Unsere Belegschaft und unser Markenimage dürfen nicht weiter unter der belastenden Situation leiden." Mosch, der auch gleichzeitig stellvertretender Audi-Aufsichtsratschef ist, betonte, der Autobauer müsse handlungsfähig bleiben. Für die Belegschaft sei jetzt wichtig, dass Schot Audi "wieder in ruhigeres Fahrwasser bringt, die Aufklärung vorantreibt, diese konsequent zum Abschluss bringt und vor allem auch das Tagesgeschäft weiter im Auge behält."

Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrats, sagte, die Belegschaft "braucht eine klare Perspektive und die Sicherheit, dass sich das Unternehmen in vollem Umfang den Zukunftsfragen der Branche stellen kann".

Bram Schot gehört dem Audi-Vorstand erst seit September an. Der 56-jährige Niederländer ist dort bislang für den Vetrieb zuständig. Begonnen hatte er seine Karriere bei Mercedes-Benz, vor seinem Wechsel zu Audi war er seit 2012 Vertriebschef bei VW-Nutzfahrzeuge.

Stadler wegen Verdunklungsgefahr in U-Haft

Audi-Chef Stadler soll nach Beginn der Abgasaffäre im Herbst 2015 im eigenen Unternehmen Hinweise bekommen haben, dass - außer bei Volkswagen - auch bei der Ingolstädter VW-Tochter Autos mit manipuliertem Abgassystem gebaut und verkauft würden.

Wegen dieser Vorwürfe hatte die Münchner Staatsanwaltschaft jüngst Stadlers Wohnung durchsucht. Außerdem wurden seine Telefonate vor und nach der Razzia abgehört. Das erfuhren NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" aus Kreisen von Verfahrensbeteiligten. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu nicht äußern. Entweder aus den sichergestellten Unterlagen oder aus den abgehörten Telefonaten, möglicherweise auch aus beiden Quellen, ergaben sich für die Ermittler konkrete Anhaltspunkte für den Verdacht der Vertuschung gegen Stadler. Wegen Verdunklungsgefahr wurde der Haftbefehl nun vollstreckt.

Nun wurde bekannt, dass Stadler angeblich gegen einen Belastungszeugen aus dem eigenen Unternehmen vorgehen wollte. Dieser Verdacht der Staatsanwaltschaft München II ergibt sich nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR aus einem kürzlich von den Ermittlern abgehörten Telefonat Stadlers. Bei dem Gespräch mit einem oder mehreren Audi-Kollegen soll sich Stadler darüber beklagt haben, dass ein Mitarbeiter des Autobauers in der Abgasaffäre umfassend bei den Ermittlern ausgesagt habe.

Die Staatsanwaltschaft legt Stadler und einem weiteren Mitarbeiter "Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung" zur Last. Obwohl er über die Manipulationen informiert gewesen sei, habe er die Herstellung und den Verkauf der Autos weiter in Kauf genommen. Bisher hatte Stadler stets bestritten, in die Abgasaffäre verwickelt zu sein.

VW teilte mit, für Stadler gelte weiterhin die Unschuldsvermutung.

Stadler war seit 2007 Audi-Chef

Stadler stand seit 2007 an der Audi-Spitze. Der 55-Jährige gilt als Vertrauter der Eigentümerfamilien Porsche und Piech. Die hatten ihm trotz der Vorwürfe bisher den Rücken gestärkt.

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat für 216.000 Audi-Diesel einen Rückruf angeordnet, zuletzt ging es um rund 60.000 Exemplare der Oberklasse-Typen A6 und A7.

Über dieses Thema berichteten am 19. Juni 2018 NDR Info um 13:00 Uhr in den Nachrichten und Deutschlandfunk um 13:19 Uhr.

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