Audilogo | Bildquelle: dpa

Dieselskandal Audi plante weitere Manipulationen

Stand: 13.03.2019 07:14 Uhr

Im Dieselskandal hat Audi weitere Strategien entwickelt, um seine Autos sauberer erscheinen zu lassen: Nach BR-Recherchen sollten nicht nur die Zulassungsbehörden getäuscht werden.

Von Arne Meyer-Fünffinger und Josef Streule, BR

Audi will den Diesel-Skandal endgültig hinter sich lassen - das macht das Unternehmen derzeit auf dem Automobilsalon in Genf deutlich. Der Ingolstädter Autobauer setzt auf Elektromobilität und präsentiert vier neue vollelektrische Modelle. "Wir wollen wirklich grün sein", so der neue Audi-Chef Bram Schot bei der Vorstellung der Fahrzeuge. Doch der Dieselskandal lässt Audi nicht los. Es kommen neue Details ans Licht.

Auch Prüfyzklen von Umweltbehörden und ADAC im Visier

Nach BR-Informationen waren bei der VW-Tochter Audi Manipulationen der Abgassoftware nicht nur darauf ausgerichtet, die Zulassungsbehörden hinters Licht zu führen. Es wurde auch eine Strategie entwickelt, um Fahrzeuge bei Abgastests von Umweltbehörden und dem ADAC sauberer erscheinen zu lassen als im Normalbetrieb. Das geht aus internen E-Mails und Präsentationen aus dem Jahr 2009 hervor, die BR Recherche und das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus ausgewertet haben.

Strategien für den Prüfstand

Abgastest an einem Fahrzeug | Bildquelle: AFP
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Audi erwog, mit Manipulationssoftware die Ergebnisse weiterer Testverfahren zu manipulieren.

Demnach trieb Entwickler bei Audi damals eine Sorge um: Beim so genannten Artemis-Test des Umweltbundesamtes und beim Eco-Test des ADAC schnitten Diesel-Fahrzeuge des Herstellers nicht gut ab. Daher erarbeiteten Techniker Strategien, damit die Motor-Software die Prüfzyklen von Umweltbundesamt und ADAC auf dem Prüfstand erkennt. Drei Möglichkeiten wurden diskutiert: Zykluserkennung anhand von "Umweltbedingungen", über eine "Fahrprofilerkennung" oder eine "Lenkwinkelerkennung", so der Wortlaut in den Audi-Unterlagen.

Entschieden haben sich die Entwickler laut Dokumenten für eine Fahrkurven-und Lenkwinkelerkennung. Wörtlich heißt es: "Bei sicherem Erkennen einer Fahrkurve: Umschalten auf einen anderen EOM" - also auf einen anderen Betriebsmodus. War die Prüffahrt vorbei, sollte die Abgasreinigung auf "Normalbetrieb" umgestellt werden. In Grafiken stellten die Experten dar, wie viele Sekunden ("1000, 1500, 2000") der jeweilige Prüfmodus laufen sollte. Angedachte Umsetzung der Maßnahme: das Modelljahr 2011.

Präsentation sollte "nicht in falsche Hände geraten"

In einer tabellarischen Übersicht fassten Audi-Mitarbeiter die Vor- und Nachteile der Strategien zusammen. Auch die "Aufdeckungswahrscheinlichkeit" wurde abgewogen. Den Beteiligten war klar, dass die Sache "politisch kritisch" war. Einer der Softwareentwickler versah vor diesem Hintergrund eine am 8. Dezember 2009 an einen größeren Verteiler verschickte E-Mail mit der Warnung: "Die mitgeschickte Präsentation bitte gleich wieder löschen […]. Das Ding darf nicht in falsche Hände geraten!"

Kein Kommentar von Audi

Auf BR-Anfrage wollte ein Audi-Sprecher den Vorgang "wegen der laufenden Ermittlungen" nicht kommentieren. Der ADAC teilte mit, er könne nach der Auswertung von mehr als 50 Messungen seit 2007 keine signifikanten Änderungen im Zeitraum nach 2011 feststellen.

Womöglich entschied sich das Unternehmen wegen der Gefahr der Aufdeckung gegen die Zykluserkennung. Das Umweltbundesamt schrieb auf Anfrage, auch wenn der "Artemis"-Fahrzyklus keine rechtliche Relevanz bei der Fahrzeugzulassung habe, sei eine Zykluserkennung - falls sie tatsächlich stattgefunden habe - moralisch sehr bedenklich.

Neustart im Schatten des Dieselskandals

Dass Audi die Dieselkrise nicht einfach abschütteln kann, zeigt auch die Lage in Ingolstadt. 44.000 Beschäftigte arbeiten dort im größten Werk des Konzerns. 2017 bauten sie rund 538.000 Autos. In diesem Jahr werden nach BR-Informationen nur noch 441.000 Fahrzeuge gefertigt - fast 20 Prozent weniger als zwei Jahre zuvor, so interne Planzahlen.

Fertigung im Audi-Werk Ingolstadt | Bildquelle: picture alliance / Stephan Goerl
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In Ingolstadt baut Audi deutlich weniger Autos als noch vor zwei Jahren.

Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Audi zwar bis 2025 ausgeschlossen, der neue Vorstand will aber Personal abbauen und ganze Schichten streichen. Morgen wird Audi seine Jahreszahlen vorlegen und die künftige Unternehmensstrategie erläutern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. März 2019 um 06:19 Uhr.

Korrespondent

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Arne Meyer-Fünffinger, BR

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